Oase der Ruhe im Büro

Die Telefonzelle ist wieder da

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Framery, die Büro-Telefonzelle aus Finnland. Gibt’s für eine Person, oder auch für zwei.

Von Jörg Heinrich. Fernsprechkiosk – so nannte man 1881 die erste deutsche Telefonzelle, die in Berlin aufgestellt wurde. Über ein Jahrhundert lang waren die Telefonhäuschen nicht aus dem Ortsbild wegzudenken. 1997 standen in Deutschland noch 165.000 Telefonzellen, heute sind es nur mehr rund 20.000. Das Smartphone hat sie fast alle überflüssig gemacht. Doch ausgerechnet das Smartphone sorgt nun auch für das überraschende Comeback.

Denn die Telefonhäuschen sind wieder da – in ganz neuer Form, als Séparée und als Oase der Ruhe in Büros, Restaurants oder Cafés. Hintergrund ist einerseits der Siegeszug der Großraumbüros, in denen konzentriertes Arbeiten wegen der enormen Lautstärke oft kaum mehr möglich ist. Ihr Anteil in Deutschland liegt bereits bei rund 70 Prozent. Und das, obwohl britische Psychologen herausgefunden haben, dass schon ein einziges unfreiwillig mitgehörtes lautes Gespräch die Arbeitsleistung um bis zu zwei Drittel senken kann.

Framery, die Büro-Telefonzelle aus Finnland. Gibt’s für eine Person, oder auch für zwei.

Zweiter Grund fürs Comeback ist das allgegenwärtige Schnattern im Smartphone-Zeitalter. Egal ob im Zug, im Restaurant, im Büro oder im Wartezimmer des Arztes – überall sind die Menschen gezwungen, sich Gespräche anzuhören, die sie nicht interessieren. Der ausbleibende Zyklus der besten Freundin, der Streit in der WG ums Abwaschen oder die Mieterhöhung von Tante Ursula sind der Soundtrack unseres Lebens, ob wir wollen oder nicht. Und so bieten immer Firmen neuartige Telefonzellen fürs Büro oder fürs Café an, in die sich Menschen zurückziehen können, die Ruhe suchen, die ungestört telefonieren wollen – oder die andere beim Telefonieren nicht stören möchten. 

Die schönsten und teuersten Modelle (ab etwa 10.000 Euro) kommen von der finnischen Firma Framery, die mit Slogans wie „Willkommen in der Privatsphäre“ oder „Ruhe bringt große Gedanken hervor“ wirbt. Chefdesigner Samu Hällfors schwärmt: „Stellen Sie sich vor, dass Sie sich endlich wieder auf die Dinge konzentrieren können, die Sie erreichen wollen.“ Ein Telefon ist in diesen Kabinen, die es mit hochwertigen Möbeln auch für zwei Personen gibt, nicht mehr eingebaut. Dafür aber Lärmisolierung, Steckdosen, angenehmes LED-Licht und leise säuselnde Belüftung. Die US-Firmen Cubicall (ab 5.300 Euro) und Zenbooth (ab 3.300 Euro) bieten ihre Zellen zumindest etwas günstiger an. 

Beim Konkurrenten Cubicall aus Kalifornien kosten die Zellen nur etwa die Hälfte.

Die hohen Preise verhindern den Siegeszug der Ruheinseln nicht, die weltweit in immer mehr Büros stehen, und die mittlerweile auch in Berliner In-Cafés zu sehen sind. Die Design-Agentur Habicht & Habicht aus Ratingen setzt bei ihrer Kabine ganz auf den Retro-Faktor. Sie baut alte gelbe Telefonhäuschen der Post in luxuriöse Wohlfühlinseln um. Darin hängt sogar ein Wählscheibentelefon aus Bakelit. Und ein LED-Lichtband signalisiert in rot oder grün, ob die Zelle frei ist. Meistens ist rot. Denn beispielsweise bei der Düsseldorfer Werbeagentur Dentsu Aegis ist die Kabine längst der beliebteste Raum. Denn sie ist zwar klein – aber so wunderbar ruhig.

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