Eine Prognose zum Serienabschluss

Das Finale naht: Wie „Game of Thrones“ enden könnte

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Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) kämpft um den Eisernen Thron

Von Britta Buntemeyer. Mit Spannung, Angst, Hoffnung und jeder Menge Vorfreude fiebert die gesamte „Game of Thrones“-Fangemeinde bereits jetzt dem Jahr 2019 entgegen. Denn dann flimmert endlich die finale Staffel des historisch inspirierten Fantasy-Epos über den Bildschirm. Sechs Folgen, in denen so ziemlich alles passieren und sich das Blatt noch einmal ordentlich wenden kann. Wir wagen eine Prognose...

Zur Erinnerung: Die siebte Staffel endete mit einigen vielversprechenden Cliffhangern. Während sich die royalen Helden Königin Daenerys Targaryen und der König des Nordens Jon Snow im wahrsten Sinne etwas angenähert haben, brachte der Nachtkönig mit seinem „Eisdrachen“ Viserion die Mauer zum Einsturz. Die Armee der Weißen Wanderer marschiert gen Süden. Cersei Lannister, noch immer als Königin der Sieben Königslande auf dem Thron, hatte scheinbar ihre Hilfe im Kampf gegen die Eiszombies zugesagt – aber eben nur scheinbar. Sie plant hinterrücks die Goldene Kompanie, eine berüchtigte Söldnerkompanie aus Essos, nach Westeros zu holen. Sansa Stark machte derweil in Winterfell kurzen Prozess mit Petyr Baelish und ließ diesen für seine vielen Intrigen hinrichten.

Die achte Staffel wird den Status Quo sicher noch einmal ordentlich durcheinander wirbeln. Da ist zunächst einmal die Enthüllung über die Eltern von Jon Snow: Sein Vater war Kronprinz Rhaegar Targaryen, seine Mutter Lyanna Stark, Ned Starks Schwester. Und die beiden hatten in einer heimlichen Zeremonie geheiratet. Der von Robert Baratheon ermordete Rhaegar war der Erbe des Irren Königs, der wiederum von Jaime Lannister zur Strecke gebracht worden war. Jon Snow war also nie ein Bastard, sondern ist der wahre Erbe des Eisernen Thrones. Und dazu auch noch der Neffe von Daenerys, der jüngeren Schwester von Rhaegar. Es ist wohl nicht zu erwarten, dass dieser Umstand in einem „Friede, Freude, Eierkuchen“-Szenario endet. Daenerys, die sich seit dem Tod ihres zweiten Bruders Viserys als letzte Targaryen und Thronerbin sieht, ist endlich in Westeros angekommen und versuchte bereits mit allen Mitteln, Cersei vom Thron zu stoßen. Dazu griff sie natürlich auch zu ihren effektivsten Waffen: den Drachen. „Beugt das Knie oder sterbt“ lautete ihre Devise. Es ist wohl stark zu bezweifeln, dass sie die Nachricht von Jon Snows wahrer Identität mit Freuden hinnehmen wird.

Jon selbst hat sich bekanntlich noch nie um irgendwelche Throne geschert. Er will nur eins: Die Armee der Weißen Wanderer besiegen und Westeros retten. Aber wie es bei ihm schon öfter der Fall war: Andere dürften mal wieder mehr an ihn glauben als er an sich selbst. So war er zum Lord Kommandanten der Nachtwache und zum König des Nordens von Menschen gewählt beziehungsweise ernannt worden, die an ihn glauben. Ähnlich könnte es verlaufen, wenn herauskommt, dass er der wahre Thronerbe ist. Tyrion Lannister, die Hand von Daenerys Targaryen, könnte sich von seiner Herrin abwenden und gemeinsam mit dem „Meister der Flüsterer“ Varys Jon unterstützen.

