Darsteller will andere inspirieren

Captain Picard kehrt zurück - und mit ihm die Hoffnung aufs gute alte „Star Trek“

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Patrick Stewart bei seinem bislang letzten Auftritt als Jean-Luc Picard im Film „Star Trek: Nemesis“ (2002).

Von Marvin Köhnken. Der für viele Fans beste „Star Trek“-Captain aller Zeiten kehrt zurück: Anfang August bestätigte Sir Patrick Stewart seine Fernseh-Rückkehr als Jean-Luc Picard.

2002 schien dieses Kapitel TV-Geschichte mit dem Film „Nemesis“ für immer beendet, nun weckt das angekündigte Comeback nahezu unermessliche Vorfreude. Und die Furcht, dass die Rückkehr dem ikonischen Image des Captains irreparablen Schaden zufügen könnte.

Picard habe „das Herz eines Entdeckers und die Seele eines Poeten“ sagte einst die frühe Föderationskollegin Natascha Jar über den Franzosen Picard. Tatsächlich gilt der Captain der Enterprise D und E als besonnener, einfühlsamer und humanistisch veranlagter Mann, der seine Crew und die Föderation unzählige Male vor einer Katastrophe bewahrt hat.

Aber auch außerirdischen, fremden Lebensformen und Völkern trat Picard stets mit viel Verständnis entgegen und prägte so das Bild, das „Star Trek“ bis heute auszeichnet, wie kein Zweiter. Nicht Gewalt - wie sie James T. Kirk - ein ums andere Mal wählte - sondern der Dialog stand für Picard immer an erster Stelle. Sein Verhalten wurde zum Sinnbild der kompletten Sternenflotte. Selbst die kriegerischen Klingonen konnte der Enterprise-Kommandant so zur Vernunft bringen.

Picard wirkt bis heute nach

Wie groß der Einfluss Picards auf die Wahrnehmung von „Star Trek“ ist, zeigte sich zuletzt immer dann, wenn Filme und Serien allzu brachial und laut daher kamen. J.J. Abrams verpasste den neuen Kinofilmen einen modernen Schliff und zerlegte dafür recht bald den Planeten Vulkan - den Inbegriff für Besonnenheit im „Star Trek“-Universum. Und auch die Serien, die auf „Star Trek - Die nächste Generation“ folgten, entfernten sich von dem Bild, das Patrick Stewart und seine Kollegen geschaffen hatten. 

(Übersetzung am Ende des Artikels)

Einzig „Star Trek: Voyager“ gelang es, den Geist des Entdeckertums aufrecht zu erhalten. „Deep Space Nine“ spaltet seit jeher die Fan-Gemüter, zumal ein stetiger gewaltsamer Konflikt die Serie fast von Anfang an durchzieht. „Enterprise“ wiederum gelang es mit ihrer Telenovela-artigen Aufmachung nie, die Herzen der Trekkies zu begeistern. Und auch „Star Trek: Discovery“ krankt in der ersten Staffel der Serie an aufgesetzt wirkender Spannung und einer unpassend wirkenden Krawall-Atmosphäre, die wenig davon hält, was Picard dem Universum gegeben hat.

Ein ganzes Meer voller Memes

Picard wiederum ist mit Sicherheit der am häufigsten genutzte „Star Trek“-Charakter, wenn es darum geht, sich mit Memes und Gifs im Internet auszudrücken. Einige unvergessene Aussprüche sind zudem in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Das hat in dieser Form sonst nur der großartige Leonard Nimoy mit seinem Charakter Mr. Spock geschafft. „Make it so!“ („Machen Sie es so!“) oder „Energy!“ („Energie!“) reduzieren Picard auf ein vielzitiertes Web-Phänomen, ohne ihm damit wirklich Unrecht zu tun.

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Wie markant der Führungsstil Picards in fast allen Situationen war, zeigt sich auch am viel diskutierten Fan-Projekt „Sinnlos im Weltraum“, in dem deutsche Fans den „TNG“-Folgen neue Texte in den Mund gelegt. Bezeichnend dabei ist, wie aus dem Original-Charakter ein stets gewaltbereiter, vulgärer Typ wird, der keinen Respekt vor seinen Mitmenschen besitzt. Funktionieren kann diese Karikatur tatsächlich nur, weil Picard im Original derart aufrichtig gestaltet wurde.

Nun also die baldige Rückkehr eines Charakters, der - von Patrick Stewart verkörpert - das ins Wanken geratene Franchise wieder auf Kurs bringen soll. Details zur Story sind noch nicht bekannt, spielen soll sie weit nach den Ereignissen von „Nemesis“. Ein Captain „darf Picard aber nicht mehr sein“, betonte Stewart. Denkbar also, dass der Brite und passionierte Shakespeare-Darsteller eine ähnliche Rolle spielen wird wie zuletzt in „Logan“, wo er als alternder Professor X. an der Seite eines lebensmüden Wolverine mal eben das Superhelden-Kino aus einer sich breitmachenden Lethargie befreit hat.

