Die Macht der Marken

+
Symbolbild

Von Kevin Schumann (14 Jahre) aus Henstedt. Vorhin bin ich einem Mädchen begegnet. Sie hatte bunte Haare – rot, blau, grün und sogar lila, alles war dabei. Über der Schulter hatte sie eine Jil-Sander-Handtasche, die sie kaum noch tragen konnte; in einer Hand ein iPad, in der anderen ihr iPhone.

Am Körper eine enge, weiße Bluse und einen kurzen Rock. Und das bei dem Wetter! Ich hätte ja, bevor ich das Haus verlasse, mal drüber nachgedacht, dass man krank werden kann, wenn man sich so schlecht gegen Kälte schützt. Sehr komfortabel ist es ja auch nicht gerade, überall so eine riesige Tasche und ein Tablet mit hinzuschleppen. Außerdem war dieses Mädchen höchstens 15 und hatte nur Markenartikel dabei! Sowas macht man doch ausschließlich, um zu irgendeiner „tollen“ Gruppe dazuzugehören, das hab ich sofort gesehen! Ich fragte mich bloß, ob das alles heutzutage wirklich nötig ist...

Neueste Technik, teure Klamotten, seltene Schuhe – machen diese Sachen denn echt so viel aus? Ja, machen sie. Ich habe lange drüber nachgedacht, mit vielen Gleichaltrigen geredet, mich informiert – und rausgekommen ist dabei, dass solche Statussymbole tatsächlich unseren Alltag extrem bestimmen.

Das merkt man am besten in der Schule. Da ist es nämlich jeden Tag Standard, dass Kinder und Jugendliche als minderwertig oder Freaks abgestempelt werden, wenn sie einen eigenen Stil verfolgen, der nichts mit Konsum und Geld zu tun hat. Wer ein uraltes Handy besitzt und keine Markenkleidung trägt, fällt im Strom der anderen sofort auf. Und zwar nicht positiv. Wer sich aber – gerade in unserem Alter – all diese Gegenstände leisten kann, der wird gleich um mehrere Ränge im Ansehen der anderen befördert.

Gewisse Gegenständen können uns also den Tag und das Leben vereinfachen. Das ist in der Schule genauso wie im Arbeitsleben, wo zum Beispiel Arbeitskleidung beziehungsweise Anzüge den Rang eines Menschen in der Gesellschaft zeigen.

Ist ja klar – ein Mensch im Business-Dress wirkt gebildeter und einflussreicher als einer in Maurerklamotten. Kleidung kann gewisse Eigenschaften eines Menschen verstärken oder abschwächen. Sie lässt ihn anders wirken, als er vielleicht eigentlich sogar ist und verfälscht ihn somit. Echte Charaktereigenschaften werden durch so einen oberflächlichen Eindruck leicht abgelöst.

Bei gut verdienenden Erwachsenen mag es kein Problem sein, Statussymbole wie Kleidung, Handy und Computer zu finanzieren. Aber bei Leuten in unserem Alter schon! Um uns diese ganzen Dinge leisten zu können, müssen wir unsere Eltern anpumpen oder jobben. Heutzutage nehmen ja sogar einige Eltern schon kleine Kredite auf, um die Wünsche ihrer Familie zu erfülllen. Wenn man nicht rechtzeitig „Nein“ zum Konsum sagen kann und überall immer mithalten will, rutscht man schnell in die Schuldenfalle. Weil es aber diese Möglichkeit von Mini-Krediten gibt, sind Gesellschaftsschichten nicht mehr auf den ersten Blick zuzuordnen. Man kann sich hinter Statussymbolen verstecken und mit der Masse gehen. Ich frag mich allerdings: Wenn jetzt jeder relativ einfach an gewisse Statussymbole gelangt, die alle haben – sind es dann noch besondere Gegenstände?

Vor einigen Jahren konnten sich nur Chefärzte oder andere Vielverdiener Cabriolets von Mercedes Benz oder BMW leisten – heute fahren diese Autos auch Hans und Franz.

Der Markt wird mit Gegenständen überflutet, und die Kunden sind fast schon gezwungen, immer neuere Versionen zu kaufen, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Jeder möchte ja mitreden können und nicht zu den Außenseitern zählen.

Auch wenn es schwerfällt, sollten wir uns öfter mal fragen, ob wir all diese Statussachen wirklich unbedingt benötigen. Ob eine andere Anschaffung im Moment nicht vielleicht wichtiger ist als die Ware eines Markenherstellers.

Oft hilft es einfach, sich bloß mal mit dem Produkt zu beschäftigen anstatt nur Wert auf Design und Außenwirkung zu legen. Im Internet kann man ja viele Berichte von Besitzern der Gegenstände lesen, in denen man etwas über die Funktionalität erfährt und darüber, ob sich die Anschaffung gelohnt hat oder nicht.

Aber bei allem bleibt auch noch die Frage übrig: Ist es echt so schlimm, ein Produkt mal nicht oder später zu haben als andere? Oder können wir auf das ein oder andere Statussymbol, bei dem es wirklich nur um Außenwirkung und ums Angeben geht, nicht auch mal komplett verzichten?

Ich finde: Das muss gehen. Allein schon deswegen, weil ich nicht immer nur stumpf im gleichen Strom wie alle anderen treiben will.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Meistgelesene Artikel

„Ich bumse alles, aber ich liebe die Frauen tatsächlich auch.“

„Ich bumse alles, aber ich liebe die Frauen tatsächlich auch.“

„Ich bumse alles, aber ich liebe die Frauen tatsächlich auch.“
Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen
„Kein stumpfes Geballer“

„Kein stumpfes Geballer“

„Kein stumpfes Geballer“
Harry Styles und das Vogue-Cover: Eine Liebeserklärung an die „Unmännlichkeit“

Harry Styles und das Vogue-Cover: Eine Liebeserklärung an die „Unmännlichkeit“

Harry Styles und das Vogue-Cover: Eine Liebeserklärung an die „Unmännlichkeit“

Kommentare