Rapper „Reason“: „Ich möchte ein Vorbild sein“

+
„Jalil“ alias „Reason“ im Interview.

Vor gut einem Jahr hat der Rapper „Reason“ („Weiße Jungs bringen’s nicht“) seinen Rückzug aus dem Showgeschäft bekannt gegeben. Jetzt ist der 24-jährige Vater eines Sohnes wieder da – als „Jalil“ feiert er sein Comeback.

„Jalil“, wie geht’s Dir?

Danke der Nachfrage, mir geht’s sehr gut. Ich habe gerade meine neue EP abgegeben, und das Label „Wolfpack Entertainment“ ist davon begeistert. Das Cover ist auch schon fertig, die erste Single wird bereits am 6. Januar releast. Das Album kommt dann am 20. Januar.

Was dürfen wir von der EP erwarten?

Es wird überwiegend ein komplett neuer Style sein, anders als das, was man bereits von mir kennt. Zwar habe ich auch etwas den alten „Reason“ mit eingebracht, aber hauptsächlich doch eher ein neues Gebiet.

Was heißt denn „neues Gebiet“?

Ich hab musikalisch das gemacht, was mir Spaß macht. Etwas, was man auch in zehn Jahren noch hören kann. Der Style ist ziemlich locker, und die Texte sind von privater Seite. Es ist auch mal was Straßenmäßiges dabei, aber alles basiert auf einer Idee: „Alles, was man macht, hat immer ein Ziel. Man kann sich selber unterstützen. Im Endeffekt ist man niemals alleine, denn man ist für sich selber da!“ Für mich ist die EP ein erster Schritt, bevor ich weitermache. Ich sehe den Sinn in der Musik und muss mich nicht mit anderen messen. Man sollte sich selber damit wohlfühlen.

Das klingt nach einem ganz neuen „Jalil“...

Genau, ich möchte ein Vorbild für die Jugend sein. Ich habe selber sehr viel Scheiße gemacht. Ich will davor warnen, dass andere den gleichen Fehler machen. Mein alter Lebensstil war einfach schlecht und falsch. Viele Dinge habe ich nur aus Verzweiflung gemacht. Ich bin heute lieber ein Vorbild als jemand, der die Jugend auch noch dazu animiert, etwas zu klauen oder sonstige Straftaten zu begehen.

Du bist ja beim Plattenlabel „Wolfpack Entertainment“ gesignt. „D- Bo“, ein ehemaliger Rapper und Mitgründer von „Bushidos“ Label „ersguterjunge“, ist dort quasi Dein Chef. Welche Rolle spielt er bei Deinem Projekt?

„D-Bo“ ist ein toller Typ. Mit ihm macht die Zusammenarbeit richtig Spaß. Er bringt das Ding raus und überwacht mein Projekt. Er pfuscht mir nicht in die Arbeit, sondern lässt mir die Freiheit, mich zu entfalten. Wenn etwas nicht klappt oder ich Fragen habe, kann ich mich bei ihm melden. Er ist eine Anlaufstelle für Dinge aller Art. Wie ein Kumpel halt sein sollte.

Erst hast Du Dich aus dem Showgeschäft zurückgezogen, jetzt willst Du doch wieder angreifen. Wie kam es dazu?

Es ist ein Jahr her, dass ich mich zurückgezogen habe. Eine sehr schwierige Zeit war das. Sowohl privat als auch musikmäßig. Ich hatte mit „Fler“ Streit, und mein Sohn sowie meine Mutter waren krank. Ich musste einfach für sie da sein, alles andere wäre falsch gewesen. Der Rapper „B-Lash“ hat mich dazu bewegt, jetzt wieder der Musik nachzugehen. Erst habe ich wieder angefangen, Texte zu schreiben und dann auch wieder gerappt. Mittlerweile sehe ich es als den richtigen Weg an. Meine Leidenschaft ist die Musik, wenn ich damit nicht wieder angefangen hätte, wüsste ich selber nicht, was ich jetzt machen sollte.

