Moment mal: Schlechte Werbung sorgt für schlechte Laune

Barrien – Das Knabberzeug steht bereit, der Fernseher läuft, es kann losgehen. Ich freu mich schon auf den Film. Die Geschichte beginnt geheimnisvoll – und Peng! Werbeunterbrechung. Der Film läuft kaum zehn Minuten, da kommen schon die ersten Spots – und das gleich fünf Minuten lang.

Eigentlich hab ich schon keine richtige Lust mehr. Die schlechte Reklame für Automarken und Waschpulver sorgt bei mir für schlechte Laune. Endlich geht’s weiter. Bald nähert sich die Story dem ersten Höhepunkt. Bumm! Zweite Werbepause. Einige Zuschauer dürften jetzt fluchen. Ich schalte um, vielleicht läuft woanders ja was Spannendes, womit ich die Zeit überbrücken kann. Tut es nicht. Scheinbar kommt bei allen Sendern um die gleiche Zeit die gleiche Werbung. Echt nervig. Endlich ist die Pause zu Ende. Der Film geht spannend weiter, das erste Opfer stirbt, und ich frage mich, wer der Täter war. Wie „praktisch“, dass gleich wieder Werbung kommt – da hab ich ja richtig viel Zeit, in meinen Gedanken Detektiv zu spielen...

Endlich nähern wir uns dem finalen Höhepunkt des Films. Die Polizei hat den Täter ermittelt, aber er ist rechtzeitig geflohen. Eine spannende Verfolgungsjagd beginnt. Der Film dauert nur noch knapp fünf Minuten, aber natürlich muss noch einmal Werbung kommen. Gerade kommt mir die Unterbrechung zum ersten Mal an diesem Abend gelegen: Ich kann auf Toilette gehen, ohne was zu verpassen. Ratet, wer das Wettrennen Werbe- gegen Pinkelpause gewinnt... Natürlich sitze ich schon lange wieder auf dem Sofa, als mir auch die letzte Bank ihre Vorteile zum 100. Mal angepriesen hat. Danach geht alles ganz schnell: Der Täter wird gefasst, gesteht seine Tat – ENDE. Toll! Jetzt habe ich eine gefühlte Ewigkeit lang Werbung gesehen, um festzustellen: Der Film ist scheiße.

Je mehr Werbung in einem Film läuft, desto mehr Geld verdient der ausstrahlende TV-Sender. Die Marketing-Experten der Firmen schauen sich die Einschaltquoten an und buchen ihre Spots da, wo sie am meisten Zuschauer erreichen können. Die höchsten Einschaltquoten gibt es meist abends ab 20.15 Uhr, wenn die Spielfilme laufen. Also kommt um die Zeit am meisten Reklame. Die Sender verdienen eine Menge Geld mit uns Zuschauern. Wenn da die Spots wenigstens gut gemacht und unterhaltsam wären...

Ich frage mich, wie das nachts ist, wenn wir alle Erlebnisse des Tages verarbeiten. Verarbeiten wir dann auch diese bekloppten Werbungen? Am nächsten Morgen fragen Dich Deine Freunde: „Na, wie fandest Du den Film?“, und Du sagst: „Schrecklich! Der neue ,Renault‘ sieht ja vielleicht scheiße aus!“ Ich hab auf jeden Fall das Gefühl, dass ich mich besser an bestimmte Spots als an bestimmte Filmszenen erinnern kann. Und einige Slogans gehen mir gar nicht mehr aus dem Kopf. Nicht nur im Fernsehen werden wir von Werbung überschwemmt.

Auch bei Video-Portalen wie youtube.com muss ich mir erst mal ansehen, wie ein hässlicher Kerl mit einem hässlichen Auto durch eine hässliche Landschaft fährt, bevor der gewünschte Clip erscheint. Pappbecher oder Lebensmittel werden ebenfalls mit Werbung bedruckt. Ich habe neulich auf unserer Leberwurst-Verpackung ein Facebook- Zeichen gesehen. Auf Leberwurst! Soll man etwa die Erlebnisse seiner Leberwurst mitverfolgen, oder was? Und dann sind da noch diese „Pop-Ups“ im Internet.

Man geht auf eine Seite und wird gleich mit tausend Werbungen bombardiert. Um sie zu schließen, muss man erst mal das oft sehr versteckte „close“-Zeichen finden. Eine Sache ist allerdings richtig gut: Diese bescheuerten Werbeanrufe haben nachgelassen. Ich vermisse die bekloppten Computerstimmen auf jeden Fall nicht. Und TV und Worldwideweb passen schon auf, dass ich „das Angebot meines Lebens“ trotzdem nicht verpasse...

Jannis Dinter (15 Jahre) aus Barrien

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