„This is it.“ Das ist es. Die Perfektion.

Twistringen - „This is it“. Übersetzt: „Das isses“. So ein Scheißsatz. Wie konnte Michael Jackson, der „King of Pop“, seine geplante Tournee nur unter diesem Motto ankündigen? Für mich hört sich das an wie: „Okay, überredet, einmal performe ich noch, aber dann war’s das. Lasst mich danach gefälligst in Ruhe!“

Schon bevor Michael Jackson in diesem Sommer überraschend starb, hatte ich mich gefragt, warum er sich das antut. Geldnot? Keine Ahnung...

Bei öffentlichen Auftritten wirkte er blass, schwach und total fertig. Von seinen Konzerten erwartete ich mir deshalb nichts. Und was den Kinofilm „This is it“ betrifft, geht’s mir da jetzt genau so. Wahrscheinlich bekommt das Publikum den Schatten von Michaels Selbst präsentiert – Hauptsache, die Kasse klingelt. Weil ich aber ein Riesenfan bin, sitze ich trotzdem im Zuschauerraum.

Der Film zeigt Originalaufnahmen von den Proben für die Konzerte. Es braucht ganze fünf Sekunden, bis ich zum ersten Mal in den Kinosessel gedrückt werde. Mir läuft es eiskalt den Rücken runter, ich bekomme eine so starke Gänsehaut, dass ich mich schütteln muss: Was ich sehe, ist atemberaubend. Michael Jackson tanzt, singt, wirbelt auf der Bühne herum wie zu seinen besten Zeiten. Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung, mit der er jeden in seiner Nähe verzaubert. Seine Background-Tänzer himmeln ihn an wie einen Gott. „God bless you!“, ruft Michael in ihre Richtung, lächelt und wirft ihnen einen Handkuss zu.

Jacko wirkt herzlich, aber dominant. Gar nicht so, wie ich ihn aus seinen letzten Interviews oder Fernsehauftrittens in Erinnerung hatte. Im bunten Licht der Scheinwerfer sieht sein Gesicht fast jugendlich aus. Auch die Frisur erinnert an frühere Zeiten: Lange, gelockte Haare fallen ihm über die Stirn. Er singt mit fester Stimme, springt auf einen Drehkran, sprintet über die Bühne, stampft mit den Füßen auf den Boden – ich bin baff.

Zwischendurch gibt der „King of Pop“ Anweisungen: „Nein, nein. Nicht so. Wartet, bis ich den Einsatz gebe.“ Oder: „An dieser Stelle muss die Musik verstummen. Es darf am Ende nur noch ein dumpfes Grollen zu hören sein.“

Michael Jackson weiß genau, was er will. Er ist die zentrale Figur. Egal, was auf der Bühne geschieht – er hat das letzte Wort.

Während ich wie gebannt auf die Leinwand starre, erinnere ich mich an frühere Jackson-Konzerte, die ich im Fernsehen angeschaut habe. Schon damals waren mir die außergewöhnlichen Bühnenshows aufgefallen.

Als ich sehe, wie viel Arbeit und Vorbereitung auch in die in London geplanten Konzerte gesteckt wurden, wird mit klar: Michael Jackson wollte diese Shows unbedingt. Er gab alles dafür und kann sich während der letzten paar Jahre kaum mit was anderem beschäftigt haben. Alleine die Tanzchoreografien sind unvergleichlich. Obwohl Michael Jackson bei den Proben 50 Jahre alt war, bin ich von seinen Bewegungen weitaus mehr beeindruckt, als von denen seiner Tänzer. Einfach perfekter, einfach genialer. Michael Jackson bringt es auf den Punkt. Egal, was dieser Mensch auf der Bühne macht – „This is It“, das ist es. Die Perfektion. Ich glaube, keiner könnte es besser machen.

„Beat it“ donnert durch die leere Halle, gleich danach „Black or White“ – die Szene dauert fast zehn Minuten ohne Unterbrechung. Sie gipfelt in einem Solo der berühmten Gitarristin Orianthi Pangaris. Als der letzte Akkord im Raum verhallt, blicken Michael und die Tänzer schwer atmend zu Boden. „Okay, können wir den letzten Part noch mal wiederholen?“, fragt der „King of Pop“. Unglaublich...

Er lächelt, hat Spaß, macht Witze. Schade, denke ich. Er hätte die Shows geliebt. Er hat sich darauf tierisch gefreut, seine ganze Energie reingesteckt.

Bislang war ich immer der Meinung, er hätte sich für seinen Tod keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Aber nun denke ich anders: Diese 50 Konzerte – und er hätte sie locker durchgestanden – wären die Krönung für diese beispiellose Karriere gewesen. Solche gigantischen Shows hätte niemand mehr von ihm erwartet.

Von Jan Schmidt, Twistringen

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