Umfrage

Was für ein Typ von Fußballfan bist Du? Und was hältst Du von Ultras?

Welchem Verein drückst Du die Daumen? Wie oft gehst Du ins Stadion? Wie wichtig ist Fußball in Deinem Leben? Und was hältst Du eigentlich von den Ultras, die im Stadion für Stimmung sorgen, die aber in den Medien immer wieder in der Kritik stehen. Eine Umfrage:

Katharina Böhmer, 19 Jahre:

Katharina Böhmer

„Fußball ist in meinem Leben sehr wichtig. Auch wenn ich keiner Ultra-Gruppe angehöre, versuche ich so oft wie möglich ins Stadion meines Lieblingsvereins Werder Bremen zu kommen. Wenn ich keine Zeit dafür habe, schaue ich die Spiele bei Sky. Wenn auch das mal nicht klappt, höre ich Radio, verfolge Liveticker und gucke Sportschau. Auch wenn Werder Bremen nicht beteiligt ist, schau ich zum Beispiel Champions und Europa League, um auch über den internationalen Fußball informiert zu sein. Werders Spiele bestimmen oft auch meine Gefühlslage: Wenn wir Spiele verlieren ist das Wochenende meist gelaufen, über Siege freue ich mich natürlich umso mehr. Trotzdem bin ich immer unheimlich stolz, Fan von Werder Bremen zu sein. Die Vorfreude vor dem nächsten Spieltag ist bei mir auch immer sehr groß, auch wenn Werder mal schwere Spiele bestreitet. Mein Verein könnte ich aus meinem Leben gar nicht mehr wegdenken. Interviews, Berichte und Spiele verfolge ich täglich und sehr intensiv, und ich finde es sehr gut, dass Werder Bremen seine Fans immer auf dem laufenden hält, wie beispielsweise auf Facebook.

Fanatische Fans beziehungsweise Ultras gehören zum Fußball einfach dazu. Und gerade da ist es wichtig, dass man zwischen Ultras und Hooligans unterscheidet! Gerade während den Spielen bin ich sehr dankbar, dass die Ultras ihren Verein immer unterstützen und die Stimmung im Stadion machen. Ohne sie gäbe es nie so eine tolle Stimmung und gerade auch deswegen gehe ich sehr gerne ins Weserstadion.

Oftmals werden nur die gewaltsamen Szenen und Ausschreitungen in den Medien veröffentlicht und davon bilden sich dann die Menschen ihre Meinung. Was aber wirklich hinter diesen Gruppierungen und ihren Aktivitäten steckt, das wissen die meisten nicht. Was die Ultras zum Beispiel außerhalb von Spieltagen so leisten, bekommen viele gar nicht mit. Für sie dreht sich jeder Tag intensiv um Fußball und ihre Gruppe, denn immerhin begleiten sie ihr Team überall hin, egal wie lang der Weg ist und wie zeitaufwendig es ist. Der Verein ist für viele ihr Leben, für den sie alles tun würden und in den sie ihre ganze Energie stecken. Das sieht man dann an den Choreos, die wir oft in den Stadien bestaunen können. An denen sieht man, wie viel Emotionen und Leidenschaft die Ultras mit ihrem Verein verbinden. Die Kosten dafür tragen die Ultragruppierungen selber und stecken so auch eine Menge Geld in ihre Unterstützung.

Klar gibt es Aktionen und Konfrontationen, die man vermeiden könnte, zum Beispiel das ewige Thema der Pyro-Technik, aber jeder Verein sollte wissen, dass man mit Strafen und Stadionverboten nicht viel bewirkt. Man sollte einfach mal versuchen, sich gegenseitig besser zu verstehen, dann würde man viele Probleme lösen. Trotzdem kann jeder Verein dankbar sein, eine aktive Ultra-Bewegung zu haben, ohne sie wäre gar nicht diese Unterstützung, die viele Vereine zu einer Macht im eigenen Stadion verhilft, möglich.

Die Polizei und die Ultras - das werden immer zwei Parteien bleiben, die sich nie verstehen werden. Zu viele Vorfälle haben beide immer weiter voneinander entfernt und zu verschieden sind die Ansichten. Ich persönlich bin trotzdem der Meinung, dass man sich doch miteinander arrangieren sollte, bevor es immer mehr Ausschreitungen und Kämpfe gibt. Die Vereine sollten ihren Ultras immer den Rücken stärken, denn genau das machen die Ultras für ihren Verein ja auch. Was neben dem Platz alles passiert, da haben die Vereine nicht immer Einfluss drauf, aber alles, was im Stadion passiert, dafür sollten die Clubs im Großen und Ganzen dankbar sein.

Wenn es wirklich dazu kommen sollte, dass man die Stehplätze in Stadien abschafft, dann schafft man vielleicht mehr Sicherheit, aber dann ist die wirkliche Fankultur tot und es werden immer weniger Leute Livespiele besuchen, da die Stimmung nicht mehr zu einem tollen Spiel beiträgt.

