Warum habt ihr Euch konfirmieren lassen?

Mirja Mulisch (14 Jahre) aus Okel

Die Chili-Redaktion hat mit den Konfirmanden 2012 gesprochen und mal gehört, was Ihnen die Zeit der Vorbereitung auf die Konfirmation gegeben hat.

Meine Rettung

Von Claas-Lasse Böhm (17 Jahre) aus Bremen

Ich verließ den Konfirmandenunterricht als ein anderer Mensch In meiner Familie spielte Religion nie eine Rolle. Obwohl meine Mutter in der Kirche ist – Gott war nie ein Thema bei uns. Ich bin eigentlich nur so zum Konfirmandenunterricht mitgetrottet, weil alle meine Freunde hingegangen sind. Und ja, ich will kein Lügner sein: Ich wollte auch so viel Geld und mir einen Computer kaufen! Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass ich nach einem Jahr im Konfirmandenunterricht eine Entwicklung durchmachte, und am Tag meiner Konfirmation verließ ich den Gemeindesaal als ein ganz anderer Mensch, als ich ihn betreten hatte: als Christ! Dem plötzlich das ganze Geld und die Geschenke scheißegal waren! Wie es zu dieser Verwandlung gekommen ist? Vielleicht war es Schicksal. Ich war erst ein paar Wochen dabei, als mein Bruder bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Ich konnte damit nicht umgehen und machte total dicht, niemand kam an mich ran, meine Eltern nicht, meine Freunde nicht, kein Lehrer – nur einer, und das war der Pastor. Ich weiß nicht, warum ich ausgerechnet ihm, den ich erst so kurz kannte, alles erzählte und nicht mal meinem besten Freund. Er war selber noch jung und hatte auch mal einen Kumpel bei einem Unfall verloren. Vielleicht war es das. Ich hab geraucht, die Schule geschwänzt und bin in Depressionen verfallen. Er hat mich durch Gespräche, gemeinsame Spaziergänge und Gebete aus diesem Loch rausgeholt und mir gezeigt, dass ich im Glauben zu Gott Hilfe finden kann. Das hat mich verändert – und nicht nur mich, meine ganze Familie auch. Ich glaube, wenn ich damals nicht zum Konfirmandenunterricht gegangen wäre, obwohl ich es ja nicht aus Überzeugung gemacht habe, hätten wir es nicht geschafft. Vor zwei Jahren sind wir nach Bremen gezogen. Der Kontakt zu „meiner“ Gemeinde und „meinem“ Pastor ist immer noch sehr eng. Er hat mich gerettet, dafür bin ich mein Leben lang dankbar! Ich werde meinen Glauben an Gott jedenfalls nie wieder anzweifeln und schon gar nicht aufgeben!

Mein Versprechen

Annika Bondzio (13 Jahre) aus Bassum

Der letzte Wunsch meiner Ur-Oma Warum will man überhaupt konfirmiert werden? Wie kommt man auf so eine Idee? Den meisten geht’s ja ums Geld und die Geschenke. Bei mir war es so, dass sich meine Ur-Oma vor zwei Jahren gewünscht hat, meine Konfirmation noch mitzuerleben. Und weil ich meine Ur-Oma immer über alles geliebt habe und ihr ihren Wunsch erfüllen wollte, hab ich mich dafür entschieden. Leider ist meine Ur-Oma drei Monate später gestorben. Sie hatte Krebs, am Ende hat ihr Herz versagt. Das hat mich traurig gemacht, aber noch weiter darin bestärkt, mich unbedingt konfirmieren zu lassen. Ich weiß, dass vielen Leuten im Kopf rumschwirrt: „Die möchte doch in Wirklichkeit auch nur das Geld“, aber es ist mir egal, was andere sagen. Sollen sie reden. Denn die Wahrheit ist: Ich mache es für meine tote Ur-Oma, und sonst wegen nix!

Meine Gründe

Carola Wegwerth (13 Jahre) aus Okel

Der Glaube wird keine Hauptrolle spielen Meine Familie ist nicht religiös, aber ich glaube schon irgendwie an Gott. Ich stelle ihn mir als unsichtbaren Geist vor, der für uns da ist. Trotzdem denke ich, dass Gott und der Glaube nach meiner Konfirmation keine bedeutende Rolle mehr spielen werden. Ich hab mich konfirmieren lassen, damit ich mal Patin werden kann. Und damit ich mal kirchlich heiraten darf. Den Konfirmationsunterricht fand ich mal langweilig, mal lustig. Besonders hat mir unsere Gruppe gefallen, alle waren nämlich immer sehr witzig drauf. Ich glaube trotzdem, es würde sich nur noch ein Fünftel konfirmieren lassen, wenn es keine Geschenke und kein Geld geben würde. Viel Kohle für das bisschen Konfus 4.790 Euro – das war das Ergebnis meiner Konfirmation!

Viel Kohle nur für zwei Jahre Konfus, oder?

