Interview mit der Band "Schwarz auf Weiss"

„Mit Musik überwindet man sehr viele Hürden“

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Auf dem "Hallo Verden"-Festival treten am Samstag zahlreiche Musikgrößen auf. Mit von der Partie ist auch die Band "Schwarz auf Weiss". Warum die Jungs sich auf den Auftritt freuen, verraten sie im Interview.

Von Marcel Kloth (19 Jahre) aus Syke - Viele Musiker, die die Trennung ihrer Band bekannt geben, treten irgendwann doch wieder gemeinsam auf. Einige schließen sich aus Geldsorgen erneut zusammen, andere weil sie alleine keinen Erfolg hatten. Sänger Malte Prieser und Schlagzeuger Nils Neumann versichern im Interview, dass die beiden Gründe nicht auf „Schwarz auf Weiss“ zutreffen. Die Gruppe aus Weyhe tourte zwischen 1996 und 2006 mit abwechslungsreicher Ska-Musik und vielseitigem Indie-Rock durch Deutschland. Nach sieben Jahren Pause feierte die Band nun vor einigen Monaten ihre Wiedervereinigung.

VERLOSUNG:

Wir verlosen unter allen chili-Lesern, die bis morgen Nachmittag um 15 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff „Hallo Verden“ an chili@kreiszeitung.de schicken, zwei Karten für das „Hallo Verden“-Festival am Samstag, 15. November. Name, Alter und Adresse nicht vergessen. Viel Glück.

 

Wie habt ihr Euch kennengelernt?

Malte: Wir kannten uns zum großen Teil nicht. Ich bin im Weyher Freibad in einem T-Shirt einer sehr unbekannten Ska-Band rumgelaufen. Dann kam Sören, unser Orgelspieler, mit einem Roller, der eindeutig dieser Szene zugehörig war, und wir sind ins Gespräch gekommen. Nach und nach haben wir uns Leute gesucht, die auch Bock auf diese Musik hatten.

Warum macht Ihr Ska-Musik?

Malte: Vorher war ich in einer Punkband, in der auch Bläser gespielt haben. Also war Ska nicht ganz neu für mich. Wir mögen die Musikrichtung, weil sie tanzbar ist und gleichzeitig einen politischen Anspruch hat. Unsere Musik hat sich aber schnell verändert und entwickelt.

Nils: Wir sind so viele unterschiedliche Leute mit verschiedenen Geschmäckern. Wir haben versucht, ein gesundes Mittelmaß zu finden. Deshalb ist es nicht nur bei Ska geblieben.

Haben Eure Texte einen politischen Hintergrund?

Malte: Ja, das ist uns wichtig. Als wir vom Ska etwas weg waren und Indie gemacht haben, war die politische Motivation eine unserer Hauptgedanken. Unsere Musik war gut hörbar und vom Inhalt her total politisch.

Wie wichtig ist es als Künstler, politisch Stellung zu beziehen?

Nils: Für jeden ist es wichtig, am politischen Geschehen teilzunehmen. Es ist natürlich schön, das in der Musik unterzubringen, aber das muss nicht zwingend sein.

Malte: Wenn man sich entschließt, Musik zu machen, und eine gewisse Öffentlichkeit hat, sollte man für sich nicht nur als Künstler, sondern auch als Mensch, Stellung beziehen. Das finde ich wichtig. Wenn man sich als Künstler entschließt, das in den Texten unterzubringen, ist es umso besser.

Was war der Grund für Eure Reunion?

Malte: Es hat einfach gepasst. Außerdem kamen ein paar Zufälle zusammen. Letztes Jahr habe ich dem „Dynamite Magazin“, dem größten Rock’n’Roll-Magazin Deutschlands, ein Interview gegeben. Die wollten wissen, was der Sänger der Gruppe „Schwarz auf Weiss“ heute macht. Deswegen ist die Band gemeinsam Essen gegangen. Eine Wiedervereinigung gab es da aber noch nicht. Dazu kam es erst ein halbes Jahr später, als unsere Konzertagentur „Koopmann Concerts“ auf uns zugekommen ist und gefragt hat, ob wir auf dem Bremer „Nordlicht Festival“ auftreten wollen. Wir haben extra neue Songs geschrieben und alte Lieder neu arrangiert.

Worin unterscheidet sich „Schwarz auf Weiss“ heute im Gegensatz zu früher? 