Ich persönlich kann mir den Fußball nicht ohne Ultras vorstellen, denn sie sind Impulsgeber der Stimmung. Es gibt viele Diskussionen, ob das die Ultraszene verbieten sollte. Ich finde, man muss sich entscheiden, entweder keine Stimmung, oder die Vorstellung, dass es ohne Ultras mehr Sicherheit gibt. Sollte man die Fankultur allerdings einmal zerstören, kann man sie nie wieder so aufbauen."

Stefanie Kais, 18 Jahre:

Stefanie Kais

„Fußball spielt in meinem Leben eine sehr große Rolle. Ich sehe meinen Club, Hertha BSC, nicht als eine Wochenendbeschäftigung sondern als ein dauerhaft präsenten Teil meines Lebens. Niederlagen sind für mich auch deshalb teilweise schwer zu akzeptieren. Sie beschäftigen mich meist noch Tage nach dem Spiel, aber andersherum ist es bei Siegen oder auch Unentschieden genauso. Ich bin stolz drauf als Mitglied auch offiziell ein Teil meines Lieblingsvereins zu sein. Es ist für mich ein Zeichen sich offiziell zu seinem Verein zu bekennen und seinen Verein finanziell zu unterstützen. Aufgrund der Entfernung schaffe ich es leider nur zu wenigen Spielen in einer Saison, aber jedes dieser Spiele, die ich live im Stadion sehen kann, hat für mich dann um so mehr eine hohe Bedeutung und sind meist meine persönlichen Highlights einer Saison.

Fanatische Fans sind für den Fußball von hoher Bedeutung. Ohne Ultragruppen würde die Stimmung in den Fußballstadien verloren gehen.

Meiner Meinung nach vergessen die meisten Menschen Ultras von Hooligans zu unterscheiden. Sie sehen sie als extreme Fans, die leicht zu provozieren sind, jederzeit zu Gewalt bereit sind und teilweise sogar Gewalt suchen.

Solche Vorurteile beziehungsweise Meinungsbilder entstehen größtenteils durch die öffentliche Berichterstattung, durch die den Ultras der Stempeln von Chaoten aufgedrückt wird, die ihre eigenen Interessen vor die ihres Clubs und anderen Fans stellen. Es werden aufgrund des öffentlichen Interesses fast nur Gewaltszenen, Ausschreitungen und dergleichen von den Medien publiziert. Da ist es nicht verwunderlich; dass Menschen, die sich nicht mit der Fanszene auseinandersetzen den Eindruck erhalten, sie würden im Stadion auf aggressive Chaoten stoßen.

In meinen Augen sind die Ultras Menschen, die bereit sind, so gut wie alles für ihren Verein zu investieren. Dabei geht es nicht nur um Gefühle, Emotionen oder Leidenschaft, sondern auch um materielle Dinge. Ultras investieren meist viel Geld, Zeit und Aufwand in die Unterstützung ihres Vereins. Meist handelt es sich um einen Fanclub, der finanziert werden muss. In vielen Fällen sind die Ultras zusätzlich noch Mitglieder ihres Clubs, wofür auch Beiträge anfallen. Doch die hauptsächlichen Kosten sind der Support. Damit meine ich die Unterstützung bei den Spielen, denn Ultras fahren in der Regel zu jedem Spiel ihres Clubs, egal ob auswärts oder im heimischen Stadion. Neben dem ständigen gesanglichen Support beim Spiel sind für mich die Choreografien die beeindruckteste und attraktivste Leistung der Ultras. Diese werden und können natürlich nicht nur von den Ultragruppierungen durchgeführt werden. Choreos werden jedoch größtenteils von diesen erdacht, organisiert, geplant und finanziert. Das zeigt für mich auch die wahre Bedeutung der Ultras. Ohne sie wäre ein Stadionbesuch kein Erlebnis wie es momentan ist, da sie für die Stimmung größtenteils verantwortlich sind. Das heißt nicht, dass auf andere Fans verzichtet werden kann. Auch wenn sie als egoistisch dargestellt werden, haben die Ultras kein Interesse daran, alleine im Stadion zu sein. Die beste Unterstützung erreicht man nur gemeinsam. Denn für sie alle geht es nur um das eine, den Erfolg ihrer Mannschaft. Klar gibt es immer welche, die über die Stränge schlagen, und es wäre falsch von einer gewaltfreien Ultrabewegung zu sprechen, aber es ist wichtig, die Ultras nicht nur auf Gewalt zu reduzieren.

Zusammengefasst sehe ich Ultras als Taktgeber der Fankurve, sie geben den Impuls für die Stimmung und das ist auch notwendig.

