Neue Entwicklungen auf dem Roboter-Markt

Übernehmen sie unsere Welt bald komplett?

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Die "ExoHand"

Es gibt sie in lustig („Bender“ in „Futurama“). Oder in tödlich („HAL 9000“ in „2001: Odyssee im Weltraum“). Einige geben nur Pieplaute von sich („R2-D2“), andere sprechen amerikanisches Englisch mit Ösi-Akzent („Terminator“). Roboter faszinieren, helfen und schaden uns. Und es werden immer mehr...

Roboter. An dem Thema hat sich die Popkultur in schier unendlicher Zahl abgearbeitet. Film, Literatur, Kunst, Wissenschaft – wir haben sie schon in allen Versionen kennengelernt. Wir haben kleine, große, fast unsichtbare und gigantische gesehen. In Menschenform, als eine Art Tier, als Blechkiste oder als irgendwas völlig anderes. Der Mensch liebt Roboter. Und wer will es ihm verargen? Kommt schon, Leute – jeder von uns hat doch schon mal davon geträumt, so eine Maschine zu besitzen! Als Kind sowieso. Und die Technik hat sich so krass weiterentwickelt, seit wir in der Grundschule über den silbernen Sprachcomputer auf zwei Beinen aus Vollplastik gestaunt haben, den Opa uns zum Geburtstag geschenkt hat. Höchste Zeit, mal zu gucken, was es in der Welt der künstlichen Intelligenz momentan so Neues gibt.

Wir haben unsere chili-Autoren Rike  und Philipp Schockenhoff  zum „Phaeno Roboterfestival“ nach Wolfsburg geschickt, um vom Fortschritt zu berichten. Und welche elektronischen Wesen unsere beiden Reporter dort am meisten in den Bann gezogen haben, das lest Ihr jetzt.

Was soll das?

Der „Care-O-Bot“ ist ein Service-Roboter, der Menschen „in ihrem häuslichen Umfeld“ hilft.

Was kann das?

Der "Care-O-Bot" ist die Pflegekraft der Zukunft.

Der elektronische Assistent kann Befehle empfangen und sie größtenteils umsetzen. Er hat einen beweglichen Arm, den er als eine Art Tablett nutzen kann. Er kann zum Beispiel in die Küche rollen, Chips holen, sie Dir zum Fernseher bringen und anreichen. Aber natürlich wurde er nicht für faule Teenager erfunden, sondern für Leute, die echt Hilfe brauchen. „Care-O-Bot“ ist auf Rollen unterwegs und kann laut Hersteller sogar Türen öffnen. Außerdem soll er erkennen können, ob ein Mensch am Boden liegt und ärztliche Hilfe braucht. Dann baut er automatisch eine Verbindung und einen Videochat mit einem Krankenhaus oder Pflegedienst auf.

Was ist an dieser Erfindung großartig? 

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Alte Leute leben heute länger als alte Leute früher. Und sie wollen so lang es geht ihre Unabhängigkeit behalten. Pflegekräfte für zu Hause sind aber nicht immer organisier- oder bezahlbar. Und auch nicht von jedem gewollt. Die Vorstellung, eine Maschine zu nutzen, die einem die Tabletten bringt, fällt vielen von uns leichter als die Sorge, einem Menschen zur Last zu fallen oder ihn sogar rumzukommandieren. Auch für Angehörige ist es beruhigend, die Sicherheit zu haben, dass Oma nicht stürzt und hilflos rumliegt, bis der Pflegedienst sie morgens findet. Sondern dass jemand oder ETWAS permanent da ist und im Notfall Hilfe rufen kann.

Roboterfestival in Wolfsburg

Roboterfestival in Wolfsburg

Welche Störung gibt’s im System?

Naja... Der „Care-O-Bot“ sieht aus wie aus einem Sci-Fi-Film. Da spielen sich im Kopf sofort Szenen ab, in denen kalte, künstliche Maschinen durch die Gänge eines Hauses gleiten, fehlprogrammiert ihre Roboterarme heben und ahnungslos Schlafende erwürgen. Spaß beiseite: Dieser Bursche ist er eine komplett gute, sinnvolle Erfindung.