Nils: Ein großer Unterschied ist, dass wir besser geworden sind.

Malte: Wir gehen vieles entspannter an, da wir wissen, dass keine große Karriere vor der Tür steht. Wir haben Lust, Musik zu machen, aber wir verzichten nicht mehr auf so viele Dinge. Früher sind wir wegen Auftritten auf Festivals jahrelang nicht in den Sommerurlaub gefahren. Wir hatten die Regel: Außer bei Hochzeiten oder Beerdigungen muss jedes Konzert gespielt werden. Das ist heute natürlich anders. Früher waren wir immer mit acht oder neun Leuten unterwegs. Das ist schwer zu koordinieren. Deshalb finde ich es erstaunlich, wie lange wir in der Konstellation Musik gemacht haben.

Nils: Wir sind Freunde, Proben sind wie Familientreffen. Das macht unsere Band auch so schön. Wir sind größer als die Musik.

Malte: Aus der Band heraus ist viel entstanden. Viele von uns arbeiten zusammen, einige haben über „Schwarz auf Weiss“ ihre Frauen kennengelernt. Unser ehemaliger Saxofonist, der nach Neuseeland ausgewandert ist, hat seine jetzige Frau und Mutter seines Sohnes auf einem Konzert in Elmshorn getroffen.

Nils: Tatsächlich waren wir kurz vor meinem Abitur viel unterwegs und ich habe es geschafft, im Tourbus dafür zu lernen. Wenn man dort Ruhe haben will, muss man sich auf den Fußboden setzen (lacht).

Was ist Euch besonders in Erinnerung geblieben? 

Malte: Wir haben am Chiemsee mal vor „Seeed“ gespielt. Als wir von der Bühne kamen, haben sie da schon gestanden und die Melodie unseres letzten Songs weitergesungen. Das war eine witzige Geschichte. Wir hatten Kontakt zu fast allen bekannten deutschen Bands. Die einzigen, mit denen wir nie was zu tun hatten, waren „Die Ärzte“. Im März haben wir dann Bela B. beim „Nordlicht Festival“ in Bremen getroffen. Das war eine schöne Begegnung.

Nils: Als Malte und ich zusammen gewohnt haben und er die Konzertagentur „Kogge Pop“ betrieben hat, hat er unsere Wohnung zum Hotel umfunktioniert. Daher haben oft Bands bei uns übernachtet. Wenn man zu spät nach Hause kam, konnte es passieren, dass das eigene Bett belegt war.

Malte: Ich habe oft bei meiner Freundin gepennt (lacht). Dann durften die Jungs sich um die Betten streiten. Das kam durchaus häufiger vor. Wir haben zum Glück damals ein Gästebuch geführt. Das ist heute eine schöne Erinnerung.

Nils: Ich verstehe mich sehr gut mit dem Schlagzeuger der „Toten Hosen“. Jedes Mal wenn die in Bremen spielen, ruft er an und fragt, ob wir vorbeikommen möchten. Das ist eine tolle Sache und macht einfach Spaß. Wir haben sogar in Weyhe schon den ein oder anderen Abend zusammen verbracht.

Stimmt es, dass „Kettcar“ mal eine Vorband von Euch war? 

Malte: Ja, bei einer Show im Bremer „Schlachthof“. Wir haben uns „Kettcar“ sogar als Vorband gewünscht.

Nils: Wir haben einmal im Jahr im „Schlachthof“ gespielt. Malte und ich haben damals zusammen gewohnt und das erste Album von „Kettcar“ war frisch veröffentlicht und lief immer in unserer WG. Da haben wir gedacht, das wäre doch mal eine vernünftige, richtig gute Vorband.

Wie lassen sich Beruf, Familie und Musik in Einklang bringen?

Nils: Das klappt ganz gut. Viele Kinder von unseren Jungs habe ich sogar auf den letzten Konzerten gesehen.

Malte: Mein Neffe hatte neulich seine erste Schlagzeugstunde bei Nils. So entstehen neue, tolle Geschichen. Witzig ist, dass viele von uns für Bandproben einfach nur eine Stunde länger auf der Arbeit bleiben.

Habt Ihr viele neue Fans oder ist das Publikum ähnlich wie früher?

Nils: Obwohl unsere Pause etwas länger war und die Leute erst einmal mitbekommen mussten, dass es uns jetzt wieder gibt, haben wir viele neue Fans dazugewonnen. Ich habe sogar einige Personen getroffen, die uns früher nicht kannten, unsere Musik jetzt aber total gerne mögen.

