Rechts? Links? Gut? Böse? Die "Böhsen Onkelz" sind wieder da - ein Comeback, das ratlos macht

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Viel Show um nix? Stephan Weidner von den "Böhsen Onkelz"

Die „Böhsen Onkelz“ sind zurück. Vor ein paar Tagen gab die Deutsch-Rock-Band ihr Comeback bekannt. chili-Autor Jannis Hartmann fragt sich, was diese Widerbelebung soll und wieso sich alle so viele Gedanken machen, wie die Aussagen, Auftritte und Texte dieser Band nun zu bewerten sind.

Von Jannis Hartmann 

Es ist die Rückkehr einer Gruppe, die mit ihrem Abschied von der Konzertbühne 2005 eine so große Lücke hinterließ, dass Bands wie „Frei.Wild“ mit ihrer Musik – irgendwas zwischen Rechtsrock und Heimat-Melancholie – locker Platz drin finden konnten. Ganze neun Jahre haben „Frei.Wild“ den Kampf gegen „die da oben“ tapfer weitergekämpft, jetzt ist das Original zurück. Es fing an mit einem kurzen Clip im Internet, der zwar außer ein paar iMovie-Effekten nicht viel bereit hielt, aber für Unruhe im Netz sorgte. In einer Umfrage auf „Stern.de“ gaben knapp 90 Prozent an, sich über die Rückkehr der Band zu freuen. Und die „Bild“-Zeitung versuchte, zu erklären, was denn jetzt genau böse und was gut an den „Böhsen Onkelz“ war und ist nach all den Jahren.

Fest steht, dass die Zeit der Abstinenz jetzt ein Ende haben wird für diejenigen, denen die Politiker der „Alternative für Deutschland“ zu viele Nebensätze benutzen. Obwohl die „Onkelz“ im Laufe ihrer Karriere in Sachen Subtilität dazugelernt haben. Ihnen ist klar, dass sonst nämlich gleich wieder die bösen Medien mit ihren linken Autoren ankommen und den Vorwurf des Rechtspopulismus erheben.

Bei den „Böhsen Onkelz“ ging es um Songs mit den wenig subtilen Titeln „Türken raus“ und „Deutschland den Deutschen“, von denen sich die Band später distanzierte.

Dass die Medien auch nach der versprochenen politischen Kehrtwende der Gruppe misstrauisch blieben, konnten die „Böhsen Onkelz“ nicht verstehen und fanden damit ihren neuen Platz als die Missverstandenen in der Gesellschaft. Diejenigen, die immer im Kampf gegen die Mehrheit, Medien und Autoritäten sind.

Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit blieb aus. Bei so viel Trotz und mangelndem Reflektionsvermögen des eigenen Auftretens bleibt in meinem Kopf die Frage, wie ernst man eine Band nehmen kann, die erst aktiv die rechte Szene begeistert, dafür auf die Fresse bekommt, daraufhin einen großen Kurswechsel ankündigt und dann den einzigen Weg darin sieht, plötzlich möglichst laut gegen Nazis zu schreien.

Die Texte sind nicht mehr so direkt, geben sich unpolitisch und versprühen dennoch genügend Anziehungskraft, mit der sich orientierungslose Jugendliche identifizieren können. Als Kevin Russel, Sänger der damals schon vom Show-Business verabschiedeten Band, zwei Menschen beinahe totfährt und Fahrerflucht begeht, zeigt sich ein weiteres Mal, dass sich beim Thema Werte und Moral nicht viel getan haben kann, seit die Band beschlossen hat, nicht mehr gegen Minderheiten zu hetzen.

Vielen ist das aber egal, und so kann man sich fast schon sicher sein, dass sich das Comeback für die Band kommerziell sicherlich lohnen wird. Leicht verständliche, deutsche Texte, Frust und Wut gehört eh gerade zum Zeitgeist. Schreit alles irgendwie nach einer „Echo“-Nominierung.

Schreien werden dann natürlich auch wieder die linken Autoren – umso besser fürs Marketing. Sind sie nun böse? Oder nicht böse? Sind sie unpolitisch? Und wenn nicht – doch rechts? Oder, weil sie sich davon ja mal so ein bisschen distanziert haben, links? Ich finde, wir sollten uns bei allen aktuell wieder aufkommenden Kontroversen und Differenzierungen um die „Böhsen Onkelz“ lieber fragen, ob man nicht einfach nur den Fehler macht, böse mit scheiße zu verwechseln. Und Scheiße muss man keine Aufmerksamkeit schenken.

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