„Du hast mit meiner Freundin rumgemacht!"

chili-Volontär Jan Schmidt.

Twistringen - Schwarze Haare, braune Augen, super Figur. Ich beobachte eine Frau mit charmantem Lächeln. Sie hat eine hinreißende Ausstrahlung, deshalb fällt es mir auch leicht, sie in eine Schublade zu stecken: "Glücklich vergeben".

"Hey, darf ich mich zu Dir setzen?" Sie mustert mich kurz. "Okay, warum nicht. Kennen wir uns denn?" Ihre Stimme klingt ein bisschen misstrauisch. "Nein. Ich heiße Jan." - "Hi Jan, ich bin Maria." - "Du bist nicht nur Maria, Du bist auch wunderschön." Na klar verdreht sie die Augen, aber ein klein wenig lächelt sie auch. "Wunderschön bin ich also? Vielen Dank, aber das Kompliment kann ich nicht zurückgeben." Hui, wie freundlich...

Na schön. Die Fassung bewahren, tief Luft holen, und: "Vielleicht hast Du ja Lust, mich Dir schön zu trinken?" Ihr Blick war schon woanders, nun aber schaut sie mich herausfordernd an: "Soll das heißen, Du gibst was aus?" Ja, ganz recht. Das mögt Ihr Mädels doch, nicht wahr? Und weil ich Emanzipation groß schreibe, darf sie sich auch 'nen Drink aussuchen. "Jägermeister, bitte." Nanu, das überrascht mich. Ich hätte eher mit einem sündhaft teuren Cocktail gerechnet, aber von mir aus...

Während ich mich an die Bar begebe, sehe ich im Augenwinkel zwei Damen, die sich zu Maria an den Tisch gesellen. Aufgeregt tuschelnd blicken die drei in meine Richtung. Als ich bezahlt habe, sitzt Maria wieder alleine dort. Sie ist nun deutlich freundlicher zu mir, schaut mich eindringlich an. Hach, in diesen bezaubernden Rehaugen kann man sich einfach nur verlieren. Mit jedem weiteren Jägermeister verstehen wir uns besser. Irgendwann bestellt sie sogar mal auf ihre Rechnung. Wir unterhalten uns angeregt über Musik, Sport - und Selbstbefriedigung.

Mittlerweile ist die Stimmung recht locker, genau wie unsere Zungen. Wir reden und reden, und irgendwann gebe ich ihr einen Kuss. Sie erwidert ihn, aber nur kurz - dann stoppt sie plötzlich und blickt sich um. Was ist los? War das zu spontan? Sie sagt nichts, sondern steht auf und geht. Ich verharre ungläubig für einen Moment, dann wechsel ich rüber zur Bar.

Wenig später klopft mir jemand von hinten auf die Schulter. Es ist eins von den Mädels, die vorhin bei Maria am Tisch waren. Sie will mir ein Handy in die Hand drücken. Verwundert schüttel ich den Kopf, nehm das Ding dann aber trotzdem entgegen - wahrscheinlich ist Maria dran. "Hallo?", frage ich. "Wer bist Du!?", antwortet eine energische Männerstimme. Oh, mir dämmert was. "Ich heiße Jan. Und wer bist Du? Warum willst Du mich sprechen?" - "Du hast mit meiner Freundin rumgemacht! Wo wohnst Du?!" - "Okay, pass auf. Ich hatte keine Ahnung, dass sie einen..." - "Was laberst Du, ich mach Dich fertig, Alter! Ich bin Kickboxer!!!", schreit mir der Typ ins Ohr. Dumm gelaufen. Ich unternehme noch zwei, drei Versuche, die Angelegenheit am Telefon zu klären, biete ihm sogar an, vorbeizukommen und über alles zu reden - aber schließlich beende ich das Gespräch, weil ich kein Wort mehr verstehe.

Auf dem Weg nach Hause muss ich trotzdem grinsen. Ich werde wohl eine neue Schublade eröffnen. Darauf steht dann geschrieben: "Unglücklich vergeben".

Jan Schmidt (23 Jahre) aus Twistringen

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