Braucht die Welt sowas?

Ganz klares Ja. Diese Erfindung ist wirklich wichtig und nützlich. Sie wird sich durchsetzen. Wir sind nicht mehr weit vom Roboter- Butler und -Krankenpfleger entfernt, Leute! Und ich finde, wenn man sieht, wie sehr sich menschliche Pflegekräfte mit dieser harten Arbeit schinden, wie wenig Geld und Anerkennung sie aber dafür bekommen, dann ist das auch keine schlechte Entwicklung.

Name: „ExoHand“

Was soll das?

Die „ExoHand“ ist sowas wie das „eiskalte Händchen“ für alle handwerklichen Probleme des Lebens. Aber es ist kein autarker Roboter, der mit einer künstlichen Intelligenz alleine handelt, sondern sowas wie eine Verlängerung zu einem Menschen, der das Problem beheben kann, obwohl er an einem anderen Ort ist.

Was kann das? 

Per Handschuh ist man verbunden mit der Hand von jemandem, der Ahnung hat. Er macht die richtigen Griffe und Bewegungen vor, die der Roboterhandschuh dann exakt so nachmacht.

Was ist an dieser Erfindung großartig?

Die "ExoHand"

Dass man mit Hilfe dieses Handschuhs Fingerspitzengefühl in jede Gegend der Welt bringen kann und sogar darüber hinaus. Man muss nur eine Roboterhand an dem Ort des Geschehens haben – wo der Experte steckt, der die Aufgabe ausführt, ist egal. Das kann zum Beispiel nützlich sein für Bombenräumkommandos, für Unfälle mit radioaktivem Material oder auch einfach nur, wenn Papa in Neuguinea seinem Sohn in Deutschland helfen will, sein Fahrrad zu reparieren. Und auch für Entwicklungsländer könnte die „ExoHand“ hilfreich sein, weil man dort beispielsweise nur die einzelnen Bauteile beschaffen, aber keine teuren Facharbeiter einfliegen lassen müsste.

Welche Störung gibt’s im System?

Wenn es tatsächlich soweit käme, dass Handwerker irgendwann nicht mehr vor Ort sein müssen, würden viele Arbeitsplätze verloren gehen. (Andererseits würden möglicherweise neue entstehen, die diese Greifer reparieren.) Ich wüsste nur gerne: Wenn diese Roboterhand am anderen Ende der Welt nur ein paar Milimeter daneben langt und dadurch ein Gebäude einstürzt – wer kommt dann für den Schaden auf?

Braucht die Welt sowas?

In einigen Bereichen sicherlich – wenn es um Situationen oder Stoffe geht, die Menschen gefährden wie Minen oder Radioaktivität. Aber für die Allgemeinheit ist diese Erfindung nichts. Zu unpraktikabel, zu kompliziert und sicherlich auch zu teuer.

Name: Fußballroboter

Was soll das?

Was für eine Frage, in ein paar Wochen geht die Fußball-WM los! Es gibt Fußball-Schokolade, Fußball-Hüte – warum also nicht auch kickenden Roboter?

Was kann das?

Sich auf zwei Beinen bewegen, einen Ball erkennen, ihn ins Tor schießen, umfallen und sich selbst aufrichten.

Was ist an dieser Erfindung großartig?

Der "Fußballroboter" hat keine Probleme mit der Patellasehne.

Vielleicht wird Deutschland mit diesen Maschinen eher Weltmeister im Robosport als im Fußball? Dann sind wir nicht mehr weit entfernt von neuen, abgefahrenen Robotersportarten. Das könnte spannend und spaßig werden. Außerdem ist es immer cool zu sehen, wie sich was Humanoides bewegt – auch wenn’s aussieht wie ein bewegungsgestörter Dreijähriger.

