Neunte Staffel: Start der zweiten Hälfte

„The Walking Dead“ startet mit Ausflug ins Seifenoper-Genre

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Gabriel und Rosita kommen sich näher.

Von Britta Buntemeyer - Wer steckt hinter diesen mysteriösen Gegenspielern, die sich Zombiehaut überziehen, und was macht jemand, der nach Jahren der Terrorherrschaft und Gefangenschaft plötzlich wieder auf freiem Fuß ist? Mit „Home Sweet Home“, im Original „Adaptation“, ist „The Walking Dead“ in die zweite Hälfte der neunten Staffel gestartet und hat sogleich einige interessante Aspekte unter die Lupe genommen.

Dazwischen trauern die Charaktere um Jesus, der im Halbstaffelfinale von den neuen Antagonisten, den Flüsterern, hinterrücks getötet wurde. Immerhin: Es gibt eine Leiche, die man zu Grabe tragen kann, anders als im Falle von Rick, den man nach dessen vermeintlichem Ableben nie gefunden hat. Situationen wie diese führen das noch einmal vor Augen, wie auch aus einem Gespräch zwischen Michonne und Daryl hervorgeht. Sie konnten nie richtig von Rick Abschied nehmen und das nagt an der ohnehin bereits mitgenommen Gefühlswelt. 

Michonne hat nie richtig von Rick Abschied nehmen können.

Auf dem Rückweg zum Hilltop bekommt es die Gruppe erneut mit einigen Zombies zu tun. Clevererweise schießt Daryl den Angreifern ins Bein und erkennt so schnell, ob er Menschen oder Untote vor sich hat. So wird eine junge Frau, eigentlich noch ein Teenager, gefangengenommen, und von Daryl, Tara und Michonne im Hilltop verhört. Doch die Unbekannte verrät noch nicht einmal ihren Namen, denn, so sagt sie, in der Gruppe gibt es keine. So richtig ist nichts rauszubekommen aus der verängstigten Gefangenen, das gelingt Daryl erst später im Alleingang. Wobei, ganz allein ist er nicht, da der junge Henry in der Zelle nebenan alles mitbekommt. Carols Ziehsohn sitzt noch immer in Haft, weil er sich mit anderen Jugendlichen leichtsinnig davongeschlichen, Alkohol getrunken und Unfug mit Zombies getrieben hatte. Nun bekommt Daryl aus der Teenagerin zumindest heraus, dass die Flüsterer andere Überlebende als Gefahr ansehen und die Untoten am Leben lassen, weil diese sie gegen Angreifer beschützen, im Gegenzug beschützen die Flüsterer die Untoten. 

Wer einige Jahre nach Ausbruch der Zombieapokalypse meint, er habe bereits alles gesehen und gehört, wird nun eines Besseren belehrt. So etwas wie ein Camp soll es wohl nicht geben, aber die Mutter des Mädchens ist noch am Leben. Als Daryl das Gefängnis verlässt und von draußen weiter horcht, vertraut sie Henry ihren Namen an: Lydia. Damit ist Comickennern eindeutig klar, sie ist die Tochter von Alpha, Anführerin der Flüsterer. Sie bekommen wir ganz am Ende der Folge zumindest kurz zu Gesicht. Aber noch mit Zombiemaske. Man ahnt bereits, worauf die erste Interaktion mit Henry und Lydia hinauslaufen könnte. Henry war eindeutig gegen die ungestümen Verhörmethoden, dürfte sich mit Lydia anfreunden und vielleicht noch etwas mehr. Hat es Daryl etwa genau darauf abgesehen, als er die Flüsterer-Geisel im Beisein von Henry noch einmal vernommen hat? 

Judith entwickelt sich zu einer resoluten jungen Frau.

Henrys positives Verhältnis zu Lydia könnte sich durchaus als hilfreich und nützlich erweisen. Die erste Begegnung mit einer maskenlosen Flüsterin hat jedenfalls schonmal bestens funktioniert. Man ist gespannt, was da noch kommen mag. Der andere interessante Teil von „Home Sweet Home“ gehört der kleinen Odyssee des Negan, die sich erstaunlich gut über die Folge spannt. Der ehemalige Savior-Boss konnte seine Zelle verlassen, weil irgendjemand die Tür aufgelassen hatte. Was dahinter steckte, ist zwar noch nicht bekannt, aber Negan macht sich nach einem Abstecher ins Grimes-Haus, in dem er Judiths Kompass mitnimmt, auf zur Flucht. Doch gerade als er über die Mauer klettern will, stoppt ihn Klein-Judith mit der Pistole. Für ihn gebe es da draußen nichts, sagt sie, für niemanden. Doch Negan will nicht nur weiter in seiner Zelle dahinvegetieren, während sich die ganze Welt um ihn verändert hat. 

