Heino covert – wen interessiert’s?

+
Heino (rechts) covert die Ärzte? Für unseren chili-Kolumnist Philipp ist das kein Problem.

Von Philipp Schockenhoff. Manchmal, wenn ich in meinem Auto sitze, dreh ich die Musik auf. Oft läuft dann das für mich beste Rammstein Lied aller Zeiten: „Sonne“ – allerdings die Cover-Version von einer Band namens „The Drachmen.“

Keine Sorge Rammsteinfans, ich schreibe das nicht, um Euch zu ärgern, ich will nur eins sagen: Ich mag Coverversionen. Besonders, wenn Künstler ihren eigenen Stil haben und einbringen. Soviel erst mal dazu.

Aber nicht oft schlagen Coverversionen solche Wellen wie letzte Woche. Und wieso? Weil Heino, der alte Kult-Volksmusiker, mit einer Kampfansage und einem neuen Album um die Ecke kommt – mit dem angeblich „verbotenen Album“. Es heißt „Mit freundlichen Grüßen“ und enthält nur Coverversionen von deutschen Künstlern – zum Beispiel von Die Ärzte, Rammstein, Oomph! und sogar Clueso.

Für alle, die grad noch kein Bild vor Augen haben. Heino hatte früher eine Menge Erfolg mit deutschsprachiger Musik. Die kennen heute vermutlich nur noch die Großeltern, aber sein Gesicht haben wir alle schon gesehen. Wasserstoffblonde Haare und immer eine Sonnenbrille auf – das ist Heino.

Wo ist jetzt aber überhaupt das Problem? Heino hat die Urheber offenbar gar nicht gefragt, ob er ihre Lieder singen darf. Muss er aber nicht: Es scheint nämlich eine Art Schlupfloch in der sonst so harten Copyrightgesetzgebung zu existieren, nach der man die Lieder, solange man Komposition und Text des Original-Songs nicht verändert, ruhig covern darf. Auch ohne Einwilligung seitens der Künstler, meine ich.

Die Geschichte machte trotzdem Schlagzeilen, mit Sätzen wie „Damit zeigt Heino es Künstlern, die jahrelang auf ihm rumgehackt haben.“ und „Das Album hat Jahre gebraucht, weil alle zu viel Angst davor hatten es rauszubringen“.

Und deshalb sitze ich jetzt hier, nachdem ich ein paar mal die Heinoversion von „Junge“ (Original von den „Die Ärzten“) gehört habe und frage mich: Pfff, was solls?

Mal davon abgesehen, dass die Heinoversion ganz nett ist, mit dem puren „Heinoswagger“, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich all diese Leute groß darüber aufregen, dass sie von Heino gecovert werden. Einige könnten es sogar ganz lustig empfinden.

Deshalb kommt mir der von wem auch immer angestachelte Krawall ein bisschen übertrieben vor. Aber ich bin trotzdem irgendwie gespannt, ob noch was passiert, im Thema „Heino gegen die Deutsche Musik“.

Vielleicht machen die Künstler aber auch das, was schon lange gemacht wird und für Heino vermutlich am schlimmsten ist. Ihn totschweigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Feuer bei Alga zerstört Werkstatt, Lager und Büro

Feuer bei Alga zerstört Werkstatt, Lager und Büro

Deutschland und Frankreich vermitteln im Ukraine-Konflikt

Deutschland und Frankreich vermitteln im Ukraine-Konflikt

Im winterlichen Porto holt der Sommer nur kurz Zigaretten

Im winterlichen Porto holt der Sommer nur kurz Zigaretten

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

Meistgelesene Artikel

Lauenbrücker Immobilienmakler mischt Internet mit Annonce für Hexenhäuschen auf

Lauenbrücker Immobilienmakler mischt Internet mit Annonce für Hexenhäuschen auf

Kommentare