Epische Historien-Serie läuft zu Hochform auf

„Vikings“ geht mit Pauken, Blut und Visionen in die Staffelpause

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Von Britta Buntemeyer - Brutales Schlachtengetümmel, Traumsequenzen, Visionen, Rückblicke und nicht zuletzt diese ganz besondere Atmosphäre: Mit einem furiosen Halbstaffelfinale hat sich „Vikings“ bei Amazon Prime Video in die Sendepause verabschiedet und gleichzeitig die Weichen für eine vielversprechende zweite Staffelhälfte gestellt.

Serienschöpfer und Autor Michael Hirst hat mit „Moments of Vision“ wieder einmal ein kleines Meisterstück vollbracht, das eine eigentlich recht einfache Geschichte mit einer umso faszinierenderen Erzählstruktur präsentiert. Die Schlacht um Kattegat bestimmt auch im Halbstaffelfinale die Handlung, die natürlich tragische Todesopfer fordert, aber auch die Rückkehr einer sehnlichst vermissten Figur mit sich bringt.

Schon die „cold open“-Sequenz vor dem Vorspann, in der die rivalisierenden Brüder Halfdan und Harald in ihren jeweiligen Camps einen nordischen Gesang anstimmen, setzt den Ton für diese wunderbar poetisch erzählte Folge. Die Söhne von Ragnar Lodbrok sind weiterhin im Krieg und gespalten. Der impulsiv-hitzköpfig-geniale Ivar mit seinem Bruder Hvitserk sowie seinem Verbündeten, König Harald, die florierende Siedlung Kattegat einnehmen.

Rollo (r.) kehrt zurück - auf den Spuren seines verstorbenen Bruders Ragnar (l.)?

Diese wird noch immer von Lagertha regiert, die ihr Königreich zusammen mit Sohn Bjorn – Sprössling aus ihrer Ehe mit Ragnar –, Ivars und Hvitserks älterem Bruder Ubbe sowie Halfdan verteidigen muss. So kommt es gleich zum doppelten Bruderkonflikt: Die Söhne von Ragnar bekriegen sich ebenso wie die einst engen Brüder Halfdan und Harald. 

Gewalt und Krieg ohne Ende

Ivar ist nach wie vor besessen davon, Lagertha zu töten, nachdem diese seine Mutter umgebracht hatte. Und über allem schwebt das bestimmende Thema dieser Staffel: der nicht enden wollende Kreislauf von Gewalt und Krieg, der vor allem das Vermächtnis des großen Ragnar Lodbrok auf eine harte Probe stellt.

Anstatt schlicht den Verlauf einer Schlacht zu zeigen, greift Schreiber Michael Hirst tief in die erzählerische Trickkiste. So unterbricht er die Kampfsequenzen der verschiedenen Figuren immer wieder mit Rückblenden und Visionen, die mehr über den Hintergrund der Charaktere und ihre Denkweisen offenbaren.

In einem Rückblick etwa fragt Ivar seinen Bruder Hvitserk, warum dieser sich auf seine Seite geschlagen hat. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass sich Hvitserk doch nochmal umentscheiden könnte. 

Kann sich Königin Lagertha auf Heahmund verlassen oder nicht?

Lagertha und Bischof Heahmund haben sich derweil etwas intimer in die Schlacht verabschiedet: Lagertha bat den christlichen Kämpfer, der sich erst Ivar und dann ihr verschrieben hat, um einen Kuss – bevor sie sterben kann, wie sie sagt. Die Figur von Heahmund bleibt weiterhin undurchschaubar. Ist er wirklich auf Lagerthas Seite oder verfolgt er einen anderen Plan?

Lagerthas Ex-Geliebte Astrid, mittlerweile mit König Harald verheiratet, jedoch aus einer Vergewaltigung schwanger, bittet Lagertha darum, sie zu töten. Inmitten des Schlachtengetümmels stehen sich die beiden plötzlich allein gegenüber. Ein weiterer erzähltechnischer Kniff, dem sich Michael Hirst bedient. So erzählt er stets alles aus der Sicht der jeweiligen Figuren. Alles andere um sie herum verschwindet buchstäblich. Der Zuschauer sieht das, was die Figuren sehen. 

Schlachten und Visionen vermischen sich

In einer weiteren großartigen Sequenz beobachtet Ivar das Schlachtfeld und sieht Lagertha gegen Skelette kämpfen. Halfdan wird von seinem Bruder getötet, was wiederum mit Visionen von Halfdan während seiner Exkursion mit Björn in Afrika verwebt wird. Während Halfdan stirbt, sieht er sich nochmal in die exotische Wüstenlandschaft versetzt. Zu gern hätte er noch weitere Reisen mit Bjorn unternommen, aber dazu sollte es nicht mehr kommen. 

Neben Astrid und Halfdan zählen auch Bjorns frisch Angetraute Snaefrid und sein Ziehsohn Guthrum zu den Todesopfern in dieser Folge.

Aber auch die Ereignisse um Floki und seiner Gruppe in Island räumt Michael Hirst Platz in „Moments of Vision“ ein. Gekonnt verstrickt er diesen Handlungsstrang mit den Geschehnissen in Kattegat. Floki wollte eigentlich auf der von ihm entdeckten und von den Göttern geweihten Insel eine neue Gesellschaft gründen. Doch nach wie vor macht ihm Eyvind zu schaffen, der ihn beschuldigt, sie alle hereingelegt zu haben. So hatte er Floki bereits beschuldigt, König ihrer kleinen Gruppe werden zu wollen. 

Floki sieht keinen Sinn mehr in der endlosen Gewalt.

Zudem sind mittlerweile schon zwei Todesopfer zu beklagen. Floki ist der Gewalt müde. Das betont er nochmal, während seine Worte mit Schlachtsequenzen aus Kattegat verbunden werden. Er sieht nur noch einen Ausweg, um mit den Göttern wieder ins Reine zu kommen: Er will sich selbst opfern.

Ein Paukenschlag zum Abschuss

„Moments of Vision“ verabschiedet sich schließlich mit einem kleinen Paukenschlag: Bjorn begreift, dass die Schlacht verloren ist und plant die Flucht der Menschen aus Kattegat. In einer überraschenden Sequenz trifft er auf seine Mutter Lagertha. Diese hockt apathisch und mit weißen Haaren auf dem Boden. Sie ist auf mehreren Ebenen geschlagen: Sie hat nicht nur die Schlacht verloren, sondern musste auch Astrid töten. 

Wie es mit ihr weitergeht bleibt ebenso spannend wie der Konflikt zwischen Ragnars Söhnen, in dem ein alter Bekannter eine entscheidende Rolle spielen könnte: In der letzten Szene kehrt Ragnars Bruder Rollo zurück, der mittlerweile die Franken anführt.

Es dürfte also nach wie vor ordentlich an allen Enden lodern, wenn sich „Vikings“ später in diesem Jahr mit der zweiten Hälfte der fünften Staffel zurückmeldet. Bleibt nur zu hoffen, dass Michael Hirst weiterhin in solch einer erzählerischen Hochform bleibt. Seine epische History-Channel-Serie gehört einfach zu dem Besten, was die Serienwelt mittlerweile zu bieten hat – und weiß auch in der ersten Staffel nach dem tragischen Ableben von Hauptfigur Ragnar Lodbrok auf ganzer Linie zu fesseln.

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