Ist es naiv, anderen zu vertrauen?

Christiana Petri (16 Jahre) aus Wietzen

Egal, ob es bei Freunden ist, in der Liebe, wenn es um Geld oder Verträge geht – Momente, in denen man anderen sein Vertrauen schenken soll, sind schwierig. Manchmal ist es richtig, Menschen schnell zu vertrauen, manchmal ist es pure Naivität.

Klar, als unbeteiligter Zuschauer ist es im Nachhinein immer leicht, das Vertrauen eines anderen als dumm darzustellen. Aber wenn ich selbst es bin, deren Vertrauen missbraucht wurde, ist es schwerer, der Tatsache ins Auge zu sehen.

Ich zum Beispiel werde nie wieder was anderes als einen Zettel in einem Briefumschlag mit der Post verschicken. Denn ich habe vor ein paar Wochen einer ehemaligen Klassenkameradin meinen USB-Stick und Briefumschlag inklusive Briefmarke gegeben, damit sie die Bilder von unserem Abschluss darauf zieht und dann per Post wieder an mich schickt. Ein Fehler, denn der Briefumschlag kam aufgerissen und ohne USB-Stick wieder bei mir an. Gerade bei einem Unternehmen wie der Deutschen Post hätte ich mit sowas nicht gerechnet. Das habe ich immer für einen sicheren und seriösen Weg gehalten, um Dinge zu verschicken. Da habe ich drauf vertraut, dass „Sicherheit“, „Briefgeheimnis“ und „Privatsphäre“ noch garantiert sind. Wie’s aussieht – falsch gedacht.

Ich will jetzt niemandem was unterstellen, denn es könnte ja theoretisch auch sein, dass der Stick irgendwie unterwegs verloren gegangen ist. Aber trotzdem regt es mich auf. Denn für mich war die ganze Sache total ärgerlich: Ich musste in den nächsten Elektronikladen, einen neuen Stick kaufen, ihn wieder bei meiner ehemaligen Klassenkameradin abgeben und dann auch persönlich wieder abholen.

Aus der Geschichte habe ich gelernt: Ich werde nie wieder was mit der Post verschicken, was einen Wert hat, was ich dringend brauche oder auf das ich angewiesen bin.

Okay, wenn es um einen USB-Stick geht, der in der Post verloren geht, ist die Wut nach einiger Zeit vorüber. Aber was ist, wenn wir Personen vertrauen, die uns viel bedeuten? Die wir gut kennen oder kennenlernen wollen und uns vielleicht noch was erhoffen? Es gibt natürlich die Möglichkeit, dass sich unsere Hoffnung erfüllt und die Person gut mit uns und unserem Vertrauen umgeht. Aber man gibt dieser Person auch die Macht, mit unseren Gefühlen zu spielen und unser Vertrauen schäbig auszunutzen. Dann ist die Enttäuschung groß, und wir merken, dass wir naiv waren.

Auch Liebeskummer entsteht oft so. Es gibt dazu ein Filmzitat: „Verarscht er Dich ein Mal, sollte er sich schämen, verarscht er Dich nochmal – schäm Dich selbst!“ Denn auch wenn wir uns im ersten Moment einer schweren Enttäuschung fest vornehmen, einer geliebten Person nie wieder zu vertrauen, fallen viele von uns oft noch mal auf sie rein.

Ist Vertrauen also das Gleiche wie Naivität? Meiner Meinung nach: Nein. Vertrauen entsteht nicht einfach, Vertrauen verdient man sich. Deswegen ist es immer richtig, einer Person Vertrauen zu schenken, von der man glaubt, dass sie es verdient. Naivität ist es, wenn wir wiederholt auf jemanden bauen, der uns schon mal enttäuscht hat.

Trotzdem gehören Vertrauensbrüche im Leben dazu. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass wir selbst auch schon mal das Vertrauen eines anderen ausgenutzt haben – beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Man muss einfach lernen, damit umzugehen und wieder nach vorne zu sehen. Denn wie gesagt: Aus allem, was passiert, lernt man dazu.

Christiana Petri (16 Jahre) aus Wietzen

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