Timo Lesniewski macht eine ungewöhnliche Ausbildung

„Ich spiele keinen Clown. Ich bin einer

Humor als Hauptberuf: Timo Lesniewski

„Ich werde manchmal gefragt, wann ich angefangen hätte, ein Clown zu sein. Ich glaube, ich habe nie damit angefangen“, sagt Timo Lesniewski aus Nienburg. „Sondern das Clownsein war irgendwie immer da.“

- Von Anne Hundt -

Humor als Hauptberuf: Timo Lesniewski

Wenn Timo in alten Fotoalben blättert, findet er immer wieder Bilder, die ihn als Clown zeigen. „Hier sitze ich auf dem Schoß meiner Tante“, er lacht und zeigt auf ein Foto von sich als Fünfjährigem mit roter Clownsnase. Auf einem anderen Bild steht er in einem Supermarkt neben einer Clownsfigur.

„Irgendwann will ich mal auf den richtig großen Bühnen stehen“, sagt Timo. Seit eineinhalb Jahren besucht der 22-Jährige in Hannover die „TuT“, die „Schule für Tanz, Clown und Theater“. Und wenn alles klappt, darf er sich ab Mitte Juni „staatlich anerkannter Clown“ nennen. Denn dann wird er mit seiner Duopartnerin Sabine sein „Gesellenstück“ spielen und damit seine Ausbildung beenden. Aber auch nach dem Abschluss wird es noch ein langer Weg bis auf die großen Bühnen sein, das weiß Timo sehr genau: „Schließlich klingelt ja nicht einfach jemand an Deiner Tür und sagt: ,Hallo, ich bin der Erfolg.’“

Bis zu seinem 18. Lebensjahr hatte er nie den Plan, Künstler zu werden. „Nach meinem Realschulabschluss habe ich erst mal eine Ausbildung zum Erzieher angefangen. Aber das war nicht mein Ding.“

Nach der ersten Woche in der Berufsschule fiel ihm ein Flyer der „TuT“ in die Hände. „Lass Deinen Traum wahr werden!“ stand dort in weißen, wolkenähnlichen Buchstaben auf blauem Papier. „Ich war sofort hin und weg... Aber als ich erfahren habe, dass die Ausbildung in Hannover 9.000 Euro kostet, war mein Traum vorbei.“ Woher sollte er so viel Geld bekommen? Timo war enttäuscht und fand sich schon fast damit ab, Erzieher zu werden. Aber „als meine Tante aus Polen von meinem Problem erfuhr, zögerte sie nicht lange.“ Sie versprach ihm die 9.000 Euro, wenn er das Auswahlseminar besteht.

Improvisation und Spontanität sollten also darüber entscheiden, ob sein Traum eine Chance bekommt. „Ich habe mich nach dem Seminar gar nicht getraut, zum Briefkasten zu gehen“, erinnert sich Timo. „Aber als ich den großen Umschlag mit der Zusage dann in den Händen hielt, war ich super glücklich.“

Mittlerweile hat sich Timo schon einen Namen gemacht. Auf der Kleinkunstbühne oder im Zoo Hannover bringt er die Leute zum Lachen. In Braunschweig durfte er vor 750 Zuschauern im Staatstheater auftreten. „Und letzten Sommer habe ich mit meiner Duopartnerin auf dem polnischen Bukerbus-Festival gespielt.“

Als Clown heißt Timo „Momo“ – „mein Lehrer hat gesagt, jeder braucht einen Clownsnamen. Ich spiele aber keinen Clown, sondern bin einer. Deshalb wollte ich eigentlich meinen normalen Namen behalten, aber aus TIMO hat sich dann MOMO entwickelt.“

Als Kind hatte Timo übrigens Angst vor Clowns. „Nicht jeder Clown ist ein guter Clown“, findet er. Die übertriebe Schminke und dass viele Kollegen Späße auf Kosten des Publikums machen, habe ihm noch nie gefallen. „Wenn die Zuschauer in meinem Programm über jemanden lachen, dann über mich. Nicht über meine Assistenten.“ Um sich von den Kollegen im Zirkus abzuheben, setzen heute viele moderne Clowns ihre rote Nase ab – „dann erkennt man uns nicht sofort als Clown, und wir müssen die Menschen erst von unserem Spiel überzeugen. Das ist spannend.“

In Sachen Schminke macht kaum ein Mädchen Timo was vor. Ein ganzer Schrank voller Make-up, Lippenstifte und Glitzer steht in seinem Zimmer. „Es ist gar nicht so einfach, den richtigen Lippenstift zu finden. Ich hab so viele schon ausprobiert, bis ich den perfekten gefunden habe. Jetzt hab ich mich für einen Theaterlippenstift entschieden. Der hat ein ganz knalliges Rot. Ich will ja schließlich nicht bleich auf der Bühne aussehen.“

Ob Timo sein Leben lang als „Momo“ auftreten oder ins Schauspiel wechseln wird, weiß er noch nicht. „Vielleicht werde ich auch eine Mischung aus Clown und Comedy machen.“

Für den 30. November plant Timo erst mal im Kulturwerk Nienburg ein Programm mit Mitschülern und Lehrern. Sein absoluter Traum wäre es, irgendwann in einem GOP-Variété auftreten zu dürfen. Timo hofft, in Zukunft als Künstler seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Denn „wenn man was mit dem Herzen macht, erreicht man auch Herzen“, ist er sich sicher.

 Wer mehr über den 22-jährigen Clown-Azubi wissen oder ihn vielleicht sogar mal buchen möchte, der kann Timo anrufen (Telefon: 0173751870) oder im Internet kontaktieren (www.Timo-Lesniewski.de).

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