Pferdemädchen-Träume

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Erfolgreiches Duo: Nadine Husenbeth mit ihrem Pferd "Florida".

Es ist der Traum vieler Mädchen. Und sie träumt ihn nicht nur, sie lebt ihn: Nadine Husenbeth aus Sottrum ist auf einem Pferdehof aufgewachsen und reitet, seit sie laufen kann.

Von Rieke Klotz (22 Jahre) aus Kirchweyhe

Ihre Pferde grasen nur wenige Meter von ihrem Schlafzimmer entfernt, und aus ihrem Zimmer kann sie den Stall sehen. Mit nur 20 Jahren ist Nadine Deutsche Meisterin im Dressurreiten und trainiert gerade schon wieder für den nächsten großen Titel.

Die breite, lange Auffahrt zum Haus der Familie Husenbeth ist links und rechts mit Baumen und Sträuchern bewachsen. Inmitten von grünen Wiesen steht das Anwesen, und direkt neben der Hofauffahrt ist auch schon der Stall. „Klonk klonk klonk!“, hämmert es aus der Stallgasse. Der Hufschmied ist zu Besuch. „Normalerweise ist es so, dass man die Pferde zum Hufschmied fahren muss. Aber bei uns macht er eine Ausnahme. Es wäre umständlich, alle neun Pferde zum Schmied zu fahren, darum kommt er her. Das ist für alle leichter“, sagt Nadine, die gerade aus dem Stall kommt und mich begrüßt.

Sie sieht aber nicht aus wie ein typisches Pferde-Mädchen. „Gut, dass ich meinen rosa Pulli heute mal nicht anhabe“, meint Nadine und lacht. „Und auch die ,Wendy’ habe ich nie gelesen.“ Warum sollte man auch „Wendy“ lesen und den Pferden hinterher schwärmen, wenn man neun eigene vor der Tür stehen hat?

Nadine ist 20 und studiert BWL an der Uni Bremen, später will sie den Master in Wirtschaftspsychologie machen. Aber momentan arbeitet sie an einer anderen Karriere: Nadine trainiert für das Finale der U25-Auswahl im Dressurreiten. Sie könnte zwar auch noch bei den U21-Reitern starten, das ist ihr aber zu easy. Dass sie sich beim Finale von der allerbesten Seite zeigt, ist für Nadine in diesem Jahr besonders wichtig. Denn man bekommt keine Startgenehmigung für die Seniorenabteilung, wenn man nicht schon gute Leistungen vorzuweisen hat und in Reiterkreisen bekannt ist. Der Name Husenbeth ist im Reitsport allerdings kein unbekannter. Nadines Vater Klaus war einmal Welt-, zweimal Europameister und ist sogar schon bei Olympia geritten.

Jetzt ist ihr Papa ihr Trainer. „Klar fliegen da auch mal die Fetzen“, gibt Nadine zu. „Aber eigentlich verstehen mein Papa und ich uns prächtig.“ Klaus Husenbeth geht immer mit auf die Turniere seiner Tochter und freut sich mit ihr über die guten Platzierungen.

Die Pferde sind für Familie Husenbeth ein 24-Stunden Job. Aber im Moment klappt zeitlich alles ganz gut in Nadines Tagesablauf: Die Vorlesungen in der Uni sind nachmittags, so kann Nadine vormittags immer noch reiten. „Das mache ich am liebsten morgens um 7 Uhr. Abends ist man ja häufig angespannt nach einem vollen Tag.“ Und was ist mit anderen Hobbys außer reiten? „Theoretisch mache ich auch noch Karate“, erzählt Nadine, „aber seit einem halben Jahr war ich nicht mehr da. Das Karate-Training ist immer donnerstags, aber meistens fahre ich da schon zu Turnieren, die immer übers Wochenende gehen. Trotzdem bleibt Karate ein Hobby von mir. Das mache ich jetzt seit elf Jahren, ich habe den braunen Gurt. Es ist ein super Ausgleich zum Reiten und macht mega Spaß. Außerdem trainiert es mal andere Muskeln, als wenn man immer nur im Sattel sitzt.“

Trotzdem ist es oft schwer, alle Termine zu koordinieren – „manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mich dreiteilen muss. Für Spontanität ist leider kein Platz. Ich brauche immer drei Tage Vorlauf-Zeit, um alles zu planen. Uni-Mädels, Schulfreunde, Familie... Wenn jemand Freitagabend sagt: ,Lass uns mal morgen brunchen’, dann kann ich das direkt absagen. So kurzfristig schaffe ich das nicht.“

Um kein Burnout zu bekommen, nimmt sich die 20-Jährige auch immer mal wieder bewusst Zeit für sich selber. „Für mich ist Freizeit aber auch: Einfach im Stall zu sitzen. Mit der Pferde-Pflegerin zu plauschen. Mit einem Kaffee in der Hand und unsere Katze zu streicheln. Sowas.“

Stehen Jungs auf Pferdemädchen? Hat sie einen Freund? „Die Jungs meinen immer, ich hätte zu wenig Zeit. Grade am Wochenende bin ich natürlich auch immer weg. Der Sport ist bei mir ja schon eine Lebens-einstellung, mit der auch ein Freund erst mal klarkommen muss.“ Der Traumtyp müsste aber nicht zwangsläufig für sie anfangen zu reiten. Nadine lacht. Es würde ihr schon reichen, wenn er ihre Leidenschaft akzeptiert und sie beim ein oder anderen Turnier unterstützt. Denn „diesen Sport zu machen ist eine Sache, ihn aber besonders erfolgreich zu machen, eine andere. Das kann man nur, wenn das im Umfeld alle mittragen und einen unterstützen.“

Partys und wildes Studentenleben – gibt’s sowas auch mal in ihrem Leben? „Ich gehe schon gerne feiern“, sagt Nadine, „aber ich brauch nicht jedes Wochenende Ekstase und Alkohol. Aber ich finde immer irgendwie Zeit für meine Freundinnen.“ Und natürlich wird auch bei den Turnieren gefeiert. „Da ist oft abends Party, aber dann setze ich mir eine Deadline. Ich kann nicht voll fertig um drei Uhr ins Bett gehen und dann um sechs wieder aufstehen und Leistungen bringen. Das ist jetzt, wo ich angefangen habe, den Sport professionell zu machen, echt nicht mehr drin.“

Einmal war sie mit ihren Kommilitonen feiern und am nächsten Tag so müde, dass sie sich beim Reiten kaum konzentrieren konnte – „das mache ich nie wieder!“, hat sich die 20-Jährige da geschworen. Und sich konsequent dran gehalten.

In diesen Tagen hat Nadine sowieso nur eins im Kopf: Das große Finale. Dafür wird sie alles geben. Und danach hoffentlich einen doppelt guten Grund haben, mal wieder richtig zu feiern.

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