Zwischenmenschlicher Überlebenskampf

„The Walking Dead“ macht sich zum Start der 9. Staffel auf zu alter Stärke

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Anstatt motorisiert sind die Charaktere mittlerweile vor allem auf Pferden und in Kutschen unterwegs.

Von Britta Buntemeyer - Es sieht wieder besser aus für Fans von „The Walking Dead“- die Serie ist auf dem Weg der Besserung. Mit einem Episodentitel, der in mehrerer Hinsicht sinnbildlich für die Entwicklung der Serie steht, ist das Zombie-Drama in die 9. Staffel gestartet.

In „A New Beginning“ wird tatsächlich – endlich – ein neues Kapitel nach dem Krieg mit Negan und den Saviors aufgeschlagen, wobei die neue Showrunnerin Angela Kang auch sogleich das Drehbuch zu Papier brachte. Ein neuer Anfang also sowohl für die Charaktere und die Geschichte als auch für die Serie selbst. 

Und das tut nach den vergangenen zwei Staffeln, die überwiegend fast selbst daherkamen wie ein irgendwie noch vor sich hin röchelnder Untoter kurz vor dem dringend nötigen Stich ins Hirn, mehr als gut. Die Staffelpremiere macht vieles richtig und stimmt optimistisch auf das, was da noch kommen wird.

Grundsätzlich herrscht nach Kriegsende eine friedvolle Stimmung, knapp zwei Jahre sollen nach dem Finale von Staffel 8 vergangen sein, wie es zuvor von Seiten der Macher hieß. Maggie hat ihr Baby bekommen, die Gruppen arbeiten emsig am Wiederaufbau und fruchtbaren Zusammenleben ihrer Communities. Aber natürlich brodeln weiterhin einige Konflikte. 

Die Gruppe um Rick Grimes macht sich aber zunächst auf nach Washington, um im Naturkundemuseum auf Beutezug zu gehen. Nicht nur wichtiges Saatgut, auch ein Planwagen, ein Pflug und ein Kanu werden mitgenommen. 

So begibt sich die verbliebene Menschheit also zurück in die Vergangenheit, um wie ihre Vorväter eine neue Gesellschaft zu schaffen. Hier liegt jede Menge Potenzial, was man sich für eine Geschichte in der Apokalypse schon viel früher mal gewünscht hätte. Was heißt es, (wieder) eine Zivilisation aufzubauen? Was können wir aus der Vergangenheit dafür lernen? 

Michonne schlägt beispielsweise eine Charta für das Zusammenleben zwischen den Communities vor. Apropos lernen: Endlich scheinen auch mal Sprit und Ressourcenknappheit ein Thema zu sein, denn die Gruppe ist jetzt mit Pferden und Kutschen unterwegs. Bis auf Daryl, er darf weiterhin auf dem Motorrad Vollgas geben, aber das gehört eben zu ihm wie die Armbrust und das Grummeln. 

Daryl rückt in den Fokus - womöglich wird er zur neuen Hauptfigur der Serie aufgebaut.

Wobei er in dieser Folge doch auch einiges zu sagen hat. Ungewöhnlich viel für seine Verhältnisse und wenn die Gerüchte stimmen, dass er nach dem Ausstieg von „Rick“ Andrew Lincoln tatsächlich der neue Hauptdarsteller werden soll, ist das wohl so eine Art Vorgeschmack.

Der Besuch im Museum jedenfalls verläuft weitestgehend reibungslos, aber es wäre nicht „The Walking Dead“, wenn es nicht zumindest einen größeren Zombie-Zwischenfall geben würde. So zerrt die Gruppe den Planwagen über einen ohnehin schon brüchigen Glasboden, unter dem auch noch Zombies umherschleichen, und König Ezekiel bricht ein. Zwar ist klar, dass er an dieser Stelle nicht stirbt, aber das Ganze scheint auch eher dafür zu dienen, ihn und Carol als Liebespaar vorzustellen. Viele Fans hatten drauf gehofft, jetzt ist „Cezekiel“ also tatsächlich wahr geworden. 

Staffel Neun ist zwischenmenschlicher als ihre Vorläuferinnen.

Und auch das ist eine der positiven Entwicklungen von „The Walking Dead“: Es wird wieder menschlicher. Angela Kang setzt in dieser Episode mit Überlänge auf viele schöne, kleine Charaktermomente und lässt Geschichte wie Protagonisten Zeit zum Atmen. So bekommen auch Carol und Daryl, die seit Anfang an eine ganz besondere Beziehung zwischen Ersatzmutter/Sohn und tiefer Freundschaft verbindet, nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder einen leisen Moment der Zweisamkeit. 

Friedvolles Idyll mit ersten Rissen

Daryl hat das Sagen über das Sanctuary und die verbliebenen Saviors, hat davon aber die Nase voll und will wieder „on the road“. Carol bietet ihm an, das Kommando zu übernehmen, er wiederum freut sich, dass sie glücklich ist mit Ezekiel. Auch Rick und Michonne gehört einer dieser schönen, liebevollen Momente inmitten einer friedvollen Atmosphäre, die aber hier und da Risse zeigt.

