Keine Klassenfahrten mehr?

Unsere Lehrer denken gerade darüber nach, im kommenden Jahr keine Klassenfahrten mehr zu machen. Das tun sie aber nicht ohne Grund oder weil die Schüler sie so nerven, sondern aus Protest. Die Landesregierung will, dass die Pädagogen in Niedersachsen eine Stunde mehr pro Woche arbeiten. Und ihnen die Altersermäßigung streichen.

Von Thies Nienstedt (18 Jahre) aus Syke

Bisher war es Lehrern ab 55 Jahren möglich, eine Stunde, im Alter von 60 Jahren zwei Stunden kürzer zu treten. Mit Streik und Protest – wie der Verweigerung von Klassenfahrten – wollen die Lehrer nun erreichen, dass die Landesregierung diese Beschlüsse zurückzieht. Denn, so argumentieren sie, die aktuelle Arbeitsbelastung für Lehrer sei aktuell schon viel zu hoch, und eine noch längere Arbeitszeit würde die Unterrichtsqualität mindern. Wie seht Ihr die Sache?

Laura Stührmann

„Ich finde es nicht gerecht, dass sich die Lehrerstreiks in der Hauptsache negativ auf uns Schüler auswirken. Durch Ausflüge wird die Klassengemeinschaft gestärkt und die soziale Kompetenz gesteigert. Die Lehrer sollten ihre Wut über die Sparmaßnahmen deswegen anders zum Ausdruck bringen als einen Streik auf Kosten der Schüler auszuüben. Dass sie protestieren, kann ich aber verstehen, denn man muss bedenken, dass Lehrer nicht nur während der Unterrichtszeit arbeiten, sondern auch sonst viel zu tun haben. Durch den Lehrermangel müssen sie sowieso häufig einspringen, darum finde ich eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit unangemessen.“ Laura Stührmann (18 Jahre) aus Bassum

Felix Preckel

„Einerseits kann ich den Protest verstehen. Von einer rot-grünen Landesregierung hatte ich auch andere Dinge erhofft als mehr Arbeitszeit für Lehrer. Andererseits finde ich es aber nicht legitim, das auf Kosten der Schüler auszutragen. Klassenfahrten sind sowieso selten, erfüllen aber einen bedeutenden Zweck: Sie bringen uns näher und stärken die soziale Gemeinschaft – sowohl zwischen den Schülern, als auch zwischen Lehrern und Schülern. Von daher ist Protest zwar richtig und wichtig, um seinen Ansprüchen Geltung zu verleihen. Das darf aber in keinem Fall auf diese Weise geschehen. Die Lehrer sollten sich eine andere Protestform ausdenken, von uns erwarten sie doch auch Kreativität!“ Felix Preckel (19 Jahre) aus Syke

Louisa Decker

„Ich kann die Position der Lehrer schon nachvollziehen. Dass sie sich ärgern und diese zusätzliche Belastung ablehnen. Aber andererseits bin ich der Meinung, dass Lehrer weniger arbeiten und dafür trotzdem mehr Gehalt bekommen, als das in vielen anderen Berufen der Fall ist. Trotzdem sollte man den Beruf des Lehrers nicht unterschätzen. Dass die Lehrer eine Stunde mehr pro Woche arbeiten sollen, finde ich zumutbar und gut. Allerdings finde ich, man könnte die Altersermäßigung einfach ändern, anstelle sie ganz zu streichen: Ältere Lehrer dürften zwar weniger arbeiten, bekämen aber dafür dann auch etwas weniger Gehalt.“ Louisa Decker (17 Jahre) aus Kirchweyhe

Thies Nienstedt

„Es wird sicherlich den ein oder anderen traurigen Schüler geben, wenn im nächsten Jahr Klassenfahrten ausfallen. Und ich frage mich, ob das nötig ist. Man kann Proteste doch auch anders äußern, als seine Forderungen mithilfe des Leids anderer durchzusetzen. Natürlich müssen sich Lehrer auch außerhalb des Unterrichts mit der Schule beschäftigen, deshalb bin ich gegen eine Erhöhung der Arbeitszeit für Lehrer. Wobei die Vorbereitung des Unterrichts ja auch mal mehr, mal weniger gut ausfällt. Und es ist ja nun nicht so, dass Lehrer gar keine Freizeit mehr hätten. Eine Stunde mehr Arbeit pro Woche finde ich jetzt nicht allzu drastisch.“ Thies Nienstedt (18 Jahre) aus Syke

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