Freiwilliges Ökologisches Jahr:

Lass die anderen doch Schafe zählen... Truus (20) zählt Vögel.

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Truus Hohenwalt

Sandregenpfeifer, Austernfischer, Rotschenkel, Nonnengans, Knutt, Silbermöwe… Truus Hohenwalt kennt sie alle. Denn alle zwei Wochen macht sich die 20-Jährige auf den Weg in den Nationalpark Wattenmeer in der Husumer Bucht. Und die nächsten drei Stunden verbringt sie dann damit, Vögel zu zählen.

Von Katrin Roßmann

Das mag für viele erst mal seltsam klingen, aber Truus leistet damit einen wichtigen Beitrag für den Naturschutz. Seit einem Jahr macht sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) in Husum. „Ich habe 2012 Abi gemacht, wollte aber noch nicht gleich studieren“, erzählt sie.

„Schon während meiner Schulzeit war ich im sozialen und politischen Bereich aktiv. Und draußen war ich immer gerne. Aber ich wollte noch mehr über die Umwelt lernen und mich für den Naturschutz einsetzen. Und so hab ich mich dann im Nationalpark Wattenmeer in Husum beworben.“

Sie bekam den Platz und unterstützt seitdem die Schutzstation begeistert: „Ich leite Wattwanderungen, mache Öffentlichkeitsarbeit im Infozentrum, helfe bei Schutzmaßnahmen, mache Kontrollgänge und eben die Vogelzählungen.

Der genaue Zeitpunkt hängt von der Tiede- Phase ab. Wenn das Wasser besonders hoch ist, kann man am besten zählen.“

Wenn man so viele Vögel sieht und zählt, hat man da eigentlich einen, den man besonders schön oder sympathisch findet? Truus überlegt einen Moment. „Da kann ich mich ganz schwer festlegen. Ich mag Gänse gerne, weil die so groß sind, man sie gut erkennen kann und sie immer so lustige Schnattergeräusche machen. Ganz toll find ich Ringelgänse, weil sie so elegant aussehen in ihrem schicken Schwarz.“ Truus lacht. Sie war noch nicht immer so begeistert von den Tieren – „in den letzten Monaten habe ich angefangen, Vögel wirklich richtig toll zu finden!“

Bei den Zählungen geht es um ein langfristiges Monitoring-Projekt, bei dem die Tiere der ganzen Wattenmeerküste beobachtet werden. „Dazu haben wir das Gebiet in viele kleinere Abschnitte eingeteilt“, drei Stunden braucht Truus in etwa, um „ihre“ Vögel zu zählen. Und das geht so: „Man unterteilt die Strecke mithilfe von Fixpunkten in mehrere kleine Felder, sucht sich mit dem Stativ und der Kamera, die alles wunderbar vergrößert, einen guten Platz, sodass man auch Schwärme gut sieht. Und dann fängt man einfach an zu zählen.“

 Gezählt werden nur sitzende Vögel. Am besten geht das mit einer Zähluhr. „Man wandert mit den Augen das Gebiet ab, und für jeden Vogel einer bestimmten Art klickt man einmal. Und weil man in jeder Hand so eine Zähluhr hält, können zwei Arten gleichzeitig gezählt werden.“ Bis alle Arten erfasst sind. Im Auseinanderhalten der Tiere ist Truus inzwischen richtig fit. „Mit der Zeit lernt man die typischen Arten gut kennen. Größe, Körperform, Färbung, Schnabel und Beine sind besonders gute Merkmale zur Unterscheidung.“

Für alle Fälle hat Truus aber immer noch einen Bestimmungsführer in der Tasche. Besonders tricky wird es nämlich bei den Arten, die im Laufe des Jahres unterschiedliches Gefieder haben. Die Expertin erklärt: „Das Federkleid kann sich für die Paarungszeit ändern. Einige Arten haben im Winter ein sogennanntes ,Schlicht’- und im Sommer ein ,Prachtkleid’. Junge Vögel sehen auch anders aus als alte. Und Männchen und Weibchen sowieso.“

Truus hofft, dass sich in Zukunft mehr Menschen, besonders jüngere, für die Natur einsetzen. Umweltverschmutzung und Gentechnik findet sie schrecklich. Sie wünscht sich mehr Bewusstsein und Begeisterung für die Natur. Dass wir wieder Interesse entwickeln am draußen Sein, an frischer Luft, am Tiere Beobachten.

Dafür muss man nicht gleich wie Truus ein FÖJ machen. „Man kann sich so viel abgucken, so viel lernen von der Umwelt. Und in der Natur zu sein, das ist eine tolle Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.“

Während ihres FÖJs wohnt Truus mit fünf anderen Freiwilligen in einer Dienstwohnung in Husum. „Wir müssen alles selbst organisieren, das klappt aber gut. Und wir verstehen uns super!“ In den nächsten Tagen ist ihre Zeit an der Wattenmeerküste aber schon vorbei. „Es war toll!“, sagt Truus. „Ich habe wirklich viel mitnehmen können.“

Im Herbst wird sie in Lüneburg ein Studium anfangen, sie möchte Grundschullehrerin werden. Dann wird Truus auch Biologie unterrichten. Und schon jetzt ist sicher: Keiner wird den Schülern so begeistert vom Wattenmeer, von den Tieren und vom Einsatz für Natur, und Umwelt erzählen können wie sie.

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