Habt keine Angst um Eure Bademäntel... dieser Mann klaut nur Herzen

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Rea Garvey

Bremen - von Katrin Roßmann. Eiskalt. Draußen schneit und friert es wahnsinnig. Auf den Straßen geht’s nur im Schneckentempo vorwärts, immer wieder Blaulicht und Blechschäden. Die Fahrt dauert doppelt so lang. Und auf dem Weg vom Parkplatz zum Eingang des „Pier2“ in Bremen drohen Finger, Nase und Füße abzufrieren.

 Ja, bin ich denn irre, bei so einem Wetter überhaupt das Haus zu verlassen?! Nein, gar nicht – schließlich tourt gerade Rea Garvey durch Deutschland, und ich habe mich einfach schon viel zu lange auf diesen Abend in Bremen gefreut. Wegbleiben? Niemals!

Das Konzert ist seit einer Ewigkeit ausverkauft. Wie uns Rea später erzählt, war Bremen sogar die erste Stadt, für die es keine Karten mehr gab. Das Pier2 platzt aus allen Nähten.

Und drin ist es: Heiß. Wahnsinnig warm. Wahnsinnig voll. Als der sympathische Sänger die Bühne betritt, ist alles vergessen: Die Kälte draußen, die Hitze hier drinnen. Übrig bleibt nur: ein Glücksrausch. Es wird ein unvergesslicher Abend

Was ist das Tolle an Rea Garvey? Wie schafft er es, uns so zu verzaubern?

Sein Erfolgsrezept ist eigentlich ganz einfach: Rea Garvey wirkt wahnsinnig nett, ehrlich und authentisch. Da ist nichts aufgesetzt oder gespielt. Ich hab das Gefühl, da vorne steht ein Kerl, der seine Musik und seine Fans wirklich liebt, und für den es heute Abend nichts Schöneres geben könnte, als hier für uns seine Songs zu spielen.

Mit dabei sind natürlich seine Hits, die man aus dem Radio kennt, wie „Can’t Stand The Silence“, „Wild Love“ und Colour Me In“. Schon bei diesem Song ist deutlich, wie gut es Rea Garvey gelingt, seine Gefühle auf eine wunderbar leichte Weise zu beschreiben, ohne dabei kitschig zu wirken: „And you, you, you / You colour me in / Turn me round, when I’m wrong / You make me strong / (...) You’re the blue skies above / You’re so easy to love / You colour me in“...

Neben den bekannten Hits spielt er auch alle Stücke vom aktuellen Album. Die Melodien sind eingängig, der Rhythmus reißt einen mit, die meisten Songs haben Ohrwurmpotential.

Unterstützt wird Rea von einer Band, zu der auch seine Schwester gehört. Sie alle sorgen für einen lauten, rockigen Abend.

Für zwei Songs kommt als Überraschungsgast noch Stefanie Heinzmann auf die Bühne. Und die beiden klingen gut zusammen.

Mit seiner Schwester und Stefanie gemeinsam unterwegs zu sein, ist auch für Rea eine völlig neue Erfahrung: „Wir führen auf der Tour in letzter Zeit so viele Frauengespräche. Das ist... interessant“, sagt Rea und lacht.

Naja, für eine andere Meinung hätte er heute Abend auch nicht so viel Applaus gekriegt – das Publikum besteht zum größten Teil aus weiblichen Fans. Der Altersdurchschnitt liegt so ungefähr bei Mitte 30. Einer der wenigen Männer steht neben mir. Ein großer, kräftiger Kerl. Der begleitet bestimmt nur seine kleine, hübsche Freundin, um die singende Konkurrenz im Blick zu behalten, an deren Lippen sie verzaubert hängt, denke ich. Aber dann sehe ich, wie der Muskeltyp bei einem langsameren Lied seiner Freundin auf einmal seinen Arm zeigt. Ich schiele vorsichtig zur Seite und stelle fest: Er hat Gänsehaut. Und mir geht’s genauso.

„Es ist toll hier!“, findet Rea Garvey, heute morgen sei er durch Bremen gejoggt. Und danach ins Dampfbad gegangen. „Als ich wieder gehen wollte, wusste ich nicht mehr, wo ich meinen Bademantel hingelegt hatte Alle, die da lagen, sahen gleich aus. Also suchte ich alle Bademanteltaschen nach meinem Schlüssel ab.“ Als er sich umdrehte, stand eine entrüstete Gruppe älterer Damen und Herren um Rea Garvey herum, und „die hielten mich für einen Taschendieb.“ Er versuchte noch, alles zu erklären, aber eine der Damen schüttelte nur verständnislos den Kopf und meinte: „Diese Jugend von heute!“ Der Sänger lacht. Er wird dieses Jahr ja schon 40.

Und er ist voller Energie und Tatendrang. Ein neues Album ist schon in Arbeit.

Eine fette Zugabe gibt’s natürlich noch – zum Beispiel „I Am“, ein ruhigerer Song mit gefühlvollen Zeilen wie „I am the one who gave you words, when you had nothing to say / I am the one who pulled you close / You were pushing away / I am the one who picked you up and kept you close by my side / I am the one who holds you and gives you everything / I am“.

In seinen Songs geht’s oft um die Liebe. Mal macht sie glücklich und ist das Beste überhaupt. Mal macht sie unglücklich und tut weh.

So wie der Moment, als nach diesem fantastischen Abend die Lichter wieder angehen und wir aus dem „Pier2“ in die Kälte treten. Warum gehen die schönen Momente im Leben nur immer so schnell vorbei?

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