Schon im Verlauf der siebten Staffel waren Tyrion und Daenerys öfter aneinander geraten. Er hielt ihre „Feuer und Blut“-Politik vor allem nach der großen Feuerschlacht gegen die Soldaten der Lannisters (die er immerhin selbst einmal befehligt hat) für äußerst fragwürdig. Außerdem ist seinem Bruder Jaime noch immer verbunden. Zudem hatte Daenerys Randyll und Dickon Tarly, Vater und Bruder von Jons bestem Freund Sam, durch ihren Drachen Drogon dem brutalen Feuertod geweiht. Sie wollten nicht das Knie beugen. Varys nahm sogar den Vergleich zu Daenerys' Vater, dem Irren König, in den Mund. Schon lange kursiert in Fan-Kreisen die Theorie, dass Daenerys langsam aber sicher den Spuren ihres Vater folgen und wahnsinnig werden könnte. Dies wäre einer von mehreren möglichen spannenden Plot-Twists für die finale Staffel. Und es wäre ein genialer Kniff, der ganz zu George R.R. Martin, Autor der Buchvorlage, passen würde. Er ist bekannt dafür, altbekannte Klischees auszuhebeln und gegen konventionelle Erzählstrukturen anzuschreiben. Seine vermeintliche Heldin könnte allmählich zur Antiheldin und Antagonistin avancieren.

Dass Daenerys jemals den Thron besteigen wird, darf ohnehin stark bezweifelt werden. Immerhin war dies ihr Ziel seit der zweiten Staffel und wäre ein ziemlich vorhersehbarer und unbefriedigender Ausgang. Zumal sie weniger Herrscherin als vielmehr Eroberin ist und ihr ganzes Leben im Exil verbracht hat. Und überhaupt: George R.R. Martin hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass die Targaryens ein problematisches Haus sind. Generationen von Inzest führten zum Niedergang, die Drachen verglich er sogar mit nuklearen Bomben.

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Als mögliche zukünftige Königin der Sieben Königslande dürfte da eher eine andere Kandidatin in Frage kommen, die viele noch nicht auf dem Schirm haben: Sansa Stark. Während sich Cersei und Daenerys im wahrsten Sinne mit Feuer und Blut um den Thron streiten, könnte sie als große Gewinnerin aus dem Chaos hervorgehen. Seit der ersten Staffel hat Sansa eine enorme Entwicklung durchgemacht. Nachdem sich ihr vermeintlicher Traumprinz Joffrey Baratheon als Psychopath entpuppte, der sogar ihren Vater Ned Stark enthaupten ließ, wurde ihr Leben zum Alptraum. Sie wurde zweimal als politische Marionette verheiratet, gedemütigt, misshandelt und sogar vergewaltigt. Doch nach all ihren Torturen hat Sansa ihr Schicksal selbst in den Griff genommen und gemeinsam mit ihrem Halbbruder Jon, der ja eigentlich ihr Cousin ist, Winterfell zurückerobert.

Und genau hier könnte sich ein weiterer George-R.R.-Martin-typischer Plot-Twist verbergen: Jon und Sansa als künftiges Königspaar von Westeros. Ja, richtig gelesen. Jon ist Erbe des Eisernen Thrones und wahrer Erbe des Südens, während Sansa rechtmäßige Erbin von Winterfell beziehungsweise des Nordens ist. Eine Heirat würde das kriegszerrüttete Westeros und die zerrissene Beziehung zwischen dem Norden und dem Süden wieder kitten. Entgegen der weitläufigen Meinung sind Jon und Sansa nicht als Geschwister oder Halbgeschwister aufgewachsen. Sie schenkte ihm kaum Beachtung und sah genau wie ihre Mutter immer auf ihn herab. Jon selbst sah sich stets als Außenseiter. Eine geschwisterliche Beziehung gab es zu keinem Zeitpunkt. Nach ihrer Wiedervereinigung in der sechsten Staffel lernten sich beide erst richtig kennen. Hinzu kommt die Enthüllung über Jons wahre Eltern, die eben auch bedeutet, dass er und Sansa Cousin und Cousine sind. Und eine solche Heirat ist in Westeros völlig normal – ganz nach dem Vorbild des Mittelalters. 

Dies wäre eine durchaus logische und auch noch überraschende Wendung in der Geschichte. Dass Jon und Daenerys als vermeintlich strahlende Helden gemeinsam auf dem Thron sitzen werden (und als Neffe und Tante heiraten), ist wohl ein ziemlich unwahrscheinliches Szenario. Es passt so gar nicht zu „Game of Thrones“ und zu George R.R. Martins Vorliebe für anti-stereotype Geschichten. Außerdem würde das Volk eine erneute Targaryen-Herrschaft wohl kaum dulden, erst recht nicht der Norden. Und nach allem, was die Starks durchgemacht haben, wäre ein Ende mit einem Ausblick auf eine positive Zukunft doch mehr als willkommen. Immerhin waren sie immer das Herz und die Seele dieser Geschichte.

