Wie man sich selbst verrückt macht

Wer Symptome googelt, ist so gut wie tot

Von Mara Schumacher. Meine Weisheitszähne sind raus. Endlich. So „kurz und schmerzlos“, wie alle sagten, fand ich die Prozedur allerdings nicht. Wie ein angeschossenes Reh lag ich auf dem Zahnarztstuhl: Zusammengekauert, zitternd, durchgeschwitzt. Als der Zahnarzt dann auch noch meinte, mir meinen blutigen Monster-Zahn beschreiben zu müssen („Junge, Junge, den Oschi können Sie als Angelhaken benutzen!“) war ich fix und fertig. Nichts ahnend, dass mir die schlimmste Zeit aber noch bevorstand!

Nach einer Weisheitszahn-OP ist man ja schon etwas eingeschränkt. In den ersten Tagen danach soll man dies nicht, das nicht, nicht drehen, nicht bücken, nicht rennen, nicht kauen und nicht im Liegen schlafen (Hä?). 

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Natürlich - ich konnte es einfach nicht lassen - hab ich dann erstmal alles Mögliche zum Thema gegoogelt. Ihr kennt das, nach ein bisschen Googelei landet man auf Seiten wie GuteFrage.net, wo in der Regel die dümmsten Fragen der Welt gestellt und noch dämlichere Antworten gegeben werden. Eins findet man dort aber nie: Was Hilfreiches. Es gibt nur die einen: „Digga, hab mir direkt nach der Zahn-OP erstmal ‘ne Kippe angezündet.“ Und die anderen „Ich hab mich zehn Tage lang ausschließlich von Eiswürfeln ernährt, die sättigen und kühlen die Wunde.“ Boa, anstrengend. 

Trotzdem konnte ich es nicht lassen und googelte weiter, in etwa so:

„weisheitszahn was essen“

„weisheitszahn op wie lange wunde“ 

„weisheitszahn milchprodukte“

„weisheitszahn op backenzahn tut weh“ 

„weisheitszahn op kopfschmerzen“ 

„weisheitszahn op faden guckt raus“ 

„weisheitszahn op darf man haare waschen“

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Jaa, ich hab mich selbst komplett verrückt gemacht und war nur noch verunsicherter. Aber Symptome und Ratschläge googeln ist wie Chips essen: Einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören. Mein persönliches Highlight war der Hinweis, dass man nach einer Weisheitszahn-OP NICHT NIESEN soll, weil die Wunde aufgehen könnte oder man sich im schlimmsten Fall den Kiefer brechen könnte! WAS? Ich war endgültig im Zahn-Darknet angekommen und surfte mich meinem eigenen Tod entgegen. 

Da ich laut Internet also gar nix mehr machen durfte, saß ich die meiste Zeit wie eine Mumie auf dem Sofa und starrte die Wand an. Natürlich saß ich stramm und aufrecht, da im Liegen die Wunde wieder bluten könnte und ich dann einsam und allein an meinem eigenen Blut ersticken würde. Dramatisch.

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Plötzlich kribbelte meine Nase und ich wusste, es war soweit: Ich musste niesen! Kieferbruch! Blut! Alarmstufe ROT! Neeein! Ich versuchte also, den gefährlichen Nieser zu unterdrücken, aber verschluckte mich dabei und musste fürchterlich husten.  Aber, oh Wunder, mein Kiefer ist noch vollständig. Tja, scheint so, als ob ich nicht nur die Weisheit verloren habe, sondern auch noch meinen Verstand. Nächstes Mal frage ich wohl einfach mal den Zahnarzt statt Google.

Rubriklistenbild: © imago/Science Photo Library

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