Entsprechend euphorisch wurde Stewarts Comeback-Ankündigung von seinen Fans aufgenommen. Mit Tränen in den Augen hatte der 78 Jahre alte Darsteller seine Entscheidung unter anderem damit begründet, dass so viele Menschen „Die nächste Generation“ bis heute als Mutmacher nutzen und sich von der Arbeit der damaligen Crew inspiriert fühlen. An diese Wirkung möchte Stewart anknüpfen.

Produktions-Crew mit Fragezeichen

Zweifel daran, dass die Rückkehr Picards eine würdige wird, entspringen wiederum aus der restlichen Crew, die teilweise schon für „Discovery“ gescholten wurde. Laut dem Hollywood Reporter entsteht die Serie unter der Leitung von Alex Kurtzman, der seit Kurzem als Showrunner für „Star Trek: Discovery“ verantwortlich ist. An seiner Seite stehen James Duff (The Closer, Major Crimes), Akiva Goldsman (Discovery), Michael Chabon (John Carter) und Kirsten Beyer (Discovery).

Dass sich Patrick Stewart allerdings mit fliegenden Fahnen in brutale Kämpfe stürzen oder die Story ein billiger Abklatsch von dem werden wird, was „Star Trek“ lange ausgezeichnet hat, ist überaus unwahrscheinlich. Warum sonst sollte er sich mit dann mehr als 80 Jahren noch einmal für so ein Projekt hergeben? Gut ausgelastet ist der Brite auch so noch genug - in Kinoproduktionen und auf der Theaterbühne gleichermaßen. 

Ob Stewart darüber hinaus der einzige bleiben wird, der aus der alten „Next-Gen“-Crew oder den nachfolgenden Serien zurückkehren wird, ist noch offen. In der Vergangenheit waren es allerdings immer wieder die Gast-Auftritte einzelner Stars, die neue Produktionen auf ein höheres Level gehoben haben. Zu alt für umfangreiche Rollen sind wohl nur wenige der alten Weggefährten. Es bleibt also spannend.

Jean-Luc Picard mit Teilen seiner alten Crew: William Riker, Worf und Deanna Troi.

Entscheidend wird so oder so sein, wie viel Mut die Macher der Serie mitbringen, um Jean-Luc Picard ins neue Jahrtausend zu haben. Patrick Stewart kündigte bereits an, er werde einen neuen Mann spielen, der sich entwickelt hat, ja, entwickeln musste. Natürlich ist vor allem die von 1987 bis 1994 produzierte Serie nicht mehr zeitgemäß abgefilmt. Ihre Botschaften aber sind die Essenz dessen, was „Star Trek“ für seine Fans bis heute ausmacht. Diese Essenz zu erhalten und dennoch ein neues Publikum zu erreichen, wird die größte Aufgabe sein, die sich Stewart und sein Team zu stellen haben.

Patrick Stewarts Erklärung im Wortlaut:

„Ich werde immer sehr stolz darauf sein, ein Teil von „Star Trek: The Next Generation“ gewesen zu sein, doch als der letzte Film im Frühling 2002 abgeschlossen wurde, fühlte ich wirklich, „Star Trek“ sei auf natürliche Weise zu Ende gegangen. Aus diesem Grund ist es eine unerwartete und erfreuliche Überraschung, mich dermaßen aufgeregt und belebt zu fühlen, dass ich zu Jean-Luc Picard zurückkehre und neue Dimensionen in ihm erforsche. Ein neues Leben für ihn suchend, obwohl ich dachte, es wäre vorüber.

In diesen letzten Jahren habe ich große Demut empfunden, wenn ich Geschichten darüber hörte, wie „The Next Generation“ Leuten Trost geschenkt hat, ihnen durch schwierige Zeiten half oder wie das Vorbild von Jean-Luc viele inspirierte, in seine Fußstapfen zu treten, Karrieren in Wissenschaft, Erforschung und Führungspositionen zu verfolgen. 

Ich glaube, ich bin bereit, aus dem selben Grund zu ihm zurückzukehren - um zu erforschen und zu erleben, was für ein tröstendes und reformierendes Licht er in diese oft sehr dunklen Zeiten bringen kann. Ich freue mich darauf, mit unserem brillanten Kreativteam zusammenzuarbeiten, während wir erneut eine frische, unerwartete und relevante Geschichte zum Leben erwecken.“

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