Er verspricht, niemanden zu verletzen, und so lässt Judith ihn laufen. Aber sie werde ihn erschießen, wenn sie ihn noch einmal sehe. So tough und badass die kleine Judith auch rüberkommt, sie mit dem Revolver zielen zu sehen und Drohungen auszusprechen, das ist schon eine neue Dimension von „Was die Apokalypse so mit sich bringt“. Negan macht sich also auf den Weg und muss sich, erstmals seit Jahren, allein durchschlagen. Das ist schon interessant für jemanden, der zunächst seine Arbeiter und Kompagnons um sich geschert und alles hat tun lassen, und anschließend jahrelang im Gefängnis saß. Doch Negan schlägt sich ganz gut, erledigt sogar einige Zombies und übergibt sich dann ausgerechnet an dem Ort im Wald, an dem er damals Glenn und Abraham die Köpfe eingeschlagen hat. 

Nun kniet Negan dort auf dem Boden, so wie er die Gruppe um Rick hatte knien lassen. Ein wunderbar poetisches Bild, das den Kreis schließt. Nach einem Abstecher in ein Bekleidungsgeschäft und einer unangenehmen Begegnung mit ein paar Hunden verschlägt es Negan schließlich ins mittlerweile verlassene Sanctuary, ehemalige Heimat der Saviors. Fast möchte man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, als er es mit seinem Saviorpfeifen und den Worten „Home sweet home“ betritt und dabei auch noch einen Knüppel über der Schulter trägt. Wieder alles auf Anfang? Hat sich für Negan gar nichts geändert? Hat er nichts gelernt? Aber nein, er killt noch ein paar im Hof umherstreifende Zombies und – nach einem Blick auf Judiths Kompass mit den Initialen JG– auch einen seiner ehemaligen Bekannten, der noch als Untoter herumvegitiert. Die Symbolik ist hier eindeutig, denn Judith hatte ihm erlaubt, den Kompass doch mitzunehmen, damit er ihm den Weg zeigt. So steigt Negan auf ein noch im Santuary befindliches Motorrad und macht sich auf den Weg zurück nach Alexandria, wobei er unterwegs auf Judith trifft, die ihn – ganz gemäß ihrer Drohung – auch sogleich vom Sattel schießt.

Doch Negan ist nicht ernsthaft verletzt und gibt zu, dass es tatsächlich für ihn da draußen nichts mehr gibt. Wie er sich genau in die Gruppe um Alexandria einbringen will, weiß er zwar noch nicht, aber es dürfte interessant werden. Es wird auf jeden Fall höchste Zeit, denn Negan als Gefangener in seiner Zelle ist nicht nur unproduktives Mitglied einer neuen Gesellschaft, er kostet auch wertvolle Ressourcen. Es bleibt spannend, wie Michonne auf seinen Ausflug reagieren und ob es Konsequenzen geben wird. Vielleicht könnte sich Negan sogar nützlich im Kampf mit den Flüsterern erweisen. 

Negan könnte eine neue wichtige Rolle in der Gemeinschaft zukommen.

„The Walking Dead“ macht wieder vieles richtig und schafft es, dass man sich als Zuschauer endlich wieder auf den Fortgang der Geschichte freut. Da verzeiht man auch kleine Seifenoper-Ausflüge wie eine sich anbahnende Dreiecksgeschichte um Rosita, ihre aktuelle Liebschaft Gabriel und Arzt Siddiq, denn Rosita hatte – wie wir jetzt erfahren – vor ihrer Zeit mit Gabriel etwas mit Siddiq und meint, das Baby ist von ihm. Nunja... Machen wir es wie die Communities und richten wir den Blick lieber nach vorn. Damit fährt man bei „The Walking Dead“ meist am besten.

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