Einmal durch die Hölle und zurück...

Joyce Hildebrand

Mobbing – niemand kann diesem Thema entfliehen. Auch nicht Joyce Hildebrand. Die 16-jährige Sängerin und Schauspielerin, die in dem Musical-Film "Summer of Dreams" die Hauptrolle spielt, erzählt uns von den Hass-Attacken auf sie.

Von Anne Schmidtke  –  Mobbing – niemand kann diesem Thema entfliehen. Auch nicht Joyce Hildebrand. „Während Klassenarbeiten haben mir Mitschüler regelmäßig Spicker untergejubelt und mich bei den Lehrern verpetzt. Dafür kassierte ich jedes Mal eine glatte Sechs“, erzählt die 16-Jährige. Außerdem habe sie die Pausen in der Schule häufig alleine verbracht, nur weil sie als Sängerin auftrete und für einen Film eine Hauptrolle angenommen habe.

„Die anderen haben mich einfach ausgeschlossen und auf meine Pinnwand bei Facebook richtig miese Beleidigungen geschrieben“, sagt die Gymnasiastin. Bei dem Gedanken daran wird ihr sichtlich mulmig. Sie gesteht, dass die Zeit sehr schwierig und mit vielen Tränen verbunden war. Die Etelserin mit den langen braunen Korkenzieherlocken und der zierlichen Figur schlüpfte für den Musical-Film „Summer of Dreams“ in die Rolle der 13-jährigen Milla, die mit ihrer Familie aus einem kleinen Dorf in die Stadt zieht. Ihre anfänglichen Befürchtungen, in der neuen Schule als Landei gehänselt zu werden, bestätigen sich glücklicherweise nicht, obwohl es Mitschülerinnen gibt, die aufgrund ihres altmodischen Klamottenstils die Nase rümpfen. Stattdessen steht die gleichaltrige Russin Elena im Fokus des Mobbings. Eine Schulaufführung bringt die beiden Mädchen zusammen. Sie werden beste Freundinnen – bis ein Junge ins Spiel kommt. „Als Regisseur Niels Marquardt mich gefragt hat, ob ich in dem Film mitwirken möchte, habe ich sofort Ja gesagt“, berichtet Joyce mit strahlend braunen Augen. Er sei durch Internetvideos und aufgrund ihrer Auftritte bei „Teenage Rockstar“ und beim „Kiddy Contest“ auf sie aufmerksam geworden.

Joyce Hildebrand

Seit der fünften Klasse hat Joyce mit Mobbing zu kämpfen. Bei ihr haben sich die Attacken auf emotionaler und nicht auf körperlicher Ebene abgespielt. „Es hat sich keiner getraut, mich zu verprügeln, weil ich seit Jahren Ju-Jutsu mache.“ 2012 wechselte Joyce aufgrund des Psychoterrors die Schule. „Früher habe ich nicht verstanden, dass Neid Grundlage für die Hänseleien ist. Ich hab immer bei mir nach dem Fehler gesucht und mich gefragt, was ich falsch gemacht habe.“ Heute verkrafte sie Mobbing-Attacken viel besser. Vor allem weil sie auf den Beistand ihrer Freunde, Lehrer und Familie zählen kann. Ihre Eltern und ihre Schwester unterstützen sie sehr. Am Anfang haben ihre Mutter und ihr Vater sie sogar zu den Dreharbeiten in Kiel, auf Fehmarn, in Berlin und Hannover begleitet. Schließlich war die Schauspielerei Neuland für die Etelserin, die trotz der ganzen Hass-Angriffe ihren Lebensmut nicht verloren hat.

„Das war am Anfang echt eine Herausforderung für mich, weil ich das vorher noch nie gemacht habe. Aber ich habe mich schnell damit angefreundet, vor der Kamera zu stehen.“ Für sie sei es kein Problem gewesen, die Texte zu lernen, weil sie das für ihre Auftritte als Sängerin auch ständig machen müsse. In „Summer of Dreams“ stellt Joyce nicht nur ihr Schauspiel-, sondern auch ihr Gesangstalent unter Beweis. „Die emotionalen Songs wurden extra für den Film geschrieben und passen sehr gut zu den jeweiligen Situationen“. Dass die Lieder alle auf Englisch sind, ist nicht schlimm, weil es Untertitel gibt und sie so jeder gut verstehen kann. Manchmal summte die Etelserin noch stundenlang nach Drehschluss die Ohrwürmer auf der Heimfahrt vor sich hin. Ihre stimmlichen Qualitäten beweist sie ansonsten beispielsweise auf Hochzeiten, Stadt- und Sommerfesten und seit einiger Zeit jährlich auf der „Pyro Games Tour“, wo sie Popmusik zum Besten gibt.

Obwohl sie aufgrund der Schauspielerei und Singerei oft unterwegs ist, leiden die Schule und ihre Freunde nicht darunter. Zudem verliert sie ihr Ziel, später mal zur Polizei zu gehen, nie aus den Augen. Sie hat dort schon ihr Schulprakikum absolviert und war total begeistert davon. „Wenn gesangstechnisch oder mit der Schauspielerei nichts dazwischen kommt, ist das mein absoluter Traumberuf.“

Angebote, mal mit Elyas M’Barek, den viele aus dem Film „Fack ju Göhte“ und aus der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“ kennen, oder mit Kostja Ullmann, der unter anderem in dem Streifen „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“ brillierte, zusammenzuarbeiten, würde die schlanke 16-Jährige aber niemals ablehnen.

Joyce legt allen ihren 120-minütigen Film „Summer of Dreams“ ans Herz, weil ihrer Meinung nach niemand dem Thema „Mobbing“ aus dem Weg gehen kann. „Er öffnet einem die Augen. Vielleicht findet man sich selbst im Film wieder.“

Mobbing-Opfern rät die 16-Jährige, mit jemanden über die Qualen zu reden. „Ich habe am Anfang nichts unternommen, weil ich dachte, dass es gar nicht so schlimm ist. Heute weiß ich, dass das falsch war. Ich hätte direkt was unternehmen und nicht alles in mich hineinfressen sollen.“ Im Verdener Kino „Cine City“ läuft der Film am Samstag und Sonntag jeweils um 14.45 Uhr. Der Streifen wird im Hansa Kino in Syke am Samstag um 16 Uhr und Sonntag um 17 Uhr gezeigt. Bis zu den Sommerferien will Kinoinhaberin Silvia Kahle den Film im Programm haben. Der Filmhof Hoya wird den Film voraussichtlich nach den Sommerferien ausstrahlen. Die Termine dafür stehen noch nicht fest.

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