Es macht wieder Spaß – und Lust auf mehr

Staffelfinale von „The Walking Dead“: Ruhig und unaufgeregt

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Man darf gespannt sein, wie es in Staffel 10 weitergeht.

Der Winter ist da: Zum Abschluss der neunten Staffel von „The Walking Dead“ verwandelt sich Virginia in ein Winter Wonderland. Es ist das allererste Mal, dass Zuschauer wie Figuren Schnee und Eis in der Zombieserie zu Gesicht bekommen.

Von Britta Buntemeyer. Bislang scheinen die wechselnden Jahreszeiten kein großes Problem dargestellt zu haben oder es wurde schlicht ignoriert. Im Staffelfinale „Der Sturm“ zieht nun gleich ein heftiges Schneegestöber auf, in dem auch so manche zwischenmenschliche Beziehung fröstelt. Gleichzeitig ist es eine vergleichsweise ruhige, unaufgeregte Folge für ein Staffelfinale, vor allem nach dem großen Schockmoment der vorherigen Folge. 

Die Flüsterer um Alpha hatten zehn Mitglieder der Communities enthauptet und die Köpfe auf Pfähle gespießt, um ihr Territorium zu markieren und eine makabre Warnung auszusprechen. Niemand darf die Grenzen des Flüsterer-Gebiets überqueren. So trauerten die Communities unter anderem um Carols und Ezekiels Ziehsohn Henry, Teenagerin Enid und Hilltop-Anführerin Tara.

Bis zu den Geschehnissen in „Der Sturm“ sind einige Monate vergangenen. Klar ist gleich zu Beginn: Rache genommen hat niemand an den Flüsterern. Immerhin hatte deren Anführerin Alpha auch gedroht, eine riesige Zombieherde auf die Communities loszulassen, sollte sich jemand wieder in die abgesteckten Gebiete wagen. Man fragt sich unweigerlich, wie ein Rick Grimes wohl in solch einer Situation reagiert hätte. 

Viele Fans hatten auch erwartet, dass Carol wieder schwere Geschütze auffahren und Rache üben könnte. Doch sie hat derzeit vor allem mit sich selbst zu kämpfen. Ihre Beziehung mit König Ezekiel ist seit Henrys Tod eingefroren und damit nicht genug: Alle Bewohner müssen das Königreich räumen, da sie dort den Winter aufgrund eingefrorener Leitungen nicht überstehen würden. Scheinbar war Henry der einzige, der von der Instandhaltung hausmeisterliche Ahnung hatte. Na gut.

Tolle frostige Gruselbilder

Der langsame Marsch durch eine karge, winterliche Landschaft – Es sind Momente wie diese, die mal wieder das gute und lang vermisste On-The-Road-Gefühl von „The Walking Dead“ hervorbringen, was leider viel zu selten vorkommt. Als der Sturm immer schlimmer wird, finden die Geflüchteten vorübergehend Unterschlupf im Sanctuary, dem ehemaligen Stützpunkt der Saviors. Doch auch dort können sie nicht lange bleiben, denn das Schneegestöber nimmt zu und die Nahrung wird knapp. 

Ziel der Gruppe ist das Hilltop, der bestmögliche Weg dorthin führt durch das Gebiet der Flüsterer. Ein Risiko, das eingegangen werden muss. Immerhin ist es dunkel und es tobt der größte Schneesturm seit Jahren, da dürfte ein „Landfriedensbruch“ vielleicht nicht auffallen. Es sind wirklich tolle frostige Gruselbilder, die Regisseur Greg Nicotero auf den Bildschirm zaubert. 

Ein bisschen wie „Game of Thrones“

Man sieht die Hand nicht mehr vor Augen und überall könnten Flüsterer und Zombies lauern. So stößt die Gruppe auf eingefrorene Untote sowie solche, die unter Schneemassen vergraben waren. Das Metzeln gegen Zombies im Eis, vor allem wenn die eingefrorenen Köpfe einfach so zerspringen, es erinnert schon ein wenig an „Game of Thrones“, was durchaus nicht schlecht ist. Genau solche Bilder dürften „The Walking Dead“-Fans lieben.

Ezekiel Daryl bittet um etwas Abstand

Ebenso eisig geht es leider auch zwischen Ezekiel und Carol zu. Wie Carol gegenüber ihrem alten Kumpel Daryl erklärt, fühlt sie sich, als würde sie sich selbst verlieren. Zu groß wiegt der Tod von Henry, den sie und Ezekiel gemeinsam aufgezogen hatten. Wie sehr Carol leidet, ist gerade in Hinblick auf ihre Vergangenheit mehr als verständlich. Sie hatte bereits ihre leibliche Tochter Sophia und die beiden Schwestern Lizzie und Mika, die sie in Staffel 4 unter ihre Fittiche genommen hatten, verloren. Interessanterweise bittet Ezekiel Daryl um etwas Abstand, weil er im Hilltop versuchen möchte, seine Beziehung mit Carol zu retten. Daryl und Carol sind seit Ewigkeiten eng befreundet, da scheint es schon etwas verwunderlich, warum Ezekiel ihn nun auf einmal um Abstand bittet. 

