Veganismus

Aus Liebe zum Tier

Alina

Alina Osmers aus Oyten lebt vegan. Sie verzichtet auf Fleisch, Milch, Honig, Eier und vieles mehr. Warum sie so viele Lebensmittel meidet, erzählt sie im Interview

Von Natalie Schrank (17 Jahre) aus Bassen – Immer mehr Menschen stellen ihre Ernährung um, weil sie Massentierhaltung und Tierquälerei nicht unterstützen wollen. Sie kaufen nur noch bei Schlachtern ein, die sie kennen, um nachvollziehen zu können, woher das Fleisch kommt. Oder sie verzichten ganz auf Burger, Bratwurst und Schnitzel. Einige Personen meiden sogar jegliche Tierprodukte, wie Alina Osmers (16 Jahre) aus Oyten. Sie lebt seit einem halben Jahr vegan.

Warum bist Du Veganerin?

Alina: „Angefangen, mich vegan zu ernähren, habe ich aus gesundheitlichen Gründen. Ich hatte eine Zeit lang starke Bauchschmerzen und dachte mir, dass vegane Ernährung vielleicht helfen könnte. Irgendwann habe ich sogar an der ,Vegan for fit Challenge' teilgenommen. Das ist ein Wettbewerb, der von Attila Hildmann entwickelt wurde, der vegan lebt, weil es gesünder ist – er macht das nicht aus ethischen Gründen.“

Wie viel Wert legst Du auf Tierschutz?

Alina: „Ziemlich viel. Bei mir ist das so, dass ich meine Kleidungsstücke aus Leder behalte und auch nutze, anstatt sie wegzuschmeißen. Das wäre schließlich unsinnig. Ich kaufe mir davon aber nichts Neues. Auch bei Shampoo und Schminke achte ich darauf, dass die Produkte aus veganer Herstellung kommen. Mascara zum Beispiel wird oft aus Bienenwachs hergestellt. Aber so richtig verbissen bin jetzt nicht. Es gibt viele, die versuchen, wirklich auf alles zu achten. Das funktioniert nicht. Wenn man wirklich verhindern will, dass Tiere sinnlos getötet werden, dürfte man auch kein Auto mehr fahren, weil dabei Fliegen auf der Windschutzscheibe sterben könnten.“

Und warum lebst Du vegan und nicht vegetarisch?

Alina: „Ich denke mir, entweder ganz oder gar nicht. Kühe werden eigentlich 20 Jahre alt, die aus der Milchproduktion werden aber gerade mal vier. Sie werden immer wieder geschwängert, damit sie genügend Milch geben. Die Kälber werden ihnen dann entrissen und irgendwann brechen sie zusammen. Legehennen würden normalerweise auch nicht so viele Eier produzieren. Das tun sie nur, weil sie viele Medikamente bekommen. Die Zustände in den Hühnerställen sind oft genauso schlimm, wie die in den Mastbetrieben. Ich habe mir viele Filme über Tierschutz angesehen und finde die Verhältnisse in solchen Betrieben schlimm.“

Musst Du viele künstliche Nährstoffe zu Dir nehmen?

Alina: „Das einzige, was der Körper gar nicht bekommt, ist Vitamin B12. Aber jeder Mensch hat davon einen natürlichen Speicher, der ungefähr drei Jahre hält. Deswegen will ich mir demnächst mal Blut abnehmen lassen, um zu sehen, wie meine Werte sind. Es gibt noch einen Stoff, D3 oder D2, – das weiß ich gerade nicht genau – an dem mangelt es dem Körper besonders in den Wintermonaten aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung. Aber ansonsten gibt es keinerlei Probleme für mich. Ich lebe im Gegensatz zu früher einfach viel, viel gesünder.“

Inwieweit wirkt sich der Veganismus auf Dein Leben aus?

Alina: „Mein Vater war anfangs nicht so begeistert. Er meinte, ich solle das nicht machen, weil das viel zu teuer wäre. Aber das stimmt nicht. Die meisten meiner Freunde waren stattdessen total interessiert. Manche haben mich sogar bewundert. Natürlich muss man sich auch mal blöde Sprüche oder Witze anhören – meistens muss ich dann aber selbst darüber lachen. Das einzige, was mich stört, ist, wenn Leute mich belehren wollen. Ich toleriere ja auch deren Lebensweise. Daher erwarte ich, dass sie dasselbe auch bei mir tun.“

Stimmt es, dass veganes Essen nicht teuer ist?

Alina: „Es kann teuer sein, aber eigentlich sind das nur die Fertigprodukte. Die sind aber auch nicht so gesund. Deswegen kaufe ich sie nicht. Ich esse Reis, Kartoffeln, Nudeln und fast nur Gemüse und Obst – teurer ist das alles also nicht.“

Was spricht gegen eine vegane Lebensweise?

Alina: „Die Auswahl an veganem Essen ist leider nicht ganz so groß. Es sollte vegane Fastfood-Restaurants mit gesunden Sachen geben. Wenn ich weiß, dass ich in die Stadt gehe, nehme ich mir daher immer einen Apfel und eine Banane mit.“

Vermisst Du gar keine Schokolade oder Nutella?

Alina: „Nee, das gibt es ja alles auch vegan. Man kann Zartbittercreme kaufen, die aus reiner Schokolade besteht – die mochte ich eh schon immer lieber. Es gibt auch bestimmte vegane Chips-Sorten und ,Oreos’ darf ich auch essen. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich seit einem halben Jahr kein Fastfood oder Ähn- liches mehr zu mir genommen habe, dann stört mich das ganz und gar nicht. Mir kommt das auch, ehrlich gesagt, gar nicht so lange vor.“

Würdest Du Deine Kinder vegan ernähren?

Alina: „Ja, das würde ich auf jeden Fall machen. Während der Schwangerschaft ist es nur ganz, ganz schwierig, den Veganismus beizubehalten. Da muss man sich ziemlich viele Ersatzstoffe spritzen lassen. Momentan will ich keine Kinder, aber wenn ich später doch welche will, würde ich es auf diese Weise machen, obwohl ich das, ehrlich gesagt, auch nicht so toll finde. Ich weiß auch gar nicht, ob ich für immer Veganerin sein werde.“

Viele Veganer behaupten, dass ihre Lebensweise viel gesünder ist als die von Fleischliebhabern. Allerdings wird Obst und Gemüse oft gentechnisch verändert oder stark mit Pestiziden behandelt. Was sagst Du dazu?

Alina: „Fleisch enthält sehr viel Antibiotika und Milch sogar Spuren von Eiter, weil die Euter der Kühe oft entzündet sind. Auch durch eine ultrahohe Erhitzung der Milch kann man nicht alle Schadstoffe abtöten. Bei Obst und Gemüse achte ich darauf, dass die Produkte aus der Region kommen. Ich kaufe oft Bio-Ware.“

Was sagst Du zu dem Spruch „Veganer essen meinem Essen das Essen weg“?

Alina (lacht): „Dieser Spruch ist einfach geil, weil theoretisch könnte man durch vegane Ernährung den Welthunger besiegen. Auf unglaublich vielen Feldern wird Getreide angebaut und der größte Teil davon wird als Tierfutter verwendet. Das Ding ist, die Tiere erhalten Zusatzstoffe, Überreste von anderen Tieren und Getreide, kein Gemüse und auch kein Obst. Die meisten Hühner bekommen beispielsweise nur noch Fischmehl – also definitiv nichts, was ich essen würde.“

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