Keiner spart so viel wie wir

+
Unsere Sparschweine sind voll. Aber nur, weil wir lieber teilen als besitzen.

Altersarmut, befristete Verträge und unbezahlte Praktika machen uns Angst. Die Folge: Wir legen mehr Geld zur Seite als unsere Eltern. Doch warum ist das so?

Von Anne Hundt

Schlagzeilen wie „Arbeit, Alter, Armut“ oder „Hunderttausende Rentner müssen jobben“ machen meiner Generation ganz schön zu schaffen. Viele Jugendliche haben Angst davor, von ihrem Job später mal nicht leben zu können. Sie sehen, wie ihren Müttern mit 50 Jahren gekündigt wird. Wird es uns mal genauso gehen? Im Studium machen wir ein unbezahltes Praktikum  nach dem nächsten. Wir hoffen nämlich, dass wir uns Kontakte aufbauen können, die uns später mal dabei helfen, einen festen Job zu bekommen.

Doch egal, wie sehr wir uns abrackern, die Tatsache, dass sich die Zahl der befristeten Arbeitsverträge in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdreifacht hat, ist erschreckend. Die Nachrichtenagentur AFP  berichtete vor Kurzem, dass 42 Prozent aller Neuverträge nur noch befristet vergeben werden. Wie soll man sich denn eine Zukunft aufbauen beziehungsweise überhaupt trauen, irgendwo wirklich mal sesshaft zu werden, wenn man ganz klar weiß: „Nach zwei Jahresverträgen sitze ich wieder auf der Straße.“

Unsere einzige Möglichkeit, unsere Zukunftsängste in den Griff zu bekommen, ist zu sparen. Noch nie haben junge Leute im Altern zwischen 14 und 25 Jahren so viel gespart wie wir heute. Aus einer Studie der Deutschen Bank geht hervor, dass junge Erwachsene durchschnittlich 467 Euro im Monat zur Verfügung haben und davon ganze 129 Euro zur Seite legen. Und damit ist ihre Sparquote dreimal so hoch wie die der privaten Haushalte. Doch woher kommt dieses Geld?

Eigentlich hat jeder meiner Freunde, die zurzeit studieren, mindestens einen Nebenjob. Sie kellnern, sitzen an der Supermarktkasse oder jobben bei Fastfood-Ketten. Und das, obwohl das monatliche Budget, das ihre Eltern ihnen überweisen, für das Nötigste reicht. Wer also die Möglichkeit hat zu sparen, tut es auch. Einfach, weil wir mal besser leben wollen. Nicht nach dem Studium mit leeren Taschen dastehen wollen. Sondern selbstbewusst mit einem kleinen finanziellen Polster in die Welt starten wollen. Und das beste an unserer Einstellung ist, dass wir es nicht schlimm finden auf einem kleinen Fuß zu leben: Wir fahren lieber mit einer Fahrgemeinschaften, als ein teures Zugticket zu kaufen. Wir schlafen lieber auf der Couch  eines Fremden, als ein teures Hotelzimmer zu buchen. Wie fahren lieber campen, als einen Wellness-Urlaub zu machen. Wir wollen einfach beides: Unsere Zeit jetzt gerade nutzen, um viel von der Welt zu sehen, und gleichzeitig für die Zukunft vorsorgen. Denn das Vertrauen in die staatliche Absicherung haben wir längst verloren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Welttag der Suizidprävention: Selbstmordgedanken sind einsam – Betroffene brauchen Hilfe

Welttag der Suizidprävention: Selbstmordgedanken sind einsam – Betroffene brauchen Hilfe

Welttag der Suizidprävention: Selbstmordgedanken sind einsam – Betroffene brauchen Hilfe
Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen
Abtreibung: Eine Frage des Gewissens

Abtreibung: Eine Frage des Gewissens

Abtreibung: Eine Frage des Gewissens
Im Himmel ist die Hölle los

Im Himmel ist die Hölle los

Im Himmel ist die Hölle los

Kommentare