„Ich hab noch nie ein Mädchen mitgebracht“

Syker Jungs im Gespräch: Saad und chili-Autor Marc.

Syke – Das Wetter ist schlecht, es regnet. Ich mache mich auf den Weg zur Dönerbude „Ali Baba“ in Syke, wo er gerade eine türkische Pizza isst. Im Ohr habe ich die Zeile „Es geht SY 57, Baba Saad...“ aus dem Song „H.A.L.U.N.K.E“, der auf dem gleichnamigen Album zu hören ist.

Baba Saad, einer der erfolgreichsten deutschen Rapper, fühlt sich immer noch mit Syke, seiner Heimat-Kleinstadt, verbunden. Seit dieser Woche ist sein Album „Abgelehnt“ auf dem Markt. Wieso es abgelehnt wurde und was Saad sonst so macht – lest selbst. Ich hab ihn für Euch interviewt.

Hey Saad, wie geht’s, was liegt grad bei Dir an?

Mir geht’s gut. Das Album ist raus, ich drehe gerade noch ein Musikvideo mit zwei neuen Künstlern, die ich unter Vertrag genommen hab.

Wie kam es zum Titel „Abgelehnt“ für Dein Album?

Ich habe dieses Album aufgenommen, als ich noch bei Bushido unter Vertrag war, aber die wollten’s damals nicht veröffentlichen. Ich wollte die Songs aber nicht wegschmeißen. Jetzt hab ich meine eigene Musikfirma und muss mir den Verdienst mit niemandem teilen.

Hast Du Songs gemacht, die Du heute bereust?

Klar gefallen mir einige mehr, andere weniger. Aber insgesamt stehe ich zu 99 Prozent dahinter.

Sind auf dem neuen Album eher harte Sachen, oder zeigst Du auch mal Deine gefühlvolle Seite?

Es ist ‘ne gesunde Mischung: Es gibt einige gefühlvolle Songs, weil die Nachfrage danach gestiegen ist, aber auch die Gangsta-Songs.

Wen hast Du als Feature-Gäste auf dem Album?

Noch unbekannte Rapper aus Bremen. „Bremens Most Wanted“, kurz BMW, zum Beispiel, oder „MoTrip“, mit dem ich eventuell auch noch ein Video drehen werde.

Hast Du noch Kontakt zu Deinem Entdecker Bushido?

Ab und zu schreiben wir uns SMS, aber unregelmäßig. Streit haben wir keinen. Aber wer weiß, was in Zukunft passiert.

Deine geplante Tour wurde abgesagt. Warum?

Ich habe die Tour nicht abgesagt, sondern verschoben. Ich habe in der nächsten Zeit viele Anwaltstermine wegen einer Sache, die ein halbes Jahr zurückliegt. Eine Frankfurter Kellnerin behauptet, ich hätte sie geschlagen, was nicht wahr ist. Aber da ich ja kein unbeschriebenes Blatt bin, muss ich mir diese Zeit nehmen, um aus der Sache rauszukommen.

Bald soll es ein PC-Spiel von Dir geben. Was erwartet uns da?

Es ist wie „Fußball-Manager“, nur bist Du für mich, den Rapper, verantwortlich. Du musst dafür sorgen, dass ich pünktlich zu Konzerten erscheine und bist für meine Karriere zuständig. Ich habe für das Spiel noch ein paar exklusive Songs gemacht. Es erscheint noch dieses Jahr.

Du und Deine Familie seid als Kriegsflüchtlinge aus dem Libanon nach Deutschland gekommen. Bist Du noch oft in Deinem Geburtsland?

Ich versuche, zweimal im Jahr dahin zu fliegen. Letztes Jahr war ich fast komplett dort. Ich bin sehr gerne da. Ein sehr schönes Land, das leider kaputt ist vom Krieg. So halte ich auch den Kontakt zu meiner Familie, was mir sehr wichtig ist.

Du benutzt in Deinen Texten oft die Kürzel „SY“ und „57“ für Syke. Hier hast Du den Großteil Deiner Jugend verbracht. Wie kam es zum Kontakt mit Bushido?

Ich war in Walle bei einem Kumpel, der mich mit ins Studio genommen hat, wo ich einen Song aufgenommen habe. Den Kontakt zu Bushido hat eine gemeinsame Freundin hergestellt – und mein Song gefiel ihm anscheinend. Er hat mich kontaktiert, so haben die Dinge ihren Lauf genommen.

Bist Du hier in Syke zur Schule gegangen? Und hast Du einen Abschluss?

Ich bin hier auf die Realschule gegangen, die ich auch ganz normal beendet habe.