Welche Störung gibt’s im System?

Ein „Kids Size“-Modell kostet ohne Arbeitszeit schon um die 6.000 Euro. Die wirklich großen Spielerroboter sind dazu noch anfällig für Schäden, wenn sie stürzen.

Braucht die Welt sowas?

Nein. Wir werden uns auch in 100 Jahren noch lieber echte Menschen angucken, die sich auch mal verletzen, foulen, anpöbeln, streiten und Fehler machen. Die Maschinen werden vielleicht eine große Nummer im Robotersport, aber die Masse wird sich für diese sehr spezielle Sparte nicht interessieren.

Name: „Paro“

Was soll das?

Der ein oder andere kennt „Paro“ aus Videos, in denen alte asiatische Leutchen diese kuscheltierartigen Roboter auf dem Schoß haben, sie streicheln und sich freuen. „Paro“ ist eine Entwicklung aus der Tiertherapie. Die Maschine ist verpackt in ein süßes Robben- Plüschkostüm und reagiert mit ihren Sensoren auf Berührung, Licht, Akustik, Bewegung und Temperatur.

Was kann das?

Fragen Sie nicht, was „Paro, die Betreuungsrobbe“ für Sie tun kann. Berühren Sie sein Kuschelfell und gucken in seine runden Knuffaugen – schon werden Sie sich fragen, was Sie für „Paro“ tun können.

Was ist an dieser Erfindung großartig? 

"Paro", die knuffige Betreuungsrobbe.

Sie ist vor allem für demenzkranke Patienten entwickelt worden, funktioniert aber auch bei einsamen, alten Menschen – ach, eigentlich bei jedem. Der Roboter soll eine Schnittstelle zwischen kranken Menschen und Therapeuten schaffen, weil er Gefühle wecken, Trost und Nähe spenden kann, wo Menschen es nicht mehr hinbekommen. Die süße, hilflose Robbe gibt dem Patienten das positive Gefühl, gebraucht zu werden. Und selbst wenn man weiß, dass „Paro“ kein echtes Tier ist – man ist gebannt von diesem Roboterwesen, das so entwaffnend niedlich aussieht und auf alles, was man tut, sympathisch reagiert. Du streichelst das Robbenbaby unterm Kinn, und es reckt den Kopf hoch, klimpert mit seinen großen Augen und schmiegt sich an Deinen Körper an. Wenn das nicht großartig ist, was denn dann?

Welche Störung gibt’s im System? 

Höchstens den Preis. Aber „Paro“ ist halt auch kein Haustierersatz oder nur ein Kuschelroboter zum Spaß Haben. Sein Sinn und Nutzen ist ein medizinischer. Und so wird es bei diesem Preis auch bleiben.

Braucht die Welt sowas?

Ja. Als gesunder Mensch – naja, eigentlich ja nicht... Aber guckt ihn Euch an. DOCH!!!!!

Name: „Helios“

Was soll das?

„Helios“ ist der Landwirt unter den Robotern. Ein Feldarbeiter.

Was kann das?

Felder abfahren, Hindernisse umkurven und überwinden, verschiedene Pflanzen erkennen.

Was ist an dieser Erfindung großartig?

"Helios", der fleißige Feldarbeiter.

Die automatische Bearbeitung riesiger Landflächen ist der nächste Schritt. Der Job des Landwirts verändert sich seit Jahrzehnten, vieles ist längst Computer- und Organisationsarbeit. Bei einem Betrieb, der wachsen und noch mehr produzieren muss, um heute zu bestehen, hat der Bauer bald keine Zeit mehr, selber rauszufahren. Es wäre eine große Hilfe, wenn er sich dem Tagesgeschäft im Betrieb widmen und die Maschinen losschicken kann.

Welche Störung gibt’s im System?

