Vom Flirt bis zum Antrag ...

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Anika schloss die Kinder im SOS-Kinderdorf schnell in ihr Herz. „Die haben viel Leid gesehen und trotzdem strahlen sie so viel Lebensfreude aus – das ist unglaublich“.

...ist es in Botswana gar nicht so weit: Gestört hat’s Anika Pohlabeln (23) nicht. Sie war sechs Wochen lang in Botswana und arbeitete in einem SOS-Kinderdorf. Dabei schloss sie ganz viele Leute in ihr Herz.

Als Anika die Kuh sieht, kann sie es im ersten Moment nicht glauben. Spinnt sie? Hat sie einen Sonnenstich? Bei 35°C wäre das durchaus denkbar.

Anika ist mit ihrer Gastfamilie und ziemlich vielen Verwandten zum Campen gefahren, mitten in die Pampa. Ringsherum nichts – und vor ihr: die Kuh. Die soll in den nächsten Tagen gegessen werden und wird gerade von der Autoladefläche zum Tisch transportiert, jede Menge Fliegen schwirren um das tote Tier herum.

„Eine ganze Kuh, zwar gehäutet, aber sonst alles dran.“ Anika schüttelt verblüfft den Kopf. Sie versucht zwar, sich nichts anmerken zu lassen, aber besonders viel wird sie von dieser Kuh bestimmt nicht essen.

Ein kleiner Kulturschock, denn es gibt keinen Zweifel: Anika spinnt nicht – die Kuh ist wirklich da. Der Wunsch ein anderes Land und eine andere Kultur kennen zu lernen, ist für Anika eindeutig in Erfüllung gegangen.

Sechs Wochen lang lebte, reiste und arbeitete Anika Pohlabeln in Botswana. „Eine unglaublich fantastische und spannende Zeit!“, strahlt die 23-Jährige.

Aber was hat die Oldenburgerin ins südliche Afrika verschlagen? „Ich hab schon länger mit dem Gedanken gespielt, ins Ausland zu gehen. Bei einem Infoabend der Studentenorganisation AIESEC wurde dann mein Interesse für Afrika geweckt.“ Zuerst wollte sie lieber in den Norden. „Aber da ist es momentan leider nicht so sicher.“ Also suchte sie weiter und irgendwann stand fest: Botswana! Viel gehört hatte Anika von diesem afrikanischen Land noch nicht. „Das liegt daran, dass die Sicherheitslage dort so stabil ist und Botswana durchaus als afrikanisches Vorzeigeland gilt“, erklärt Anika. Das beruhigte auch ihre Eltern, denn die waren am Anfang nicht so begeistert, dass ihre Tochter ausgerechnet in ein SOS-Kinderdorf ins ferne Afrika möchte. „Meine Mutter hat immer wieder gefragt, ob es nicht interessante Projekt in Europa gibt. Trotzdem haben sie sich mich vollkommen unterstützt und sich mit mir gefreut“, erinnert sich die Afrikareisende.

Als fest stand, dass es nach Botswana gehen wird, kaufte Anika sofort einen dicken Reiseführer und las über 100 Seiten von vorne bis hinten durch. „Danach konnte ich es noch viel weniger aushalten, bis es endlich losgehen würde“, lacht sie.

Die junge Frau war voller Vorfreude und Abenteuerlust. Doch dann das: weiche Knie beim Abflug – Anika erinnert sich: „Als ich ins Flugzeug stieg, wurde ich auf einmal relativ panisch und fragte mich immer wieder: Warum mache ich das? Und warum bloß ganz alleine?“ Bis zum Zwischenstopp in Johannesburg hatte sie sich aber wieder beruhigt und die Neugier hatte die Ängste besiegt.

