Meine Meinung

Schluss mit Schule – endlich oder bloß nicht?

chili-Autorin Nadine Bultjer

Jeden Tag das Gleiche, jahrelang: Aufstehen, anziehen, frühstücken, Zähne putzen, zur Schule fahren. Da sitzt wir dann erst mal eine ganze Weile rum – mal fünf, mal zehn Stunden. Wenn wir nach Hause kommen, sind wir so kaputt, dass wir eine Weile auf dem Sofa chillen müssen. Bisschen Fernsehen gucken oder Musik hören, schnell noch irgendwas essen, dann geht’s an die Hausaufgaben. Fünf Tage die Woche, etwa 40 Wochen im Jahr. Und täglich grüßt das Murmeltier.

chili-Autorin Nadine Bultjer

- Von Nadine Bultjer -

Dazwischen gibt’s mal ein paar Wochen Ferien, zwei im Frühling, zwei im Herbst, zwei im Winter, sechs im Sommer und zwischendurch den ein oder anderen Feiertag.

Jedes Jahr das Gleiche. Wir gewöhnen uns schnell an diesen sich immer wiederholenden Ablauf und hinterfragen ihn nicht mehr.

Ich erinnere mich gut an die Zeit davor. Als ich noch in den Kindergarten ging, konnte ich es gar nicht abwarten, endlich in die Schule zu kommen. Ich hab mich SO auf die Einschulung gefreut!

Diese Euphorie blieb sogar noch eine Weile. Ich traf mich morgens mit meinen Freunden, wir gingen zusammen zur Schule. Alles war so aufregend und kam mir gar nicht vor wie ein immer gleicher Alltagstrott. Irgendwann kommt dann aber doch das Alter, in dem man einfach keine Lust mehr hat. Schule erscheint einem plötzlich gar nicht mehr spannend, und man wartet sehnsüchtig auf seinen Abschluss.

Und auch die Pausen verändern sich. Die Unbeschwertheit ist plötzlich weg. Vor ein paar Jahren haben wir noch wilde Spiele wie „Jungs- fangen-die-Mädchen“ und „Mädchen-fangen-die-Jungs“ gespielt und sind laut schreiend und lachend über den ganzen Schulhof gerannt. Heute sitzen wir den ganzen Tag nur noch rum – im Unterricht, in der Pause, eigentlich immer. Einige quatschen, andere machen Hausaufgaben, viele spielen am Handy rum. Die Pause ist nicht mehr das Highlight des Tages, sondern nur noch die Zeit zwischen den Unterrichtsstunden. Man wartet einfach darauf, dass sie vorbeigeht.

Aber mittlerweile macht sich ein anderes, sehr zwiespältiges Gefühl in mir breit. Ich gehe nur noch wenige Wochen richtig zur Schule. Danach werde ich für ein paar besondere Anlässe herkommen wie die Abiturprüfungen, die Entlassung und den Abiball – und dann war’s das.

Zwölf Jahre lang hab ich mir gewünscht, dass das „richtige Leben“ endlich mal beginnt, bin jeden Tag zur Schule gegangen, hab immer den gleichen Tagesablauf gehabt, und auf einmal – BÄM! – ist alles vorbei. Die Freunde, die ich täglich getroffen habe, beginnen eine Ausbildung, gehen studieren oder ins Ausland. Wenn ich daran denke, werde ich wehmütig. Gleichzeitig ist ja aber genau das auch der tolle Part an Abschlüssen: Man beendet eine Sache. Noch ein Mal richtig Leistungen bringen, und wenn die belohnt werden, beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt.

Ich zum Beispiel möchte in die USA. Und das ist doch ganz schön weit weg von meiner Familie und meinen Freunden. Einige Wege werden sich trennen – ein paar nach und nach, ein paar sofort und vielleicht sogar für immer. Das, was mir bisher immer eine gewisse Sicherheit gegeben hat, ist in wenigen Wochen alles komplett vorbei. Ein komisches Gefühl. Und trotzdem freue ich mich im Moment auf meinen Abschluss. Und auf alles, was danach noch kommen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Whisky-Tasting im Bayerischen Wald

Whisky-Tasting im Bayerischen Wald

Deutschland älteste Strandkorb-Manufaktur im Portrait

Deutschland älteste Strandkorb-Manufaktur im Portrait

Fotostrecke: Werder verliert deutlich gegen Frankfurt

Fotostrecke: Werder verliert deutlich gegen Frankfurt

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Unterwegs mit einem abgespeckten Slim-Bike

Meistgelesene Artikel

Zum Tod von Irm Hermann: Die anarchische Königin

Zum Tod von Irm Hermann: Die anarchische Königin

Kino in Corona-Zeiten: Möglich aber umstritten

Kino in Corona-Zeiten: Möglich aber umstritten

Kommentare