Malte: Es gab auch den Effekt, dass Fans da waren, die die Band von ihren Geschwistern kannten, damals aber zwölf oder 13 waren und noch nicht zu den Konzerten durften. Jetzt sind diese Leute 19 oder 20 Jahre alt und können die Chance nutzen, uns live zu sehen

Welche Ziele wollt Ihr in Zukunft als Band verfolgen?

Malte: Ich habe definitiv noch ein Ziel. Denn aus meiner Sicht haben wir früher viel zu wenig auf Open-Air-Festivals gespielt. Das sollten wir bald mal nachholen.

Nils: Ich mache einfach Musik, weil es mir Freude bereitet. Das sollte auch der Hauptantrieb sein, nicht der Gedanke an mögliche Erfolge. Denn gut sein, kann man nur, wenn man die Musik spielt, die einem Spaß macht.

Wird es ein viertes Studioalbum geben?

Malte: Wir schreiben neue Songs, aber konkrete Pläne gibt es noch nicht.

Wie ist es, als „Berühmtheit“ in der Region zu leben?

Nils: Weyhe und Bremen sind so überschaubar, wie ein großes Wohnzimmer. Viele machen etwas mit Musik oder Kunst, oder haben eine Kneipe. Ich glaube, man fällt da gar nicht so auf. Es ist eher ein Austausch zwischen den Menschen.

Malte: Wir waren viel im Viertel unterwegs, in den Kreisen, in denen wir uns aufgehalten haben, hatte jeder etwas mit Musik zu tun. Wir waren jahrelang an den Wochenenden fast nie zu Hause. Wenn man dann mal in Bremen war, hat man sich eher gegenseitig ein Update gegeben.

Was macht Ihr hauptberuflich? 

Nils: Ich bin Musiklehrer und betreibe zusammen mit unserem Gitarristen Harm seit zehn Jahren die Musikschule Rothaus. Wir haben zwei Häuser in Barrien und Kirchweyhe. Während des Studiums haben wir uns dafür entschieden, hauptberuflich Musiklehrer zu werden.

Malte: Während der Schulzeit und des Studiums war es kein Problem, Musik zu machen. Als wir aber alle angefangen haben, zu arbeiten, ist es schwieriger geworden. Da aber inzwischen alle etwas mit Musik machen, war es einfach, wieder zusammenzufinden. Ich bin Konzertveranstalter und Geschäftsführer von drei Kulturzentren in Bremen-Nord. Vorher hatte ich mit unserem Tourmanager eine eigene Konzertagentur. Fast alle unserer Jungs sind Musiklehrer. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht.

Probt Ihr noch regelmäßig? Oder seid Ihr nach mehr als 300 Auftritten so gut aufeinander abgestimmt, dass das nicht mehr nötig ist? 

Nils: Wir proben tatsächlich regelmäßig. Fast jeder hat beruflich etwas mit Musik zu tun. Ab einem gewissen Alter tut es ganz gut, wieder etwas Routine zu bekommen (lacht).

Malte: Einigen von uns gehört eine Musikschule, sie machen jeden Tag Musik und sind daher besser geworden, als sie es vorher jemals waren.

Warum freut Ihr Euch auf den Auftritt in Verden?

Malte: Das „Hallo Verden“-Festival wird von der Lebenshilfe organisiert. Bei der Veranstaltung am Samstag findet Inklusion auf eine ganz natürliche Art und Weise statt. Wenn das immer so ablaufen würde, hätte Deutschland damit viel weniger Probleme.

Nils: Musik verbindet die Menschen. Ich habe mal ein Projekt begleitet, bei dem behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen Musik gemacht haben. Das hat so unglaublich gut funktioniert, dass sie gute Freunde geworden sind. Mit Musik überwindet man sehr viele Hürden.

Malte: Dazu kommt noch, dass das Festival super professionell ist. Es ist nicht nur für einen guten Zweck, sondern auch toll organisiert. Deshalb würden wir uns freuen, wenn viele Zuschauer vorbeikommen würden.

Wenn Du mehr über die sieben Jungs von „Schwarz auf Weiss“ erfahren willst, schau doch einfach mal auf der Facebook-Seite der Band vorbei: www.facebook.com/schwarzaufweissbremen

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