In der Premiere zeigt sich das im Hilltop, denn auf dem Rückweg aus Washington fällt der junge Ken einem Zombie zum Opfer. Seine Eltern Tammy und Earl sind nicht gut auf Maggie zu sprechen, die in einer Wahl ganz demokratisch zur neuen Anführerin des Hilltop bestimmt wurde (der Besuch in Washington diente in erster Linie den Saviors), und so versucht Maggies Vorgänger Gregory die Gunst der Stunde zu nutzen. 

Maggie ist Mutter geworden, wird aber immer noch von alten Geistern und Widersachern verfolgt.

Nicht zum ersten Mal will er Maggie aus dem Weg räumen und veranlasst mithilfe von Earl einen Mordanschlag in einem Hinterhalt, der allerdings schief läuft. Und gerade als man sich als Zuschauer fragt, warum dieser ignorante Feigling, der so ziemlich gar nichts drauf hat und schon mindestens fünfmal hätte sterben müssen, immer noch am Leben ist, legt sich auch schon die Schlinge um seinen Hals. Maggie lässt ihn erhängen – ein rigoroser Schritt, mit dem sie sicher noch in weitere Konflikte mit Rick und Michonne treten wird. 

Im Comic verläuft es übrigens ähnlich, nur dort vergiftet Gregory Maggies Wein und der treue Jesus eilt ihr zur Hilfe. Einige Fans spekulieren bereits, ob Maggie eventuell einen dunklen Pfad einschlagen und zum Bösewicht werden könnte. Das scheint etwas weit hergeholt, Maggies Handeln ist vollkommen nachvollziehbar.

Nach dem Krieg mit den Saviors gilt es, gemeinsam nach vorne zu blicken und auch alten Feinden zu verzeihen.

Zuvor hatte Rick an sie appelliert, den Saviors mit Lebensmitteln unter die Arme zu greifen, wofür Maggie – verständlicherweise – eine Gegenleistung erwartet. Die Saviors sollen Arbeitskräfte für den Wiederaufbau einer wichtigen Brücke zur Verfügung stellen und Treibstoff liefern. Wie schon seit Ende von Staffel 8 bekannt ist, brodelt es zwischen den beiden, hat Rick doch Savior-Anführer Negan letztlich trotz aller Ereignisse am Leben gelassen. Maggie denkt gar nicht daran mit dem Menschen, der ihren Mann und Kindsvater Glenn auf dem Gewissen hat, Frieden zu schließen.

Und so dürften hier einige Anschauungen, Moralvorstellungen und Ideen einer neuen Gesellschaft in Zukunft noch arg zusammenstoßen. Doch fragt man sich, wie weit dies gerade mit Rick und Maggie noch eintreffen wird. Dass Andrew Lincoln die Serie verlassen wird, ist kein Geheimnis mehr, und auch Lauren Cohen soll nur sehr begrenzt in der neunten Staffel auftauchen. Angeblich sind beide nur in insgesamt sechs Folgen zu sehen.

Aber wie auch immer: „A New Beginning“ macht ebenso wie der Trailer zur neunten Staffel endlich wieder Lust auf „The Walking Dead“. Die neue Showrunnerin Angela Kang hatte es dabei alles andere als einfach, musste sie doch nach dem unerträglich in die Länge gezogenen und dem ziemlich uninteressanten Krieg zwischen Ricks Gruppe und den Saviors die Geschichte irgendwie wieder in die richtigen Bahnen lenken. 

Menschliche Zwischentöne kehren zurück

Hinzu kam das Ausbügeln fragwürdiger Entscheidungen ihres Vorgängers Scott Gimple wie der Tod von Carl Grimes. Aber wenn die Staffelpremiere die Richtung vorgibt, dann kann es gerne so weitergehen. Kang schlägt ruhigere Töne an, schafft schöne und lang vermisste zwischenmenschliche Charaktermomente, die Dialoge hören sich nicht mehr an wie aus dem Poesiealbum sondern wirken authentisch und es dreht sich endlich verstärkt um den Wiederaufbau einer Gesellschaft statt nur um Krieg gegen einen bösen Gegner.

Aber ganz ohne Antagonisten geht es natürlich nicht. Wie es mit Negan in der Serie weitergeht, darüber lässt sich bislang nur spekulieren, in der neuen Staffel wird auf jeden Fall eine neue Gruppe am Horizont heranschleichen, auf die viele Fans der Comicvorlage schon sehnsüchtig warten. Die Whisperer ziehen sich selbst die Haut von Zombies über und streifen so wie Untote umher. Damit passen sie sich perfekt an die neue Welt an und müssen nicht ständig gegen Beißer kämpfen. 

Sie sind aber auch sehr territorial und – ähnlich wie die Saviors gegenüber Negan – ihrer Anführerin Alpha treu ergeben. Es wird bereits gemunkelt, dass die Whisperer vielleicht etwas mit Ricks potenziellem Serientod zu tun haben könnten.

Aber darüber möchte man noch gar nicht nachdenken, dafür war der Lichtblick in „A New Beginning“ doch etwas zu hell. Gerne weiter so, Miss Kang.

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