Dominik Ritterhoff (19 Jahre) aus Bremen-St. Magnus

Gerecht ist das wohl nicht, aber angenommen hab ich das Geld ja doch. In der Kirche bin ich seit ein paar Monaten nicht mehr.

Nix für mich

Rico Kleemann (15 Jahre) aus Bremen

Ich bin ehrlich: Ich hab mich nur wegen des Geldes konfirmieren lassen! Und weil alle meine Freunde es auch getan haben. Sonst hat es mir wenig gebracht, Gott und Kirche sind nix für mich!

Ich bleib dabei, denn ich brauche Gott noch

Melanie Meisel (15 Jahre) aus Heiligenfelde

Der Glaube an Gott verfolgt mich mein ganzes Leben, nicht nur während der Konfirmationszeit. Ich glaube zwar nicht an alles, was in der Kirche erzählt wird und in der Bibel steht, aber an Gott glaube ich schon. Ich kenne verschiedene Gebete und Lieder, und die Geschichten über Jesus interessieren mich – besonders seine Kindheit, wie die Leute auf ihn reagiert haben und wie das mit der Kreuzigung war. Ich habe zur Konfirmation Geschenke wie Blumen oder Parfüm und Geld bekommen – 3.000 Euro. So viel Geld zu haben ist zwar gut, aber ich finde es schlimm, wenn man sich nur wegen des Geldes konfirmieren lässt. Ich bleibe auf jeden Fall in der Kirche. Weil ich auch später unbedingt mal in der Kirche heiraten möchte. Und bei Trauerfeiern von Familie und Bekannten finde ich es auch besser, wenn man in der Kirche ist. Ich brauche Gott, wenn ich ihm was Schlimmes mitteilen möchte. Oder ich bete einfach, wenn ich in einem Moment stark an ihn denke.

Was ist Glauben gegen Knete?

Mirja Mulisch (14 Jahre) aus Okel

„Ich lasse mich nur wegen meines Glaubens an Gott konfirmieren!“ Ja, klar. Bei mir ist es genauso... Ist doch alles gelogen! Ich will mal ehrlich sein: Mag ja sein, dass es ein paar in unserem Alter gibt, bei denen es so ist, aber das sind doch die wenigsten. Für wen steht denn bitte das ganze Geld an zweiter Stelle? Was ist Glauben gegen Knete? Mit Geld kann man doch viel mehr anfangen! Die Geschichte von Jesus finde ich eigentlich schon interessant, ich glaube auch an Gott. Zu ihm kann man immer sprechen – egal, was man hat. Und wenn er nicht die Welt erschaffen hat, wer denn dann? Ich hab auch schon mal gebetet – zum Beispiel, als der Vater meiner Freundin im Koma lag. Ich finde also nicht, dass Glaube unwichtig ist, denn er gibt den Menschen Hoffnung. Und trotzdem lasse ich mich nur wegen des Geldes konfirmieren. Ich glaube, nach meiner Konfirmation werde ich sicherlich nicht mehr jeden Sonntag in die Kirche gehen. Wahrscheinlich nur noch, wenn jemand Verwandtes gestorben ist oder heiratet.

Ich werde in der Kirche bleiben

Filina Oldehoff (14 Jahre) aus Heiligenfelde

Filina Oldehoff

Meine Konfirmation hab ich in einem Gasthof gefeiert – mit meiner Familie und meiner besten Freundin, abends kamen noch die Nachbarn. Es waren um die 25 Leute da. Ich hatte ein schwarzes Kleid, Bolero, Strumpfhose und schwarze Schuhe an. In den Klamotten hab ich mich schon sehr schick gefühlt, irgendwie besonders. Aber nicht erwachsener, eigentlich genauso wie vor der Konfirmation. Zum Konfirmandenunterricht bin ich irgendwie automatisch gekommen. Mama hat mich da angemeldet, und es war selbstverständlich, dass ich hingehe, meine Freunde waren ja auch alle da. Meine Familie ist auch evangelisch. Aber nicht streng gläubig. Ich glaube schon an Gott, allerdings auch nicht so stark. Ich stelle ihn mir als einen etwas älteren Herrn vor, der die Welt bewacht, sich alle Probleme der Menschen anhört und immer hilft, wenn man in Schwierigkeiten steckt. Gott wird deshalb auch nach der Konfirmation noch eine Rolle für mich spielen. Für mein Verständnis ist es Schwachsinn, nur wegen des Geldes der Kirche beizutreten. Ich habe bis jetzt 2.400 Euro zur Konfirmation bekommen. Und Geschenke. Ein paar ziemlich komische waren ja schon dabei – zum Beispiel ein BH-Träger und eine schreckliche Leopardenstrumpfhose! Ich weiß noch nicht, wann ich das nächste Mal in einen Gottesdienst gehe. Aber ich werde in der Kirche bleiben. Ich lasse mich doch nicht konfirmieren, wenn ich gleich danach wieder austreten will!

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