Trance-DJ Ferry Corsten: „Jeder wartet aufs Weekend“

Trance-DJ Ferry Corsten: Der aus Rotterdam stammende Superstar begeistert nicht nur hinter den Turntabels die Massen, sondern hat sich auch als Produzent einen Namen gemacht.

Es knistert ein wenig, die Telefonleitung ist nicht die beste, aber davon lasse ich mich nicht abschrecken. Ein bisschen aufgeregt bin ich allerdings schon, immerhin werde ich gleich mit dem Trance-DJ schlechthin telefonieren: Ferry Corsten ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der internationalen Dance-Szene.

Der aus Rotterdam stammende Superstar begeistert nicht nur hinter den Turntabels die Massen, sondern hat sich auch als Produzent einen Namen gemacht. Und jetzt hab ich ihn am Telefon. Eine gute Gelegenheit, gleich mal meine niederländischen Sprachkenntnisse zu testen.

Goedemiddag Ferry, hoe gaat het? (verblüfft)

Hui, goed. Je spreekt Nederlands?

Ik speek een beetje Nederlands, maar net goed. Jetzt sollten wir aber auf Englisch weiterreden. Für unsere Leser übersetze ich das dann ins Deutsche.

So machen wir’s.

Du bist seit vielen Jahren im Musikbusiness. Wie bist Du dorthin gekommen? Wolltest Du nie was anderes machen?

Während meiner Schulzeit wollte ich immer Elektroniker werden und habe nur nebenher Musik gemacht. Es war immer nur ein Hobby. Ich habe dann aber immer mehr aufgelegt, und es stellte sich schnell raus, dass meine Musik bei anderen gut ankommt. Also habe ich beschlossen, noch die Schule zu beenden und dann mit meiner Musik richtig durchzustarten.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe mir viele Platten und Turntables gekauft. Ich wollte wissen, wie das geht, bin selbst viel ausgegangen und habe mir andere DJs angeschaut. Irgendwann habe ich Leute von einem belgischen Plattenlabel kennengelernt und die erste CD aufgenommen. Von dem ersten verdienten Geld hab ich mir dann mein eigenes Studio-Equipment besorgt. 1997 erschien mein erstes Album „Out of the Blue“, das gleich in den Top 40 landete, das zweite Album 1998 kam sogar in die Top Ten in Großbritannien. Der Erfolg kam quasi über Nacht. 2005 gründete ich dann mein eigenes Label „Flashover Recording“.

Dein neues Album erscheint diesen Monat. Es heißt „WKND“. Was bedeutet der Name?

Es heißt „Weekend“, nur ohne die Vokale. Das Wochenende ist für mich als DJ die wichtigste Zeit, denn das ist meine Hauptarbeitszeit. Und für andere Leute ist es die Zeit zum Runterkommen nach einer anstrengenden Woche. Dann können sie all den Stress vergessen, tanzen gehen und Party machen. Jeder wartet doch nur darauf.

Und was erwartet Deine Fans beim neuen Album?

Jeder Track ist anders, und das Album unterscheidet sich von meinen vorherigen. Die Elektro-Musikszene hat sich stark verändert. Alles ist viel melodischer geworden. Das merkt man auch bei „WKND“. Früher hätte ich solche Titel gar nicht gespielt, aber heute macht mir das großen Spaß. Viele der Tracks auf dem Album sind im Tempo ein wenig gedrosselt und housiger. Aber keine Sorge, es gibt auch nach wie vor typische, schnelle Trance-Songs. Allgemein kann man wohl sagen, dass es ein „Feel good“-Album ist. Die Message der Songs: Hoffnung und gute Laune.

Du hast schon mit Moby, Public Enemy und U2 gearbeitet. Hast Du für „WKND“ auch was mit anderen Musikern zusammen gemacht?

Ja, aber dieses Mal sind es noch relativ unbekannte Musiker. Bei „Let you go“ unterstützt mich zum Beispiel Sarah Bettens, eine junge Musikerin aus Belgien. Und für die erste Single „Ain’t no stoppin’“ habe ich mir UK-Sänger Ben Hague mit ins Boot geholt.

Hast Du einen Lieblingstrack auf dem Album?

(atmet tief ein) Puh, das ist immer schwer zu sagen. Jeder der 14 Songs liegt mir am Herzen. Es ist so, als müsste sich ein Vater zwischen seinen fünf Kindern entscheiden. Aber wenn Du mich schon fragst – besonders gut gefällt mir „Day without rain“. Der Track strahlt so eine Wärme aus und produziert einen guten Vibe.

Kriegen Deine Fans den Vibe auch live zu spüren?

Auf jeden Fall! Gerade plane ich eine Welttour. Es geht nach Amerika, England, Italien, auch Australien ist geplant. Wie sieht’s mit Deutschland aus? Klar, nach Deutschland komme ich immer gerne.

Spielst Du dann nur Songs vom neuen Album?

Nein, es wird ein Mix aus alten und neuen Sachen sein. Meine Fans verlangen das, sie wollen auch „Corsten’s classics“ hören, wie ich die alten Hits gerne nenne (lacht).

Du hast bisher immer nur elektronische Musik gemacht. Nie Bock auf was anderes gehabt?

Klar, da habe ich schon mal drüber nachgedacht, ich habe auch Ideen in meinem Kopf. Das geht alles eher in Richtung Popmusik. Genaues steht aber noch nicht fest.

Du bist in der Trance-Szene ziemlich groß. Hast Du trotzdem noch Vorbilder?

Ich mag Bono von U2 sehr gern. Ich finde es gut, dass er sich politisch engagiert und die Songtexte das widerspiegeln. Musikalisch stehe ich total auf die 80-er-Jahre. Seit einigen Jahren hast Du bei Facebook Deinen eigenen Radiosender, „Corsten’s Countdown“.

Glaubst Du, dass das Worldwideweb der beste Weg ist, um Deine Musik zu vermarkten?

Ich glaube, dass es eine gute Alternative zu den normalen Radiosendern ist. Dort kriegen die Hörer die immer selben Lieder aufs Ohr. Hier haben sie die Möglichkeit, genau das zu hören, was ihnen gefällt. Außerdem bleibe ich über Facebook in Kontakt mit meinen Fans, die mich sonst nur ein, zwei Mal im Jahr sehen. Das ist doch ‘ne super Sache. Ich bekomme eine direkte Reaktion auf meine neuen Songs – das geht nirgends schneller als über das Internet.

Rebecca Göllner aus Holtrup

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