Ein Interview mit Martin "Fly" Fliegenschmidt von der Band "Parka"

„Wir sind auch das, was wir verlieren“

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Morgen ist es endlich soweit: Das "Hallo Verden"-Festival der Lebenshilfe geht über die Bühne. Mit dabei ist auch die Band "Parka".

Parka – bei diesem Wort denken viele an einen knielangen, gefütterten Anorak und nicht an eine Band. Doch genau diesen Namen haben Martin „Fly“ Fliegenschmidt, Gianni Dedola  und Raphael Sbrzesny ihrer Indie-Rock-Gruppe gegeben. Chili-Mitarbeiter Marcel Kloth traf Fly zum Interview.

Ihr macht seit 2006 gemeinsam Musik. Wie habt Ihr zusammengefunden?

Fly: „Wir haben uns in Hamburg kennengelernt. Das ist konfus, da wir inzwischen in Berlin, Duisburg und Köln wohnen und keiner von uns jemals in der Hansestadt gelebt hat. Wir haben alle an einem Popkurs der Hochschule für Musik und Theater teilgenommen. Da haben wir uns getroffen und uns überlegt, eine Band zu gründen.“

Wo spielt Ihr lieber: In Clubs oder auf Festivals?

Fly: „Beides hat etwas für sich, deshalb ist das schwer zu vergleichen. Open-Air-Festivals an einem warmen Sommerabend können supercool sein. Auf der anderen Seite hat eine Clubtour in kleinen und vollen Läden auch etwas Schönes.“

Was steckt hinter Eurem Albumtitel „Wir sind auch das, was wir verlieren“? 

Fly: „Es gibt einen Song auf dem Album, der heißt ,Was wir verlieren’. In diesem Stück kommt die Zeile vor, die zum Albumtitel geworden ist. Sie bedeutet, dass wir im Leben viele Dinge verlieren, oder uns Dinge genommen werden. Damit meine ich natürlich weniger Hausschlüssel und Handys, sondern immaterielle Dinge wie unsere Selbstbilder, unsere Träume und Vorstellungen. Menschen, Visionen oder eine vorbeigehende Phase im Leben sind gemeint. Wir verlieren fortlaufend in unserem Leben, aber das ist nicht so negativ, wie es klingt. Denn diese Dinge machen uns zu der Person, die wir sind. Die Erfahrungen von Verlusten prägen uns, sie bringen uns weiter. Wir tragen diese Dinge in uns, daher sind wir auch das, was wir verloren haben.“

Worum geht es in Euren Liedern?

Fly: „Unsere Songs sind sehr verschieden und komplex in den Themen. Im aktuellen Album zieht sich der Gedanke ,Was wir verlieren’ wie ein roter Faden durch die Texte. Im ersten Album ging es mehr um einen Ausbruch aus der bestehenden Situation. ,Weg von hier, wo soll ich hin mit meiner Energie?’ war ein Hauptthema unseres Debütalbums ,Raus’. Bis zum zweiten Album haben wir viel erlebt und natürlich haben sich auch viele Dinge verändert. Um diesen Prozess geht es in vielen unserer Songs. Sie handeln aber auch von gescheiterten Beziehungen. Ein Song heißt ,Zu Hause’. Die Zeile am Ende des Refrains des Liedes lautet: ,Wenn man zur Hälfte immer da ist und zur Hälfte was vermisst.’ Es geht um eine Selbsterkenntnis, dass man scheinbar nie so ganz angekommen ist, dass ein Stück von uns immer rastlos ist. Dieser Zustand lässt sich aber akzeptieren.“

Woher nehmt Ihr Eure Ideen beim Songwriting?

Fly: „Unsere Songtexte sind ausschließlich aus dem eigenen Leben gegriffen. Wir schreiben die Musik zusammen, die Texte verfasse ich. Die anderen beiden Jungs sind meine ersten Lektoren, ihre Ideen berücksichtige ich natürlich auch. Die Texte sind alle sehr direkt und nah an unserem Leben. Manchmal geht es nicht nur um Dinge, die mir selbst widerfahren, sondern um Erfahrungen, die ich mit vielen Personen teile.“

Habt Ihr Vorbilder?

Fly: „Wir haben schon Bands, die wir alle drei sehr gut finden. Es gibt jetzt nicht ein oder zwei Gruppen, an denen wir uns sehr stark orientieren. Trotzdem können wir uns auf Bands einigen, die uns tatsächlich ein bisschen beeinflussen. Zuletzt waren das ,Biffy Clyro’ und ,The Editors’“.

Was wollt Ihr mit Eurer Musik erreichen?

Fly: „Wir machen Musik, weil wir große Lust dazu haben und es uns wichtig ist. Auch der Gedanke, möglichst viele Leute erreichen zu wollen, gehört immer mit dazu. Man will den gängigen Erfolgsmaßstäben entsprechen, ihnen aber gleichzeitig auch entkommen.“

Warum freut Ihr Euch auf das heutige „Hallo Verden"-Festival?

Fly: „Wir freuen uns auf jeden Auftritt und auf jedes Festival. Songs schreiben und Alben aufnehmen macht uns Spaß, aber live zu spielen, ist etwas ganz Besonderes, das man mit nichts vergleichen kann.“

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