Stell Dir eine Welt vor, in der niemand stirbt

chili-Autor Florian.

Syke - Es soll ja tatsächlich Wissenschaftler geben, die daran arbeiten, ewiges Leben für die Menschheit zu erlangen. Durch Nanotechnologie oder sonst was.

Man hört sogar von Leuten, die sich cryogenisch einfrieren lassen in Erwartung des Tages, an dem die Technologie soweit ausgereift ist, dass sie wiederbelebt werden können. Ist Unsterblichkeit wirklich ein Ziel, das wir anstreben sollten? 

Ich studiere Philosophie, weil mich solche Fragestellungen interessieren. Darum habe ich natürlich auch meine eigenen Gedanken zu dem Thema. Ich halte nichts davon, dass nach Unsterblichkeit geforscht wird. Für mich ist ganz klar, dass der Mensch sterben muss, das ist natürlich.

Stellen wir uns doch mal eine Welt vor, in der niemand mehr stirbt. Schon heutzutage ist unsere Erde überbevölkert und hat kaum noch genug Ressourcen für alle Menschen. In kürzester Zeit wäre alles aufgebraucht, was wir zum Überleben benötigen – Nahrung, Wasser, Platz. Wie soll also eine Welt existieren, in der keiner mehr stirbt? Wo würden wir Platz finden? 

So grausam das auch klingt: Damit etwas Neues leben kann, muss etwas Altes sterben. Das sollte also ansich nichts Schlimmes sein. Nicht umsonst bedeutet die Todeskarte beim Tarot Veränderung und nicht etwa was Schlechtes. Ohne den Tod gäbe es keine Veränderung mehr, denn wie sollte es neue Generationen mit neuen Ideen geben, wenn niemand mehr geboren werden dürfte?

Außerdem: Was würden wir denn tun, wenn wir niemals sterben würden? Wie würden wir unser Leben füllen, wenn es nie enden würde? Würden wir nicht irgendwann alles schon mal gemacht haben? Würde sich nicht irgendwann alles wiederholen?  Und wie schlimm wäre es erst, wenn wir der einzige Mensch wären, der nie stirbt? Könnten wir es ertragen zu sehen, wie alles um uns rum altert, vergeht und zu Staub wird? Wenn sich alles, was wir lieben, in Nichts auflöst?

Versteht mich nicht falsch – ich lebe gerne und habe Angst vor dem Tod. Ich fürchte nichts mehr, als dass ich mal sterben muss. Und trotzdem will ich niemals unsterblich sein. In meiner Vorstellung von der Welt und vom Leben ist Unsterblichkeit nämlich ein schlimmeres Schicksal als der Tod.

Ich kenne einige alte Leute, die den Tod nicht fürchten. Warum sollten sie auch? Wenn man sein Leben gut gelebt hat, hat man schließlich nichts zu bereuen; und außerdem gibt es andere Wege, unsterblich zu werden, ohne tatsächlich unsterblich zu sein. Der Mensch kann unsterblich werden durch seine Taten, durch seine Talente, durch seine Kinder, durch seine Mitmenschen – und das wäre eine gute Unsterblichkeit.

Ich weiß also, dass ich irgendwann sterben muss, dass ich irgendwann vielleicht sogar sterben möchte, und das das gut so ist. Ich wünsche mir zwar keine Welt, in der niemand sterben muss, aber was ich mir wirklich wünschen würde, wäre eine Welt, in der niemand getötet wird. Eine Welt, in der die Menschen nur sterben, wenn ihre Zeit gekommen ist, und nicht durch Mord oder Krieg. Aber das wird wohl leider immer nur ein Traum bleiben.    

Florian Adolph (22 Jahre) aus Syke

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