Was hast Du nach Deiner Rapper-Karriere vor?

Ich bin jetzt 26 Jahre alt, ich kann vielleicht noch drei, vier Jahre rappen. Meine eigene Plattenfirma ist ein zweites Standbein und nimmt viel Zeit in Anspruch. Ich habe sehr gute Künstler unter Vertrag, von denen ich mir viel erhoffe.

Was rätst Du einem 15-jährigen Jungen wie mir, der mal dahin kommen möchte, wo Du jetzt bist?

Mach auf jeden Fall Deine Schule zu Ende, geh studieren, mach eine Ausbildung. Das ist besser, als sich auf die Rapper-Karriere zu fokussieren. Es gibt vielleicht zehn erfolgreiche Rapper in Deutschland – von 300.000 Leuten, die es versuchen. Es ist wirklich nur eine ganz kleine Wahrscheinlichkeit, dass man es schafft. Das Gesamtpaket muss stimmen, man braucht Talent, aber auch ‘ne Menge Glück.

Fandest Du es in meinem Alter nicht auch oft ziemlich langweilig in so einem kleinen Ort wie Syke?

Also, ich weiß nicht, wie es heute hier abgeht, aber damals war schon ordentlich was los. Du kannst froh sein, in dieser Zeit hier zu leben, vor zehn Jahren war es wesentlich voller, da ging richtig die Post ab. Außerdem bin ich immer zwischen Syke und Bremen gependelt, das war mein Ausgleich.

Wie läuft ein normaler Tag von Dir ab?

Bei mir gibt’s verschiedene Alltage. Es gibt Tage, an denen ich bis 13, 14 Uhr schlafe. Dann geh ich zu meinem Freund und esse was, bevor ich mich wieder schlafen lege. Und Tage, an denen ich um fünf Uhr aufstehen muss, um Termine wahrzunehmen und nebenbei noch im Studio Songs aufzunehmen. Dann wird’s extrem stressig, ich komme zwei, drei Tage überhaupt nicht zur Ruhe und muss mich erst mal erholen.

Du bist bekennender Fan von Werder Bremen. Gehst Du oft ins Stadion?

Ich war Werder-Fan, hab aber meine Klub-Karte abgegeben. Das liegt an Thomas Schaaf, von dem ich nix mehr halte. Er hat viel für uns getan, dafür bin ich ihm auch dankbar, aber es kann nicht sein, dass wir nur von einem Spieler abhängig sind. Ohne Pizarro wären wir auf einem Abstiegsplatz, das geht auf die Kappe von Schaaf! Solange der noch Trainer ist, gehe ich nicht mehr ins Stadion!

Welchen Rapper findest Du gerade gut? Und wen kannst Du gar nicht ab?

Mein Favorit ist im Moment „Sadiq“. Ein sehr talentierter junger Mann aus Frankfurt. Wen ich nicht leiden kann, weiß man ja mittlerweile...

Sido?

Ja, der hat meine Familie beleidigt, das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Meiner Mutter geht es gerade sehr schlecht, sie hat Krebs. Und wenn jemand dann so was macht, muss er damit rechnen, dass ich zurückschieße.

Gab’s schon eine Reaktion von Sidos Seite?

Nein, ich glaube, der hat Angst vor mir (lacht).

Jetzt kommt eine Frage für die chili-LeserINNEN: Hast Du eine Freundin?

Nein, ich bin auf der Suche. Die einzige Liebe, die ich momentan hab, ist der Döner bei „Ali Baba“ (lacht).

Wie muss ein Mädchen sein, um Chancen zu haben?

Sie muss ehrlich sein, einen guten Charakter haben, es muss alles zusammenpassen. Sie muss auch nicht unbedingt die Schönste sein, wenn der Rest passt. Aber wenn sie so aussieht wie Megan Fox, geht das auch klar!

Kam es schon mal vor, dass Du eine Freundin mit nach Hause gebracht hast, die Deiner Familie nicht gefiel?

Nein, ich bin noch nie mit einer Frau zu meinen Eltern gekommen.

Warum das denn?

Weil ich immer wusste, dass es keine Beziehung für immer werden wird. Ich kann ja nicht alle zwei Wochen bei meinen Eltern mit einem Mädchen ankommen. Wenn ich merke, dass es was richtig Ernstes ist, mach ich das – klar. Aber bisher war das leider noch nicht der Fall.

Saad – vielen Dank für Deine Zeit und das Interview!

Ich bedanke mich bei Dir!

Von Marc Stehr (15 Jahre) aus Syke

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