Welttag der Suizidprävention

Welttag der Suizidprävention: Selbstmordgedanken sind einsam – Betroffene brauchen Hilfe

Eigentlich sind alle Gedanken einsam. Niemand kann sie sehen und man muss sie auch nicht aussprechen. Da sind sie trotzdem. Aber Gedanken können wir teilen. Das machen wir nur meistens mit den schönen Gedanken, mit den witzigen und liebevollen. Die düsteren bleiben oft, wo sie entstehen: im eigenen Kopf.

Hier bekommt ihr sofort Hilfe, wenn ihr Selbstmordgedanken habt oder es euch schlecht geht:

Telefonseelsorge (24 Stunden an 365 Tagen im Jahr für alle)

0800/11 10 111, 0800/ 111 0 222 oder 116 123

Hilfe im Web

www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote

www.psychotherapiesuche.de

www.beratungsstelle.neuhland.net

www.internetseelsorge.de

www.das-beratungsnetz.de

Am Donnerstag, 10. September 2020, ist Welttag der Suizidprävention. Der Aktionstag der Weltgesundheitsorganisation und International Association for Suicide Prevention soll die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass Suizid ein enormes Problem der modernen Welt darstellt. Dabei könnten Warnsignale früher erkannt und Berührungsängste mit diesem Thema reduziert werden. 

Ein wichtiger Tag also, der aber nicht genügend Aufmerksamkeit bekommt. Warum? Weil Suizid ein Tabuthema ist. Über Suizide wird nicht oder sehr zurückhaltend berichtet, um Nachahmer nicht zu ermutigen. Das ist komplett richtig. Aber lasst uns offener drüber sprechen, was in einem Menschen vorgeht, bevor er beschließt, eine endgültige Entscheidung in die Tat umzusetzen. Denn nur dann kann vermieden werden, dass diese einsame, letzte Entscheidung ausgeführt wird.

Vielleicht könnte es Menschen retten, wenn sie sich mit ihren düsteren Gedanken nicht einsam und allein fühlen würden. Niemand spricht über Selbstmordgedanken. Weil sie so beängstigend sind, dass wir sie anderen nicht zumuten wollen. Selbstmordgedanken sind die einsamsten von allen. Und damit die gefährlichsten. Obwohl sie ganz oben im Kopf sind, können sie an den Füßen reißen und dich zum Abgrund ziehen.

Selbstmordgedanken sind einsam, aber es ist wichtig, über sie zu sprechen.

Selbstmordgedanken können aus dem Nichts kommen. Sie können sich absolut bedrohlich anfühlen. Oder sehr befreiend. Selbstmordgedanken haben nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, dass man wirklich sterben will. Selbstmordgedanken sind vor allem ein Hilferuf an sich selbst – dass man so nicht weiterleben kann und will, dass sich ganz dringend irgendetwas ändern muss.

Sie müssen sich auch nicht konkret um den eigenen Tod drehen, sie müssen sich nicht mit konkreten Plänen befassen, das Leben beenden zu wollen. Aber egal, wie sie aussehen: Sie sind eine sehr ernstzunehmende Warnung.

Selbstmordgedanken können sich einschleichen und dir auf viele verschiedene Weisen erzählen, dass es besser wäre, einfach nicht mehr da zu sein. Wenn die Last auf den Schultern zu groß geworden ist und nichts daraufhin deutet, dass man einen Teil davon endlich hinter sich lassen kann, fühlt es sich zu anstrengend an, jeden Morgen aufzuwachen und durch seine eigene Hölle gehen zu müssen.

Welttag der Suizidprävention: Betroffenen fällt es schwer, sich anzuvertrauen

Selbstmordgedanken jemandem anzuvertrauen, ist schwierig. Wir haben Angst vor den Konsequenzen, vor den Reaktionen in unserem Umfeld. Angst davor, unsere Mitmenschen mit den Gedanken zu überfordern und zu belasten, vielleicht auch Angst vor Überfürsorge oder Angst, als „verrückt“ abgestempelt zu werden.

Und dann ist da noch die Angst, gar nicht Ernst genommen zu werden, gesagt zu bekommen „Ach, du spinnst doch.“ Also bleiben wir mit unseren Gedanken allein – aus Sorge, dass alles noch schlimmer wird, wenn wir sie aussprechen. Aber das ist gefährlich, denn damit gewinnen Selbstmordgedanken an Stärke. Sie sind der Alleinherrscher, der sich langsam durch die Seele frisst und alles kaputt macht. Jeder Mensch, egal wie glücklich er wirkt, egal wie erfolgreich er ist, egal wie geliebt er ist, kann Selbstmordgedanken haben – nur für sich allein. Und plötzlich ist er nicht mehr da – und niemand hat es kommen sehen.

Niemand ist jemals allein mit seinen Gedanken und Gefühlen, es gibt immer jemanden, der einen verstehen kann. Doch dazu muss man sein Inneres gegenüber anderen öffnen. Nichts, absolut nichts, was real ist, kann ein Tabuthema sein. Auch nicht Selbstmord und Selbstmordgedanken.

Welttag der Suizidprävention: Signale unbedingt ernst nehmen!

Bitte nehmt es absolut ernst, wenn in eurem Umfeld jemand lebensmüde Gedanken ausspricht! Sie sind ein sehr lauter Hilfeschrei, der sofort ein offenes Ohr braucht und jemanden, der einfach erst mal zuhört und diese Gedanken sehr ernst nimmt! Bitte zeigt aufrichtiges Interesse, vermeidet Vorhaltungen und sprecht ganz offen! Suizidgedanken können an Bedrohlichkeit verlieren, wenn man sie jemandem anvertraut. Vermittelt Zuversicht und bietet Unterstützung an, auch bei der Suche nach professioneller Hilfe! Auch wenn jemand nicht darüber spricht, gibt es einige Signale*, die auf ein Suizidrisiko und Selbstmordgedanken hinweisen.

  • Sozialer Rückzug
  • Gleichgültigkeit
  • Traurige Stimmung
  • Hoffnungslosigkeit
  • Verzweiflung
  • Verwahrlosungstendenzen
  • Selbstverletzungen
  • Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch
  • Stimmungsschwankungen
  • Aggressives Verhalten

Lasst uns offen darüber sprechen, dass Selbstmordgedanken existieren und helfen, dass aus einsamen Gedanken keine Taten werden! Niemand ist allein.

*Quelle: Nationales Suizid Präventions Programm

Rubriklistenbild: © imago stock&people

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