Jede Menge Potenzial für die nächste Staffel

Carol wiederum möchte letztlich nicht im Hilltop bleiben, sondern nach Alexandria ziehen, und schließlich gibt es einen schmerzhaften Abschied. Natürlich ist der Verlust von Henry ein herber Schicksalsschlag, aber die Trennung von Ezekiel und Carol kommt doch etwas plötzlich und unerwartet. Und leider ohne große weitere Erklärungen. Dafür gibt es mögliche Anspielungen in eine andere Richtung. Könnte „The Walking Dead“ nach Jahren tatsächlich doch noch den Wunsch vieler Carol/Daryl-Shipper erfüllen und die beiden zusammenbringen? Fans der beiden, die das schon ewig herbeisehnen, wittern auf jeden Fall jede Menge Potenzial für die nächste Staffel. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Keinerlei Hoffnung mehr hat hingegen Lydia. Die Tochter von Flüsterer-Anführerin Alpha fühlt sich für alles verantwortlich, was zwischen den Gruppen passiert ist. Und auch wenn Daryl sich sehr für sie einsetzt, sieht sie keinen Ausweg mehr. So versucht sie erst, sich von einem Zombie beißen zu lassen, was von Carols Auftauchen verhindert wird. Und dann bittet sie Carol, sie zu töten. 

Sie hält sich für schwach, was Carol wiederum abstreitet. Sie mag sich vielleicht selbst in der verzweifelten Lydia wiedererkennen, die von ihrer Mutter arg misshandelt wurde. Solch eine Vergangenheit kennt Carol mit ihrem brutalen Ex-Mann nur zu gut. Es dürfte interessant werden, ob Lydia nun zum nächsten „Ersatzkind“ von Carol wird. Eine liebevolle Bezugsperson wäre Lydia nach dem Tod von Henry, mit dem sie zuletzt noch angebandelt hatte, sehr zu gönnen.

Wunderbar und grotesk-niedliche Szenen

Der zweite Handlungsstrang der Folge spielt in Alexandria und scheint ganz unter dem Titel „Die Läuterung des Negan“ zu stehen. Alexandria wird besonders schwer vom Schneesturm heimgesucht, und so muss die Gruppe um Gabriel, Eugene, Rosita, Siddiq, Judith und Negan nach dem Ausfall eines Kamins per Menschenkette in ein anderes Haus übersiedeln. Mitten im Sturm büchst dann auch noch Daryls Hund aus, auf den die kleine Judith aufgepasst hat. Sie rennt hinterher, und Negan scheint es als einzigem aus der Gruppe einzufallen, der Kleinen sofort hinterherzulaufen. 

So wunderbar und grotesk-niedlich sämtliche Szenen zwischen dem einstigen Savior-Oberschurken und der kleinen Grimes-Tochter auch immer sind, bei dieser Rettungsaktion schwingt doch etwas zu sehr der Holzhammer der Autoren mit, die Negan wohl unbedingt den Stempel der „Wiedergutmachung“ aufdrücken wollen. Selbst Judiths Ziehmutter Michonne kann sich nach dieser Heldentat nur bei Negan bedanken, und der Respekt steigt etwas an.

Aber nun gut: Wenn Negan tatsächlich noch im Kampf gegen die Flüsterer eine tragende Rolle spielen sollte, ist es sicherlich gut, ihn wieder etwas mehr in die Gesellschaft zu integrieren. Und etwas wird passieren, denn in einer kurzen Sequenz gegen Ende lässt sich Alpha durch Peitschenschläge vorbereiten auf das, was kommen wird. Das gibt ebenso ordentlich Stoff zum Spekulieren wie die letzte Szene, denn einen kleinen rätselhaften Cliffhanger können sich die Schreiber mal wieder nicht verkneifen: Nachdem Ezekiel am Funkgerät mit Judith gesprochen hat, ertönt eine andere Stimme aus dem Gerät. Wer könnte das sein? Wird hier etwa der Bogen geschlagen zu jenem Ort, an den Rick Grimes mit dem mysteriösen Helikopter geflogen wurde? Man darf gespannt sein.

Mit „Der Sturm“ liefert „The Walking Dead“ einen soliden Staffelabschluss ab, der sich allerdings eher wie ein Staffelauftakt anfühlt. Das winterliche Setting ist endlich mal etwas anderes und funktioniert wunderbar, gerade für eine Story, die in der Apokalypse spielt. Die neue Showrunnerin Angela Kang hat die Serie wieder auf den rechten Pfad gebracht, wobei sie viel Wert auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere legt und weniger auf aufgeblasene Actionsequenzen. Die gruseligen Flüsterer wurden großartig umgesetzt und mit Samantha Morton hätte Alpha keine bessere Besetzung bekommen können. So macht „The Walking Dead“ wieder Spaß – und gespannt auf Staffel 10.

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