Nur große Betriebe, die sowieso schon besser dastehen, können sich sowas leisten. Noch ein Punkt auf der langen Liste von Entwicklungen, die es kleinen Betrieben immer schwerer machen, zu überleben. Außerdem würde die Nahrungsmittelgewinnung noch weiter automatisiert, was für uns Verbraucher schwerer nachzuvollziehen ist.

Braucht die Welt sowas?

Wenn es sich alle Landwirte leisten könnten: Ja. Weil das aber nie der Fall sein wird, würden die Roboter Großgrundbesitzern nur noch mehr Vorteil verschaffen und die kleinen Betriebe in noch kürzerer Zeit endgültig killen. Und das Ungleichgewicht, das dadurch entstehen würde, kann für niemanden gut sein.

Name: „Junior“

Was soll das?

„Junior“ ist ein selbstfahrendes Auto.

Was kann das?

Steuern und angeblich sogar einparken.

Was ist an dieser Erfindung großartig?

"Junior", das selbstfahrende und mitdenkende Auto.

Vermutlich kann man eine Menge Unfälle im Straßenverkehr vermeiden, wenn man den Faktor Mensch rausnimmt. „Junior“ ist es egal, ob Dein Chef scheiße ist, das System wird dadurch nicht zum aggressiven Drängler. Staus umfährt der Roboter automatisch und achtet sogar noch darauf, Energie zu sparen.

Welche Störung gibt’s im System?

Der Mensch, besonders der deutsche, steht auf sein Auto und lässt sich das Steuer ungern aus der Hand nehmen. Es wird also dauern, bis der Alltagsverkehr völlig automatisch läuft.

Braucht die Welt das?

Ja!

Name: iRobot

Was soll das?

Ein charmanter Fladen, der von selbst durch die Wohnung gleitet und diskret sauber macht.

Was kann das?

"iRobot", der diskrete Staubsaugerfladen

Man muss nur programmieren, wann „iRobot“ wo saugen soll, schon schwirrt er ab und beackert pro Arbeitsgang ein Gebiet von ungefähr 60 Quadratmetern. Er saugt Staub und Dreck weg und zieht sich, wenn alles sauber ist, wieder zurück.

Was ist an dieser Erfindung großartig?

Heutzutage hat jeder einen dermaßen vollgepackten, stressigen Alltag, dass es eine große Erleiterung wäre, wenn man so eine Hilfe für den Haushalt hätte. Eine Putzfrau kann oder will sich ja auch nicht jeder für solche Drecksarbeiten in seine Wohnung holen.

Welche Störung gibt’s im System?

Mal davon abgesehen, dass es bereits viele mittelmäßige bis schlechte Imitate auf dem Markt gibt, die nur schlecht saugen und damit den Vormarsch dieser Technologie in jeden Haushalt bremsen, fällt mir kein Makel ein.

Braucht die Welt sowas?

Klar! Staubsaugerroboter sind ja schon ein bisschen länger auf dem Markt, und im Grunde will doch jeder so einen haben.

Name: „RoboThespian“

Was soll das?

"RoboThespian", der Alleinunterhalter.

Der „Robo Thespian“ wurde als „Gastgeber des Roboterfestivals“ angekündigt, als „Schauspieler, Sänger, Charmeur – und was Sie ihn darüber hinaus noch sein lassen möchten“. Wuhuuuu!

Was kann das?

Im Grunde ist das Ding eine nett verpackte Auswahltafel, auf der man vorgegebene Dinge aktivieren kann, die der Roboter dann macht.

Was ist an dieser Erfindung großartig?

Dass es einfach ulkig aussieht, wenn Roboter Menschlichkeit imitieren. Gute Unterhaltung und ein Hingucker.

Welche Störung gibt’s im System? 

Der „RoboThespian“ ist keine Hilfe, sondern Entertainment. Ist ja auch okay. Es ist es eine Weile faszinierend, wenn er vorher einprogrammierte Handlungen abspielt, aber irgendwann wird’s langweilig.

Braucht die Welt sowas? 

Nein. Wofür? Das Leben ist ja leider keine Messe oder eine dreistündige Show.

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