Früher hast Du mit „Fler“ zusammen gerappt. Wie ist heute Dein Kontakt zu ihm?

Wir haben fast keinen Kontakt mehr. Ab und an schreiben wir aber mal über „Twitter“ – wir haben einfach zuviel zusammen durchgemacht, um den Kontakt komplett abzubrechen. Wir waren viel gemeinsam unterwegs, haben zusammen Tracks aufgenommen. Es ist kein böses Blut zwischen uns. Wir freuen uns füreinander und gratulieren uns zu unseren Neuerscheinungen. Aber ich habe einfach in die Mentalität von „Südberlin Maskulin“ (ein Studioalbum von „Fler“ und „Godsilla“, Anmerkung der Redaktion) nicht reingepasst!

Hast Du noch Kontakt zu anderen Rappern?

Gelegentlich ja, aber meistens nur über das Internet. Zum Beispiel habe ich ab und an Kontakt mit „Nyze“. Mit „Bushido“ hatte ich neulich auch ein paar Mal Kontakt. Es kommt auch öfter vor, dass mich Leute nach Features fragen. In erster Linie fühle ich mich dann geehrt, und wenn die Menschen cool sind und ich sehe, dass sie was drauf haben, dann melde ich mich auch bei ihnen.

Was denkst Du über den aktuellen deutschen Hip-Hop?

Man sieht, dass sich der deutsche Hip-Hop gut entwickelt. Die Rapper werden erwachsen. Man wird halt mit der Zeit älter, und das zeigt ein Großteil der Künstler auch. Außerdem ist der Hip-Hop in gewisser Weise cooler geworden. Es macht mir richtig Spaß, die neuen Sachen zu hören. Wenn man sie dann mal mit den alten vergleicht, fällt einem sofort auf, dass die Rapper sich selber neu erfinden. Sie probieren neue Styles aus, und das finde ich cool. Der deutsche Hip-Hop entwickelt sich sehr, sehr positiv.

Zurück zu Dir. Wirst Du mit dem neuen Album auf Tour gehen?

Das weiß ich noch nicht genau. Ich muss erst mal die Resonanz abwarten. Dann kommt es auch auf „Wolfpack“ an. Wenn sie mir grünes Licht geben, wäre ich der Letzte, der sagt, dass er nicht auf Tour gehen wird. Was ich auch ganz cool fände, wäre eine Club-Unplugged- Tour. Vielleicht ergibt sich ja etwas mit „D-Bo“, „Bizzy“, allgemein mit den Leuten von „Wolfpack Entertainment“. Aber schauen wir erst mal, was sich da im Entwicklungsprozess tut.

Benni Wellmann (22 Jahre) aus Barrien

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mit Gnabry-Gala zu Platz eins - Kantersieg gegen Nordirland

Mit Gnabry-Gala zu Platz eins - Kantersieg gegen Nordirland

Großrazzia gegen illegale Geldtransfers ins Ausland

Großrazzia gegen illegale Geldtransfers ins Ausland

In Neuseeland: Nasenkuss für Charles und Camilla

In Neuseeland: Nasenkuss für Charles und Camilla

Erbitterter Streit: Politik für "Anti-Windkraft-Taliban"?

Erbitterter Streit: Politik für "Anti-Windkraft-Taliban"?

Meistgelesene Artikel

Kinderwunsch ist keine Pflichtveranstaltung

Kinderwunsch ist keine Pflichtveranstaltung

Nie mehr aktuelle Nachrichten verpassen mit Push-Nachrichten von kreiszeitung.de

Nie mehr aktuelle Nachrichten verpassen mit Push-Nachrichten von kreiszeitung.de

„Morgen sind wir frei“ im Kino: Die iranische Revolution frisst ihre Jünger

„Morgen sind wir frei“ im Kino: Die iranische Revolution frisst ihre Jünger

„A Dog Called Money“ mit PJ Harvey: Reise an Orte, an die das Leben zurückkehrt

„A Dog Called Money“ mit PJ Harvey: Reise an Orte, an die das Leben zurückkehrt

Kommentare