So läuft die „Fahrt ins Blaue“

Vatertagstour: Bier heilt alle (Schürf-)Wunden

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Ja, dieses Bild ist sehr alt. Aber nichts, wirklich NICHTS, spiegelt die Mission Vatertag so gut wider.

Der Norddeutsche an sich ist gerne in der Natur unterwegs, sofern er Schnaps dabei hat. Da kommt ihm natürlich auch die flüssige Völlerei an Vatertag gelegen.

Falls dieser heilige Brauch jemandem nichts sagt: Mit mehreren Leuten fährt man auf klapprigen Rädern oder latscht mit Bollerwagen durch die Gegend und haut dermaßen viele Bierchen weg, dass mindestens ein Kandidat eine galante Gesichtsbremse hinlegt und am nächsten Morgen mit entzündeten Schürfwunden aufwacht. 

Offiziell gibt es sogar ein Ziel – eine bierfreundliche Gaststätte. Auch Tiere sollten willkommen sein, denn der eine oder andere Weggefährte benimmt sich nach drei Bier wie ein Wildschwein. 

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Der Weg zur finalen Gaststätte ist allerdings ähnlich wie ein Spiegellabyrinth: Man sieht alles doppelt und dreifach und haut sich mehrere Male die Nase ein, bis man mal irgendwo ankommt. Auch diverse alkoholbedingte Ausfallerscheinungen (Verlust der Muttersprache, Koordinationsschwierigkeiten der Gliedmaßen) machen die Mission Vatertag alles andere als einfach.

Vatertag: Ein Fest für die ganze Familie

Aber fangen wir ganz vorne an: Zu den Vätern gehört an Vatertag einfach jeder! Ein Fest für die ganze Familie, für Väter und Väterinnen, und eine tolle Gelegenheit für alle 17-Jährigen, mal auszutesten, wie viel Waldmeister-Schnaps der jugendliche Verdauungsapparat verträgt, bis die Pampe wieder hochkommt.

Auf dem Dorf ist es übrigens so üblich, dass an Abenden vor offiziellen Feiertagen gerne mal ein Fest ohne richtigen Anlass stattfindet. Natürlich organisiert von der Feuerwehr, immer mit Bier und Bratwurst. Die FOBA (Feste ohne besonderen Anlass) enden üblicherweise um 6 Uhr morgens. Die Straßenlaternen sind dann aus, aber alle haben die Lampen an. Praktisch – ein fließender Übergang von der Promille-Hölle zu Christi Himmelfahrt aka Vatertag.

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Um 8 Uhr (spätestens 9 Uhr, aber dann wird’s auch Zeit!!) trifft sich die noch halbbesoffene Meute irgendwo zentral im Ort, vor der einzigen Bushaltestelle zum Beispiel. Die kann niemand verfehlen. Gemütlicher ist natürlich die Variante, bei der man sich im Garten eines Freundes trifft und sich dort noch schnell ein Mettbrötchen genehmigt, bevor das erste Bierchen durchgejagt wird.

Ein Kandidat kommt natürlich viel zu spät zum Treffpunkt oder wartet einsam und allein woanders: „Ihr habt doch gesagt, wir treffen uns beim Ortsausgangsschild?!“ Das ist meistens derjenige, der sein leicht zu enges Deutschlandtrikot von 2006 für die Tour angezogen hat. 

Der Rest trägt Karo-Hemd oder T-Shirts, wo „Miami Vibes“ oder „Halbbesoffen ist rausgeschmissenes Geld“ draufsteht. Die Mädels der Runde haben meistens Hawaii-Blumenketten von Nanu-Nana dabei, wenn's ganz übel werden soll.

Mit billigen bunten Sonnenbrillen vom Ballermann und Dreiviertel-Hosen geht’s dann endlich los, selbst wenn es fünf Grad kalt ist und noch so gar nicht nach Sommer aussieht.

Die Packliste für einen gelungenen Vatertag

  • Bluetooth-Lautsprecher mit Wackelkontakt 
  • Malle-Mucke, die nach 10 Minuten so richtig auf den Sack geht 
  • Ekelhafte Dosen-Mixgetränke
  • 825 verschiedene Sorten an Kurzen 
  • Bier in all seinen Schönheiten (außer alkoholfrei natürlich) 
  • Einweg-Grill von Lidl 
  • Bratwurst im 120er-Pack 
  • Mindestens ein Gefährt (Fahrrad oder Bollerwagen), das nach 200 Metern einen Platten hat.

Was man dabei haben sollte, aber gekonnt ignoriert

  • Sonnencreme 
  • Vernünftige Regenjacke 
  • Flickzeug fürs Fahrrad 
  • Pflaster 
  • Wasser 
  • Luftpumpe
  • Ein Handy mit vollem Akku

Alles, was ihr auf der Tour sowieso nicht gebrauchen könnt, sollte lieber zuhause bleiben. Wie zum Beispiel Führerschein, Kreditkarte, Würde und Stolz.

