Moment mal: Bushido oder Blümchen?

Bushido

Barrien – Die selbsternannten „Gangsta-Rapper“ sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Harte Reime, krasse Texte, fieses Gedisse, verbotene Alben, über die sich die ganze Nation aufregt – scheint’s nicht mehr zu geben. Im Gegenteil.

Ich habe das Gefühl, der deutsche Gossen-Hip-Hop wird immer blümchenhafter. Bushido ernährt sich nur noch von gekünstelten Raps, sitzt in Talkshows und umgibt sich mit Künstlern, und skandalumwitterte Acts wie „Frauenarzt“ springen mit Songs namens „Disco Pogo“ durch die Gegend, in denen immer wieder der geistreiche Zusatz „Dingelingeling“ auftaucht. Da muss man sich schon mal fragen: Haben die alle zu viel gekifft, oder sind die „harten“ Rapper weich geworden?

Guckt Euch doch nur mal die Titel der Bushido-Alben an. 2002 hatten die CDs noch Namen wie „Carlo Cokxxx Nutten“, „Vom Bordstein bis zur Skyline“ oder „King of Kingz“. Die Alben hatten es in sich. Harte Raps, derbe Texte, krasse Beats. Bushido machte immer mehr Kohle. Dann fing die Flower- Power-Zeit an. Ein Album hieß einfach nur „7“, und die Raps wurden immer langweiliger.

Was war da los? Ich vermute, der werte Herr Bushido hatte mittlerweile viel Geld, ist vom Straßenleben weit entfernt und wollte die Leute einfach nur noch unterhalten, ohne Kreativität, ohne neue Ideen. Warum denn noch mal Texte schreiben, wenn man die von den alten Alben einfach in eine neue Reihenfolge bringen kann – hat doch damals auch funktioniert.

Das nächste Album hatte den Titel „Zeiten ändern Dich“. Passender wäre gewesen: „Zeiten ändern MICH“!!!! Die Tracks hatten früher Namen wie „Dreckstück“ oder „Mittelfingah“ – und was kommt jetzt? „Lichtlein“, „Alles wird gut“, „Vergeben & Vergessen“ und „Nur für Dich (Mama)“. Aus dem harten Gangsta-Rapper mit ach so dunkler Vergangenheit scheint ein kleiner Junge geworden zu sein, dessen heftigster Ausbruch es wahrscheinlich ist, abends im Bett seinen süßen Flausche-Teddybär zu knuddeln.

Aber nicht nur Bushido hat sein Rüpel-Image dem Kommerz geopfert – im Endeffekt ist es die ganze deutsche Rap-Szene. „Frauenarzt“ tritt mittlerweile in jeder Disco Deutschlands auf und macht nicht mal ansatzweise mehr harte Texte. Nur noch Partymusik. Auch Sido war mal ein Junge aus der Gosse (so stellte er es selbst jedenfalls jahrelang dar), der immer eine Totenkopfmaske aufhatte und sein Ding machte, jetzt trägt der feine Herr weißen Zwirn.

Früher sorgte er mit frauenfeindlichen Textpassagen für Skandale, nun ist er verlobt und ganz brav. Und statt harten Tracks gibt’s von ihm jetzt gemeinsame Musikprojekte mit Adel Tawil von „Ich & Ich“. Der Background, die soziale Schicht, das ganze Gangsta-Gehabe wird den Fans (vor allem den Jungen, die selbst ähnlich aufgewachsen sind) in voller Breitseite verkauft, damit sie sich identifizieren und bereit sind, viel Geld für die Produkte der Musikindustrie auszugeben. Sobald der Plan aufgegangen ist, wird der Hintergrund – sofern er überhaupt jemals echt war – abgelegt.

Der Rapper „Xatar“ zum Beispiel, auch so ein „ganz böser Junge“, soll vor ein paar Wochen an einem Juwelenraub beteiligt gewesen sein. Kurz darauf kam die Meldung: „Ich bin untergetaucht!“ Von ihm persönlich. Überall wurde er dann gesehen und gab Interviews wie ein böser, kleiner Osama Bin Laden.

Meiner Meinung nach ganz klar eine reine Promogeschichte, um den Verkauf des neuen Albums anzukurbeln. Mittlerweile sitzt der Macker bestimmt nicht im Knast, sondern auf irgendeiner Insel, lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen und reibt sich die Hände, weil alle drauf reingefallen sind! Und das gilt nicht nur für ihn, sondern meiner Meinung nach auch für den Rest der erfolgreich gewordenen deutschen Gangsta-Rapper, die alles verkaufen, wofür sie mal standen. Davon fühle ich mich als Fan verarscht. Ich kaufe den Musikern und ihrer Industrie diese neue, hohle, verlogene Massenware jedenfalls nicht mehr ab!

Benedikt Wellmann (21 Jahre) aus Barrien

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