Moment mal: Von der Spiel- in die Raucher-Ecke

Rauchen mit 11 Jahren - muss das?

Bassum – Wie in jeder Pause stehen meine Freunde und ich in unserer Raucherecke – in der Oberstufe dürfen wir das – und teeren, abgesegnet von Eltern und Lehrern, unsere Lunge. Plötzlich tippt mich jemand an. Ich drehe mich um und muss meinen Kopf richtig senken, um das vor mir stehende Mädchen zu entdecken.

Erwartungsvoll schaut sie zu mir hoch, und das muss man erst mal hinkriegen, denn ich bin gerade mal 1,60 Meter groß. Aber sie ist auch erst höchstens elf Jahre alt. „Habt Ihr mal Feuer?“, fragt sie mich. Mir bleibt mein Zug wortwörtlich im Halse stecken. Ich tausche erschrockene Blicke mit meinen Freunden und muss erst mal lachen. Dann sehe ich die Zigarette in ihrer Hand.

Ich brauche nicht lange, um mir darüber klarzuwerden, was ICH im Alter von elf Jahren so am Tag geraucht habe: Nichts. Ich habe mit Barbies gespielt oder „Jungs kriegen Mädchen“ und fand den Geruch vom Bier meines Vaters so eklig, dass meine Eltern immer erst eins getrunken haben, wenn ich im Bettchen war. Und bisher dachte ich immer, das sei normal und würde jedem in dem Alter so ergehen. Obwohl man ja des Öfteren von Kindern hört, die sich mit 13 schon ins Koma trinken oder ihren ersten Joint rauchen – ich hielt solche Meldungen immer für überzogen und weit weg. „Sowas gibt’s doch eher in großen Städten und Problemvierteln!“ war meine Meinung.

Natürlich ist eine Zigarette kein Joint und auch kein leergepumpter Magen nach einer Alkoholvergiftung, aber mit solchen Kleinigkeiten fängt es doch meist an. Ich hätte auch nie gedacht, dass wir, also meine Freunde und ich, in der Schule eventuell sowas wie Vorbilder für die Nachfolge- Jugendlichen sein oder irgendeinen Einfluss auf die Jüngeren haben könnten.

Ich finde, man sollte Kinder so lange es geht Kind sein lassen. Aber durch Verbote von den Eltern wird der Reiz nur noch größer, und Bilder von schwarzen Lungen schrecken erfahrungsgemäß nicht wirklich ab. Gespräche auf Augenhöhe wirken sich vielleicht positiv aus. Und dass man sich selbst wie ein Vorbild benehmen muss. Wenn Eltern, größere Geschwister oder ältere Mitschüler, die man ständig sieht, selbst täglich ihr Lungenopfer bringen, ist es natürlich nicht verwunderlich, dass sich die Kleinen auch irgendwann eine Fluppe in den Mund stecken und mit dem Rauchen anfangen.

Am liebsten hätte ich dem Mädchen die Zigarette aus der Hand geschlagen. Denn dass man nach ein paar dieser Dinger schon in eine nervige (und teure) Abhängigkeit geraten kann, davon kann jeder Raucher ein Liedchen trällern. Und dafür, dass das einer Elfjährigen noch nicht passiert, haben nicht nur Eltern und Lehrer, sondern auch wir älteren Schüler eine Verantwortung.

Lea Remmers (18 Jahre) aus Bassum

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