„Ohne Sport wäre mir langweilig“

Neele Eckhardt (18) ist Deutsche Jugendmeisterin im Dreisprung – sie trainiert (fast) jeden Tag

Asendorf – Neele Eckhardt ist gerade mal 18 Jahre alt, aber schon ganz groß im Sportgeschäft. Ihre Disziplin: Dreisprung. Und da gehört sie in ihrer Altersklasse zur Weltspitze. Ich habe die Sportlerin des TSV Asendorf gefragt, wie sie zum Dreisprung gekommen ist, was für Erfolge sie schon erreicht hat und ob sie noch ohne Sport leben könnte.

Neele, was genau ist denn Dreisprung?

Hm, das ist schwer zu erklären... Man nimmt Anlauf wie beim Weitsprung. Allerdings ist das Absprungbrett beim Weitsprung direkt vor der Grube – beim Dreisprung ist es elf Meter davor. Es gibt drei Sprünge, die immer in dieser Reihenfolge durchgeführt werden. Erst kommt der Hop, da springt man mit dem linken Bein ab und landet auch wieder auf dem linken. Danach kommt der Step, da springt man mit einem Bein ab und landet auf dem anderen. Zuletzt kommt der Jump, da springt man mit dem Bein, auf dem man beim Step gelandet ist, in die Grube.

Wie bist Du zum Dreisprung gekommen?

Mit zehn Jahren habe ich mit Leichtathletik angefangen und bin mit 16 dann auf ein Sport-Internat in Hannover gegangen. Mein Trainer ist ein totaler Dreisprung-Fan und hat mich dazu gebracht. Das Ganze mache ich seit etwa zwei Jahren.

Was fasziniert Dich am Dreisprung?

Der Dreisprung ist technisch anspruchsvoller als der Weitsprung. Wenn man gut sein möchte, muss man vielseitig trainiert sein. Das gefällt mir.

Und wie oft trainierst Du, um gut zu sein?

Meistens trainiere ich sechs bis sieben Mal die Woche. Das Training ist sehr vielseitig. Man muss seine Schnelligkeit trainieren, auch Stabilität ist wichtig. Und Kraft braucht man, um gut abzuspringen.

 Was war Dein bisher größter Erfolg?

Letztes Jahr wurde ich achte bei der U20-Weltmeisterschaft und Deutsche Jugendmeisterin. Bei der WM bin ich 12,91 Meter gesprungen, und bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 12,78 Meter. Das waren die besten Plätze, die ich bisher erreicht habe.

Wie fühlt es sich an zu gewinnen?

Zu gewinnen ist schon ein schönes Gefühl, aber es gibt ja auch verschiedene Arten zu gewinnen. Bei der Deutschen Meisterschaft habe ich mit einem halben Meter Vorsprung gewonnen, das war ziemlich klar. Aber in Kanada, bei der Weltmeisterschaft, war es ziemlich überraschend: Ich war als 21. gemeldet, bin aber dann als Achte nach Hause gefahren. Das war ein tolles Gefühl. Wenn die Weite stimmt, dann ist es auch okay, nicht zu gewinnen.

Und was ist es für Dich für ein Gefühl zu verlieren?

Verlieren ist natürlich nicht so gut. Aber was ist schon verlieren beim Dreisprung? Man hat ja nicht, so wie zum Beispiel beim Tennis, einen direkten Gegner, gegen den man gewinnt oder verliert. Beim Dreisprung kann man gar nicht so direkt verlieren. Aber ich bin schon enttäuscht, wenn ich meine eigenen Erwartungen nicht erfülle.

Wie ist die Atmosphäre bei Wettkämpfen – gibt es Konkurrenzdenken oder eher ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Teilnehmern?

Das kommt ganz darauf an, wo man ist. Besonders stark ausgeprägt war das Konkurrenzdenken bei der WM in Kanada letztes Jahr. Man kannte sich ja gar nicht, und jeder wollte gewinnen. Bei der Landesmeisterschaft in Niedersachsen war auch Konkurrenzdenken zu spüren – ansonsten herrscht aber eher ein freundschaftliches Verhältnis, die meisten anderen Sportler kennt man ja auch.

Willst Du den Sport auch zu Deinem Beruf machen?

In Deutschland ist das schlecht möglich. Hier sind nicht so viele Leichtathletik-Interessierte, und dann findet man auch nur schwer Sponsoren. Außerdem würde mich Sport allein nicht zufriedenstellen. Ich möchte auch noch was anderes erreichen.

Könntest Du denn ohne Sport leben?

Bestimmt. Aber nur so für zwei bis drei Wochen. Länger nicht, dafür macht mir Sport viel zu viel Spaß. Aber so für zwei Wochen mal Zeit zu haben, um was mit Freunden zu unternehmen und Spaß zu haben, wäre auch mal schön. Ganz ohne Sport wäre mir aber ziemlich langweilig.

Du hast also auch mal keinen Bock aufs Training?

Durchaus. Am Wochenende, wenn ich nicht im Internat, sondern zu Hause bin, fällt es mir schwer zu trainieren. Ich habe oft keine Lust, zu irgendeinem Platz zu fahren, um Läufe und Sprünge zu üben. Mit allen Leuten und meinem Trainer zusammen in Hannover zu trainieren, fällt mir dagegen viel leichter.

Hast Du Angst vor Verletzungen?

Nein, an sich nicht. Angst habe ich nur vor dem Schmerz, der beim Verletzen entsteht. Aber jeder Sportler verletzt sich mal, damit muss man rechnen.

Hast Du Dich denn auch schon mal verletzt?

Ja, zurzeit habe ich das Patellaspitzen-Syndrom. Das haben viele Jungs im Alter von 14 Jahren im Wachstum. Bei mir könnte das vielleicht an Überanstrengung liegen, aber die Ursache ist noch nicht ganz klar. Ich habe das seit Oktober, aber trainieren kann ich trotzdem. Zwar nicht alles, aber zum Beispiel Sprint ist kein Problem für mich. Springen kann ich so allerdings nicht... Vorher hatte ich schon Verletzungen wie Bänderriss oder Muskelfaserriss.

Wie ernährst Du Dich?

Ich denke, ich ernähre mich gut und gesund. Aber eigentlich esse ich das, was ich möchte, nur nicht so viele Süßigkeiten. Einen strikten Ernährungsplan, an den ich mich halte oder halten muss, habe ich nicht.

Hast Du auch Zeit für andere Hobbys?

Zwischendurch schon. Ich trainiere zwei bis drei Stunden am Tag, dann habe ich mittags und abends noch etwas Zeit für andere Dinge.

Machst Du neben dem Dreisprung auch noch anderen Sport?

Nein. Ich habe mich damals zwischen Reiten und Leichtathletik entschieden, und der Dreisprung ist dabei rausgekommen. Ich hätte auch gar keine Zeit, noch anderen Sport zu betreiben.

Wie reagieren Jungs, wenn sie hören, was für einen Sport Du machst?

Die meisten reagieren genau wie Du und fragen erst mal nach, was Dreisprung überhaupt ist. Viele kennen das gar nicht. Aber meine Schule ist ja eine sportbetonte Schule, das heißt, etwa 25 Prozent der Schüler sind Sportler, da kommen dann eher mal Fragen wie: „Wie läuft’s?“ oder „Wann sind Deine nächsten Wettkämpfe?“. Ansonsten macht jeder sein eigenes Ding.

Nadine Bultjer (16 Jahre) aus Twistringen

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