Halbstaffelfinale

„The Walking Dead“: Da sind sie, die Whisperer

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Henry wurde von Carol in der Zwischenzeit als Sohn aufgenommen.

Von Britta Buntemeyer . Gibt es etwas Abstoßenderes als sich mit Zombieschleim einzuschmieren? Nungut: Immerhin bietet es einen gewissen Schutz inmitten der Untoten. Aber ja, es kann noch einen Schritt weitergehen. Warum sich nicht gleich die komplette Haut von Zombies überziehen, umherschlurfen und so quasi perfekt geschützt mit ihnen verschmelzen? Nun haben sie sich also endlich herangeschlichen, die Whisperer.

Im neunten Halbstaffelfinale von „The Walking Dead“ hat die neue Antagonistengruppe ihren ersten großen Auftritt auf den Bildschirm hingelegt, nachdem Eugene und Rosita vor drei Folgen bereits vor ihnen geflohen waren und dort schon ein merkwürdiges Verhalten auffiel. Seit wann flüstern die Beißer? Ist das vielleicht der nächste Schritt in ihrer Entwicklung? Sozusagen die Evolution der Zombies? Im Halbstaffelfinale mit dem passenden Originaltitel „Evolution“ sind es dann auch die Whisperer, die den interessantesten Teil ausmachen.

Daryl, Jesus und Aaron machen sich auf die Suche nach Eugene, der sich laut Rosita irgendwo in einer Hütte versteckt hält. Auf dem Weg fällt auch den dreien bei der Begegnung mit der Herde ihr untypisches Verhalten auf. Reagieren die Zombies zunächst noch auf Geräusche, zeigen sie im nächsten Moment wieder ungewohnte Gruppendynamiken. Eins ist klar: Das ist keine normale Herde, wie auch Eugene versichert, als er endlich gefunden wird. Sie flüstern miteinander. Seiner Theorie nach könnten sich die Untoten weiterentwickelt haben, immerhin funktionieren doch auch ihre Gehirne noch irgendwie, wie er später argumentiert. 

So abwegig ist das nicht in einer Welt, in der es Zombies überhaupt gibt, wie Jesus richtig anmerkt. Es sind fast schon Metakommentare, die die Charaktere hier von sich geben und die auch von den Fans immer wieder aufgegriffen wurden. Ist in einer Welt voller Zombies nicht alles möglich? Nein, nicht alles. Auch eine solche Welt folgt bestimmten Regeln, die zuvor aufgestellt wurden. Dass auch Zombies eine Evolution erfahren könnten, das scheint aber schon nachvollziehbar.

Jesus, Eugene und Aaron.

Mit dem verletzten Eugene im Schlepptau fliehen Daryl, Jesus und Aaron und finden sich, noch immer verfolgt von der Herde, auf einem Friedhof wieder. An dieser Stelle ist ausdrücklich die wunderbar gruselige Atmosphäre der Bilder zu loben, die an alte klassische Horrorfilme erinnert. Nächtliche Nebelschwaden, Grabsteine, Zombies – ja so macht „The Walking Dead“ doch am meisten Spaß. Das Friedhofstor ist verschlossen und es kommt zum Showdown, wobei auch Michonne und die neue Gruppe um Magna und Yumiko plötzlich auftauchen, um zu helfen. 

Nachdem Jesus mit einigen seiner legendären Kicks und einem Schwert noch ein paar Zombies niederstreckt, nimmt ihm einer der vermeintlichen Beißer überraschenderweise seine Waffe ab und ersticht ihn. Was ist denn da los, fragen sich nicht nur Charaktere, sondern auch Zuschauer. Ein undankbarer und vor allem viel zu früher Tod eines der interessantesten Charaktere, der in der Comicvorlage noch lebendig ist. Aber Jesus bekam, wie andere Figuren vor ihm – allen voran Maggie – in der Serie kaum mehr etwas zu tun, sein großes Potenzial wurde komplett verschenkt. Zuletzt hatte er zwar noch die Anführerschaft über das Hilltop übernommen, aber man fragt sich, wofür eigentlich. Wie Darsteller Tom Payne in einem Interview erklärte, war er bereits in der vergangenen Staffel äußerst unzufrieden damit, wie mit seiner Rolle umgegangen wurde. Jesus sei einer der fähigsten Charaktere und habe einige coole Momente im Comic, aber in der Serie sei er kaum genutzt worden. Sein Ausscheiden sei einvernehmlich gewesen.

Jesus.

Man kann seine Frustration absolut nachvollziehen und es ist eine Schande, wie die Macher von „The Walking Dead“ mit den wenigen noch verbliebenen Charakteren, mit denen man noch sympathisiert und die einem nicht völlig egal sind, umgehen. Maggie wurde einfach „off screen“ aus der Serie geschrieben – sie sei eines Tages mit Baby Hershel abgehauen zur neuen Gruppe des Commonwealth. Schauspielerin Lauren Cohen hatte zuletzt noch in Vertragsverhandlungen mit dem Sender AMC gesteckt. Das Ergebnis steht nun also fest. Ob sie nochmal wiederkehrt, steht in den Sternen. Nachdem sich auch Andrew „Rick Grimes“ Lincoln verabschiedete, heißt es nun also bye bye Jesus. Einfach schade, aber richten wir den Blick lieber nach vorne. Das ist bei „The Walking Dead“ immer besser. 