Die Vereine sollten sich für ihre Ultras einsetzen, vor allem aber Interesse zeigen. Es ist nicht fair bei Ausschreitungen auf die Ultras draufzuhauen und dabei die ganze Unterstützung zu vergessen. Klar muss auf Regelverstöße reagiert werden, aber nicht durch war lose und teilweise unberechtigte und übertriebene Verteilung von Stadionverbote. Der Verein muss seine Ultras akzeptieren und auf sie eingehen, versuchen ihre Interessen und Handlungen zu verstehen. Wenn die Ultras das Gefühl der Anerkennung bekommen, werden sie mehr Rücksicht auf die Interessen des Vereins nehmen und es würde ein besseres Miteinander entstehen."

Keven Knipping, 19 Jahre:

Keven Knipping

"Der Fußball ist ehrlich gesagt nicht herausragend wichtig für mein Leben und dennoch erinnere ich mich gerne an einige Spiele. Ich war einmal mit meinem Vater (großer Fußballfan) bei einem Spiel zwischen Hannover und Frankfurt. – da war eine ganz schöne Stimmung! Ich finde das total super, wenn der Fußball für die einen sozusagen „alles“ ist, denn jeder hat seine Leidenschaft. Ich für meinen Teil war schon immer sehr gesellschaftspolitisch interessiert. Ich bin sicherlich kein Wahnsinns-Fußballfan und verfolge alles nur sporadisch, aber wenn esum Hannover geht, dann weiß wem ich die Daumen drücke!

Ich denke, die meisten Menschen finden es schade, dass manche Ultras mit ihrem Verhalten vom eigentlichen Spiel ablenken und Krawall machen, denn das kann auch mal ganz schön gefährlich werden. Es gibt aber auch Ultras, die sich klar von gewalttätigen Auseinandersetzungen und Krawallen distanzieren, denn der Ursprung liegt in einem harten Kern von Fußballfans und nicht bei den Hooligans. Die Ultra-Bewegung ist für einige Beteiligte fast schon eine Art Hype, der leider manchmal dazu führt, dass sich die Fronten zwischen einigen Vereinen verhärten und es weniger um Fußball, als um Krawall geht. Nichtsdestotrotz habe ich manchmal das Gefühl, dass in den Medien teilweise nicht mehr zwischen Hooligans und Ultras unterschieden wird, natürlich gibt es da auch Grauzonen, aber dadurch sind die Ultras von ihrem Ruf her insgesamt in eine Ecke gestellt worden, in der sie eigentlich nicht sind. Deshalb ist auch für die Vereine wichtig, individuell mit ihren Ultras umzugehen – das gilt dann denke ich auch für die Polizei, eine pauschale Handhabe würde ich nicht äußern wollen."

 

Janina Kroll (22 Jahre):

Janina Kroll

„Meine ganze Familie kommt aus Dortmund, mein Opa war schon BVB-Fan, mein Papa auch, so bin ich da halt mit reingerutscht. Ich wurde schon als kleines Kind mit ins Stadion genommen, und heute gehe ich auch noch zu den meisten Spielen. Weil ich Studentin bin, muss ich aber leider aufs Finanzielle achten und kann nicht überall mit der Mannschaft hinfahren. Der aufregendste Tag in meinem Fußball-Leben war, als der BVB als Gastmannschaft zur 100-Jahr-Feier des SV Meppen (Regionalliga Nord) kam. Ich arbeite neben dem Studium als Physiotherapeutin beim SV Meppen und durfte die Manschaft live treffen – mit Jürgen Klopp und so weiter! Es war großartig, die Spieler in der Kabine zu sehen und kennenzulernen!“

Anna Majowski (22 Jahre):

„Bei der WM 2006 hat die gesamte Euphorie mich mitgezogen, so wurde ich Fußballfan. Ruckzuck hatte ich eine Dauerkarte bei Werder-Bremen in der Ostkurve. Ich bin also jedes Spiel mit meiner da. Zu den Ultas gehöre ich aber definitiv nicht! Ich war diese Saison in Hamburg zum Auswärtsspiel, und als wir aus dem Zug ausstiegen, wurden Bengalos abgebrannt. Ich fand das peinlich, denn es zeigt die Werder-Fans in einem falschen Licht! Die meisten sind ja friedlich und wollen guten Sport sehen. Mich fasziniert aber sonst der Zusammenhalt der Fans, diese große Gemeinschaft, die einen mitreißt.“

Dennis Barg (22 Jahre):

Dennis Barg

„Ich bin kein Ultra, finde deren Existenz in den Stadien aber sehr wichtig, weil wir ohne sie keine Stimmung und erst recht keine Choreografien in den Kurven hätten. Ich unterstütze natürlich nicht die Gefährdung anderer Fans durch Bengalos, aber häufig berichten die Medien bei dem Thema auch einseitig, und es wird keine Grenze zwischen Ultras und Hooligans gezogen.“

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