Und das Schicksal von Cersei? Das dürfte mit der Entscheidung ihres Bruders Jaime wohl besiegelt sein. Er hatte sie am Ende der siebten Staffel endlich verlassen und ist aus Königsmund weg geritten. Wohin? Aller Wahrscheinlichkeit gen Norden und Winterfell. Wenn er Sansa Stark die Treue schwört, dürfte das zu weiteren äußerst interessanten Konflikten zwischen der Königin der Sieben Königslande und der Stark-Erbin führen. Wir erinnern uns zudem an die Prophezeiung einer Wahrsagerin, die Cersei als Kind bekommen hatte: Eines Tages würde sie Königin sein, bis sie eine jüngere, schönere Königin niederwerfen und ihr alles nehmen würde, was ihr lieb ist. Sansa könnte genau diese Königin sein.

In der siebten Staffel waren die Häuser des Nordens schon drauf und dran, Jons Herrschaft zu untergraben und Sansa zur Königin zu ernennen. Es wäre ein poetischer Verlauf für Sansas Geschichte, betrachtet man ihre persönliche Vergangenheit mit Cersei. Vor allem aber ist Sansa im Laufe der Zeit zu einem politisch versierten und starken Charakter herangereift, der im Moment die besten Herrscherqualitäten vereint. Während ihrer Zeit in Königsmund lernte sie ebenso viel wie während ihrer Zeit mit „Mastermind“ Petyr Baelish. In der vorletzten Staffel regierte sie in Jons Abwesenheit über Winterfell und den Norden, kümmerte sich um Nahrungsvorräte, dachte und plante langfristig und bereitete die Menschen auf den Großen Krieg gegen die Weißen Wanderer vor. Ihr Konflikt mit Cersei dürfte zu den spannendsten Aspekten der finalen Staffel gehören. Von Cerseis Tod ist wohl stark auszugehen. Vielleicht machen Sansa und Jaime hier gemeinsame Sache.

Bleibt nur noch die Frage nach dem Schicksal der Weißen Wanderer. Auch hier könnte sich ein interessanter Twist verbergen. Denn nach wie vor ist nicht klar, was die Eiszombies denn genau wollen. Es wäre wirklich sehr unbefriedigend, wenn sie einfach nur „böse Monster“ sind. Dafür erscheint der Nachtkönig doch viel zu clever. Man wird das Gefühl nicht los, dass er einen größeren Plan verfolgt. Wird ihm Jon, den alle für den wiedergeborenen legendären Helden Azor Ahai halten, einfach den Garaus machen? Oder ist es doch nicht so einfach?

Das „Lied von Eis und Feuer“, wie George R.R. Martins Romanreihe betitelt ist, könnte hier einen kleinen Hinweis geben. Der Autor erklärte, dass sich Eis und Feuer auf die Weißen Wanderer und die Drachen beziehen. Beides bringt Zerstörung mit sich. Und beides muss irgendwie in Balance gebracht werden. Jon, der als Sohn von Lyanna Stark (Eis) und Rhaegar Targaryen (Feuer) beide Elemente in sich vereint, könnte hier eine gewichtige Rolle zukommen. Irgendwie muss er für eine Balance sorgen. Wie das genau aussieht, ist wohl die spannendste Frage in Hinblick auf das Ende von „Game of Thrones“ und am schwersten vorherzusehen. 

Vielleicht möchte der Nachtkönig ja etwas ganz Nachvollziehbares: Wie jeder König braucht er eine Königin an seiner Seite. Könnte Daenerys etwa zur Nachtkönigin werden? Dies wäre gleich in mehrerer Hinsicht poetisch: Sie wollte immer Königin von Westeros sein – und sie wird es, nur nicht ganz so, wie sie es sich vorgestellt hat. Aber es könnte zu einem Pakt mit den Weißen Wanderern führen, die nicht einfach nur Monster sind. Bei George R.R. Martin gibt es normalerweise kein Schwarz und kein Weiß.

Ist dies zu abgedreht? Vielleicht. Aber es würde doch irgendwie perfekt zu Martins unkonventioneller Erzählweise passen und dem Zuschauer beziehungsweise Leser einen gehörigen Schlag in die Magengrube verpassen. Gleichzeitig wäre es ein bittersüßes Ende – so wie er es einmal angekündigt hatte.

Aber das ist eben auch das Schöne an „Game of Thrones“: Dieses komplexe Universum lebt von Theorien. Und so ziemlich alles ist möglich.

Valar morghulis.

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