Daryl zieht dem vermeintlichen Zombie, der mittlerweile zur Strecke gebracht wurde, das Gesicht ab. Darunter: ein noch nicht zum Beißer mutierter, „normaler“ Mensch. Und so schafft es „The Walking Dead“ doch wieder, Lust auf mehr zu machen. Die Whisperer wurden von eingefleischten Comicfans mindestens genauso sehnsüchtig erwartet wie seinerzeit Negan und die Saviors. Apropos Negan: Der schafft es in dieser Folge doch tatsächlich endlich, seine Zelle zu verlassen. Gabriel hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mit dem Gefangenen zu meditieren und ein Auge auf ihn zu werfen. Doch Negan fällt immer wieder in alte Muster zurück, muss verbal provozieren und reizen. Schließlich stellt er fest, dass seine Gefängnistür einmal nicht verschlossen war – und entkommt. Gabriels Schuld? Immerhin hatte er in der Vergangenheit schon seine Gemeinde aus einer Kirche ausgesperrt und die Tore von Alexandria nicht richtig geschlossen, wodurch die Gruppe der „Wölfe“ eingedrungen war. 

Gabriel und Negan.

Es ist jedenfalls ein wenig zu befürchten, dass Negan in Zukunft wieder eine größere Rolle bekommen und so etwas wie ein Ersatz für Rick werden könnte. Die Drehbuchschreiber versuchen zwar, ihn in manchen Momenten halbwegs human und sympathisch darzustellen, etwa wenn er mit Judith interagiert, im nächsten Moment ist er aber wieder der überhebliche provozierende Widersacher. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Und nervt leider nur noch.

Was ebenfalls nicht gut funktioniert, ist Drama, das nie gezeigt wurde. Als Michonne mit der Gruppe um Magna im Hilltop ankommt, um diese dort aufnehmen zu lassen, ist der Empfang zwischen ihr und Tara mehr als kalt. Inzwischen ist klar, dass irgendwas zwischen Maggie und Michonne vorgefallen sein muss, das die Communities gespalten hat. Aber was? Der Zuschauer erfährt nichts, nur dass Alexandria isoliert ist und Michonne sich gegen den geplanten Jahrmarkt der Communities stellt. Michonne ist nach dem „Tod“ von Rick und dem Zeitsprung von mehreren Jahren charakterlich kaum wiederzuerkennen. Sie scheint hart und isoliert, wie damals, als ihre Figur eingeführt wurde. Wenigstens hat sie mit dem kleinen RJ – sie war von Rick schwanger, wie sich herausstellte – neben Judith noch eine kleine Familie. Und auch für Teenager Henry, der von Carol in der Zwischenzeit als Sohn aufgenommen wurde, ist es im Hilltop nicht leicht. Er soll sich dort zum Schmied ausbilden lassen und freundet sich mit anderen Teenagern an, was ihn aber schon bald in Schwierigkeiten bringt. Denn wie vertreiben sich Halbwüchsige die Zeit in der Zombieapokalypse? Sie schleichen sich nachts davon, trinken Alkohol und treiben waghalsige Spiele mit Untoten. 

Henry landet erstmal hinter Gittern, gelobt aber seinem Ausbilder Earl gegenüber Besserung. Der hatte ebenfalls einst in der Zelle gesessen, nach seinem Mordanschlag auf Maggie. Hier schlummert noch einiges an Potenzial, was das Thema Teenager, Pubertät und alle dummen Einfälle, die damit einhergehen, in einer Apokalypse angeht. Ein Thema, das bislang noch viel zu wenig beleuchtet wurde. Denn hach ja, auch mit ein bisschen Herzschmerz hatte Henry zu kämpfen; sein Schwarm Enid ist mit jemand anderem liiert.

Und so legt das Halbstaffelfinale, das trotz Whisperer-Einführung doch weitestgehend unaufgeregt daherkommt, gekonnt viele spannende Grundsteine für die zweite Staffelhälfte, die im Februar startet. Der Zeitsprung hat endlich mal wieder etwas Schwung in die Geschichte gebracht, die neuen Charaktere tun gut und auch der Verlust von Rick schmerzt nicht mehr zu sehr, auch wenn die Wurzeln mancher Entwicklungen seitdem noch immer im Dunkeln liegen. Man muss „The Walking Dead“ mittlerweile vieles einfach verzeihen und sich auf Möglichkeiten und Highlights wie die kommenden Whisperer konzentrieren. So macht das Zombieszenario auch weiterhin Spaß. 

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