Ein Tipp am Rande

Nehmt bitte nicht euer 3.000 Euro teures Mountainbike mit auf die Tour. Das wird entweder geklaut oder erlebt einen ordentlich Schaden, wenn ihr nach fünf Bier einen geilen Stunt auf einem Feldweg vorführen wollt. 

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Die allerletzte Schrottmühle aus dem Schuppen wird einen besseren Job machen und ist viel robuster. Wichtig ist nur, dass die Reifen vernünftig aufgepumpt sind und genug Bier in den Fahrradkorb passt.

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Noch ein sehr wichtiger Tipp für den Vatertag

Setzt euch bloß nicht einen von diesen behämmerten Bierhelmen auf. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass der Trink-Halm so widerspenstig ist, dass er einem fast die Kauleisten rausschlägt. Außerdem tut es körperlich wie emotional sehr weh, sich mit Helm und zwei vollen Dosenbieren auf die Klappe zu legen und danach auszusehen wie ein bierbegossener Pudel.

Setz das sofort ab! Foto: imago images

Wenn alles geklärt ist, fährt man einfach kilometerweit durch die Gegend und trinkt dabei literweise Alkohol. Eine „Fahrt ins Blaue“ im doppelten Sinne. Simples Prinzip, das eigentlich jeder versteht und mit Leidenschaft beherzigt. Zwischendurch wird auch die ein oder andere Kneipe angesteuert, damit ihr immer schön flüssig bleibt. 

Gänseblümchen und Pisspfützen

Irgendwo im Nirgendwo, zwischen süßen Gänseblümchen und frischen Pisspfützen, kommt dann euer Einweg-Grill zum Einsatz. Nach der stundenlangen Bier-Infusion kommt eine schöne, wenn auch verkohlte Wurst wie eine heilige Göttin daher. Ah, das tut gut!

Was an Vatertag auch ganz wichtig ist: Ihr müsst an jedem Stein anhalten und ein besonders peinliches Gruppenbild mit „Daumen hoch“-Pose machen und das Bier präsent in die Kamera halten, sonst ist das keine echte Vatertagstour. Einer legt sich am besten noch lässig vor den Rest der Gruppe und winkelt ein Bein an. Das ist Gesetz.

Ganz wichtig: Vatertags-TÜV!

Dann kommt es, wie es kommen muss: Ein Experte hat den Vatertags-TÜV an seinem Rad oder dem Bollerwagen nicht durchgeführt und jammert jetzt über einen Platten. Depp! Ohne Luftpumpe, aber mit vereinten Kräften bekommt ihr die sturen Gefährte wie von Zauberhand aber wieder zum Laufen. Auch wenn's nur für die nächsten 200 Meter reicht.

Bei irgendeiner Pinkelpause geht meistens ein Wegbegleiter verloren. Ein paar Stunden später ruft er von einem Rapsfeld an: „Halloooo? Hallo! Wo seid ihr denn? Hääää, wo?!“ Aber keine Sorge, das verlorene Vögelchen taucht irgendwann wieder auf und tut so, als sei er nie weg gewesen. Mysteriöser Mensch.

Besoffene bremsen mit dem Gesicht

Wenn ihr während der Tour irgendwann ein fieses Bremsgeräusch im Hintergrund hört, lohnt sich ein Blick zurück: Dort seht ihr einen eurer Freunde, der gerade mit seinem Fahrrad die klassische Gesichtsbremse demonstriert hat und nun mit aufgeschürfter Stirn auf dem Asphalt liegt. Aber keine Sorge, nach einer kleinen Bier-Behandlung und aufmunternden Sprüchen wie „Hööhööö, du Vollidiot“ oder „Alter, was machst du für‘n Scheiß?!“ geht‘s ihm wieder gut.

Nach etwa acht Stunden und etlichen Verletzungen ist es tatsächlich geschafft: Der Trümmerhaufen (oder zumindest das, was von ihm übrig ist) kommt bei der finalen Gaststätte an. Alle sehen aus, als seien sie Teil eines Zombie-Shooters gewesen. Normales Laufen fällt schwer, die Sprache ist unverständlich geworden, aber eins ist unverändert: Der Bierdurst! Ihr schmeißt eure Räder irgendwo hin, wo ihr sie niemals wiederfindet, und schleppt euch zum Tresen, um dem Hopfen die letzte Ehre zu erweisen. 

Vielleicht ist sogar noch ein kleines Tänzchen zu „Born to be alive“ von der Cover-Live-Band drin, falls eure verdörrten Gliedmaßen das noch mitmachen.

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Wenn die Abenddämmerung anbricht und die ersten eurer Gruppe überm Zaun hängen und pennen, wird es Zeit für die letzte Etappe des Vatertags: Die Mykonos-Platte beim einzigen Griechen im Dorf wartet darauf, von euch ausgehungerten und hackestrammen Bierleichen vernichtet zu werden. Am nächsten Morgen sendet Mykonos dann schöne Grüße von der Kloschüssel. Bis nächstes Jahr, heilige Väter und Väterinnen!

Jo, gute Nacht, ne! Foto: imago images

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