Meine Meinung

Unpolitische Jugend oder unjugendliche Politik?

„Die Jugend von heute...“ Wenn ein Satz schon so beginnt, ist klar: Jetzt folgt nix Gutes über unsere Generation. Es sind meist ältere Menschen, die so reden – und als nächstes beschweren sie sich drüber, wie faul wir heute alle sind. Oder wie unhöflich. Wie laut und unverschämt. Oder einfach nur dumm und ungebildet.

Eine Sache, über die sich allerdings nicht nur ältere Leute beschweren, ist das vermeintliche Desinteresse von Jugendlichen an Politik. Dass keiner von uns sich auskennt. Dass niemand sich mehr engagiert. Dass wir noch nicht mal eine eigene Meinung haben. Das bemängeln nicht nur Rentner, Politiker, Eltern und Lehrer, sondern auch viele aus unserer Generation selber.

Vorausgesetzt, das stimmt, bin ich aber der Meinung, dass es falsch ist, auf so einen Zustand mit pausenlosem Genörgel und vernichtender Kritik zu reagieren. Man sollte sich lieber mal fragen, warum das so ist. Und vor allem, wie man auf die Problematik reagieren kann. Eine Gelegenheit, wo man als Erwachsener, der Teenagern ein Interesse vermitteln möchte, ansetzen könnte, ist der Politikunterricht. Für viele Schüler ist das bisher nur ein Nebenfach, eine Pflichtübung, ein überflüssiges „Laber-Fach“.

Kann man an dieser Wahrnehmung nicht was ändern? Politik zum Pflichtfach machen zum Beispiel? Sicher sind Mathe, Deutsch und Englisch für die allgemeine Bildung entscheidend. Aber Politik doch auch.

Was es wirklich braucht, ist kein Unterricht, bei dem die Schüler politische Begriffe, Definitionen und demokratische Grundbegriffe pauken müssen und nebenbei noch etwas diskutieren sollen. Lehrer sollten diesen trockenen Stoff durch lebendige, aktuelle Themen ersetzen und mehr vermitteln, dass man mit Politik sehr viel erreichen kann – vor allem in der Gruppe, aber auch als Einzelner. Es muss aufgezeigt werden, wie wichtig Meinungsbildung und das Erlernen von Diskussionskultur ist.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich viele junge Menschen für Politik interessieren würden, wenn in der Öffentlichkeit nicht mehr nur das Bild von unverständlichen Gesetzestexten und gestikulierenden älteren Herrschaften, die viel Wirbel um Nichtigkeiten machen, gezeichnet werden würde. Wenn uns mehr Beispiele gezeigt werden könnten, in denen klar wird, dass Politik uns alle betrifft.

Es ist nämlich nicht so, dass sich Jugendliche nicht für Politik an sich interessieren. Sondern eher, dass sie sich einfach nicht angesprochen fühlen. Dass Politik für uns zu kompliziert gemacht wird. Und wir nicht glauben, dass wir selbst was bewegen können.

Und allen Gleichaltrigen rate ich: Wenn der Politikunterricht bei Euch gar nicht interessant ist, nutzt andere Möglichkeiten, Euch zu informieren. Nur so könnt ihr Euch eine eigene Meinung bilden, und die ist sehr wichtig!

Tobias Kortas (22 Jahre) aus Weyhe

Rubriklistenbild: © Mediengruppe Kreiszeitung

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Baerbock und Habeck erneut an die Spitze der Grünen gewählt

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Jugendliche gestalten Volkstrauertag in Verden

Meistgelesene Artikel

Nie mehr aktuelle Nachrichten verpassen mit Push-Nachrichten von kreiszeitung.de

Nie mehr aktuelle Nachrichten verpassen mit Push-Nachrichten von kreiszeitung.de

Feuerwehrmann wird gefeuert - wegen einer Melone

Feuerwehrmann wird gefeuert - wegen einer Melone

Kinderwunsch ist keine Pflichtveranstaltung

Kinderwunsch ist keine Pflichtveranstaltung

„Kann deine Sprachnachricht nicht abhören“ – *bekommt Sprachnachricht*

„Kann deine Sprachnachricht nicht abhören“ – *bekommt Sprachnachricht*

Kommentare