Wenig später landete Anika dann endlich in Botswana. Ihr erster Eindruck? „Es war ziemlich warm. Und ich hab mich tierisch gefreut, endlich angekommen zu sein. Ich war total aufgedreht!“

Weiter ging es für Anika zu ihrer herzlichen Gastfamilie in Gaborone, der Hauptstadt Botswanas. Zwar war der Strom zwischendurch immer mal weg, aber ansonsten ging es ihr prächtig. Eine Herausforderung waren nur die täglichen Busfahrten. „Es gibt zwar keine Fahrpläne, aber relativ feste Routen, an die sich die Fahrer auch meist halten. Deshalb stellt man sich einfach an die Straße, hofft, dass es die richtige Straßenseite ist, und hebt die Hand“, erklärt Anika das abenteuerliche Busfahren in Botswana, „Die meisten Busse sind so groß wie ein VW-Bus. Doch da wird sich dann durchaus mit bis zu 19 Leuten reingequetscht.“ Aber auch daran gewöhnte sie sich schnell.

Fünf Wochen arbeitete Anika in einem SOS-Kinderdorf, deren Konzept sie schon seit Jahren begeistert hat und wofür sie regelmäßig spendete. „Ich habe in Botswana gesehen, dass die Kinder wirklich wie eine große Familie zusammenleben, es ihnen gut geht und sie glücklich sind.“

Vormittags kümmerte sie sich um die Kleinen im Kindergarten, machte Frühstück und spielte oder malte mit ihnen. Die Zeit mit den Kindern gehörte für sie zu den schönsten und intensivsten Momenten in Botswana. „Wenn ich morgens die Tür aufmachte, kamen alle angerannt, umarmten mich und freuten sich, dass ich da bin“, erinnert sie sich. Diese Herzlichkeit berührte Anika sehr. „Die Kinder im SOS-Dorf haben schlimme Sachen erlebt und doch strahlen sie so viel Lebensfreude aus – das ist unglaublich.“

Nachmittags betreute Anika die Bücherei, wo die größeren Kinder sich Bücher ausleihen konnten und die Kleineren Lesen übten. Um halb fünf war Feierabend, dann ging es nach Hause. „Dort gab es die tägliche ‚Mama-ich-lebe-noch-Mail‘“, lacht Anika.

An den Wochenenden erkundete sie dann meistens die Stadt oder unternahm was mit ihren Gasteltern.

Während ihrer Zeit in Botswana hat Anika festgestellt, dass das Familienleben dort intensiver ist als in Deutschland. „Man hält viel mehr zusammen und besucht sich fast täglich.“ Ein kurzer Besuch dauert dabei mindestens zwei Stunden.

Heimweh hatte Anika nicht, „dazu waren die Wochen einfach zu spannend und alle unglaublich freundlich zu mir.“

Gab es dennoch etwas, das sie aus oder an Deutschland vermisst hat? Anika überlegt einen Moment und schmunzelt „Vielleicht die Pünktlichkeit, die man aus gewohnt ist. Wenn man sich in Botswana verabredet, ist eine Stunde Verspätung keine Seltenheit. In Afrika geht’s eben etwas entspannter zu.“

Mit ihrer weißen Hautfarbe und den blonden Haaren fiel Anika auf. „Ich wurde oft angeguckt und auch ab und zu angesprochen, aber das war nicht unangenehm oder aufdringlich.“ Obwohl sie sogar mehrere Heiratsanträge bekam. „Die hab ich allerdings alle abgelehnt“ lacht die Herzensbrecherin.

Mittlerweile ist Anika zurück in Deutschland und konzentriert sich wieder auf ihr Chemiestudium. Sie gibt zu: „Seit den Wochen in Botswana schätze ich einige Sachen mehr. Es war traurig zu sehen, wie arm manche Menschen dort sind, viele Kinder haben wenig zu essen, kein Spielzeug und durchgelegene Matratzen.“

Für Anika war ihre Zeit in Botswana eine Erfahrung fürs Leben, die sie anderen nur ans Herz legen kann. „Über den Tellerrand zu schauen ist nie verkehrt. Und wenn man dabei noch was Gutes tun kann, wie im SOS-Kinderdorf, ist das fantastisch.“ Auch deshalb kann sie sich gut vorstellen, irgendwann nochmal nach Afrika zu reisen und dann sogar etwas länger zu bleiben. „Dann allerdings nur mit eigenem Auto, das ist auf Dauer dann doch besser als das Bussystem.“

Katrin Roßmann (24) aus Cluvenhagen

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