"Richtig sexy oder sehr süß"

Mädels in Mangas dürfen keine Makel haben. Und das findet Miriam Esdohr scheiße. Die junge Bremerin bringt jetzt ihre erste Graphic-Novel "Iakes" raus und erzählt darin eine mysteriöse Geschichte zwischen Leben und Tod.

Von Anne Hundt

„Entweder richtig sexy oder sehr süß müssen Mädels sein“, sagt Miriam Esdohr aus Bremen. „Jung, schlank, ein schönes Gesicht, coole Kleidung – was anderes wollen Japaner in Mangas einfach nicht sehen. Ich komme aber nicht damit klar, wenn alles nur schön sein soll.“ Und deswegen gibt es in den Zeichnungen von der jungen Grafik-Designerin auch keine Charaktere ohne Makel. „So haben sie mehr Ausdruck.“ Und diese Ausdrucksstärke hat sich gelohnt: Mit ihren Arbeiten gewann Miri einen Wettbewerb für Nachwuchszeichner, wurde zur Manga-Comic-Convention der Leipziger Buchmesse eingeladen und durfte jetzt ihr erstes gebundenes Werk „Iakes“ im Comic-Culture-Verlag rausbringen.

Miriam Esdohr

„Iakes“ ist ein Mystery-Thriller, der die Geschichte über den jungen Kriminal-psychologen Rik Wigand erzählt. Nach dem Tod seiner Partnerin Nang vertrödelt Rik seine Zeit mit Selbstmitleid und Alkohol. Währenddessen ermittelt Nang in der Totenwelt „Iakes“, weil dort ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Nang braucht unbedingt die Hilfe ihres ehemaligen Partners, zu dem sie, weil Rik Geister sehen kann, Kontakt aufnimmt. Denn auch die Toten haben noch ein Leben zu verlieren.

Als sie mit dem Zeichnen begann, kam sie irgendwann mit Deutsch und Englisch nicht mehr weit. Die meisten Foreneinträge und Internetseiten zum Mangazeichnen stammen einfach aus Japan und sind demnach auf Japanisch. Mit einer Privatlehrerin fing sie deshalb an, die Sprache zu lernen. Und aus dem jungen Japaner, der zum Studieren nach Deutschland gekommen war und mit dem sie eigentlich nur ihre Sprachkenntnisse verbessern wollte, wurde ihr Freund. Mit ihm flog sie auch das erste Mal nach Japan, drückte sich aber vor einem Besuch bei seinen strengen Eltern. „Ich wollte Japan einfach nur genießen“, erklärt Miriam und rückt ihre weiß-schwarz geringelte Mütze zurecht, unter der ihre langen braunen Haare über die Schultern fallen. Einfach aus Neugierde habe sie damals wissen wollen, was Japaner von ihren Zeichnungen halten, und zeigte deshalb einem japanischen Redakteur aus einem Manga-Verlag ihre Skizzen. „Da hatte ich meinen eigenen Stil noch nicht gefunden und habe noch versucht, mangaartig zu zeichnen. Deswegen habe ich noch viele Tipps zu Proportionen und Seitenaufteilung bekommen.“

Bei ihrem zweiten Besuch in Japan traute sie sich dann zu einem Besuch bei den Eltern ihres Freundes, die in einem kleinen Ort auf der Südinsel wohnen. „Die waren nicht gerade begeis-tert von mir“, sagt Miri. „Ich bin keine Japanerin, jünger als mein Freund, habe keinen ,vernünftigen‘ Beruf und bin auch noch tätowiert.“ Auf dem linken Unterarm trägt sie ein Salamander-Tattoo, das für den Kampf für Gerechtigkeit steht. „Die Eltern meines Freundes haben darauf bestanden, dass ich trotz der 40 Grad draußen ein Shirt mit langen Ärmeln trage“, sagt Miri und lacht. Nur Yakuza, Mitglieder eine mafiaähnliche Gruppe, seien früher in Japan tätowiert gewesen. „Auch wenn ich als Ausländerin und Mädchen kein Yakuza sein kann, sind ältere Japaner sehr schockiert, wenn sie meine Tattoos sehen. Deswegen musste ich sie bedecken.“

Mittlerweile hat Miri mehrere Brieffreunde in Japan über das Internet gefunden, mit denen sie regelmäßig schreibt. „Wir schreiben über Musik, Filme oder unsere Freunde.“ Allerdings seien die Briefe nicht immer fröhlich. Schließlich könne Japan mit seinen strengen Regeln sehr einengend für junge Menschen sein. „Jugendliche verbringen einfach viel mehr Zeit in der Schule als wir. Die Regeln sind strenger, man muss immer still sitzen, darf nicht dazwischenreden. Man bekommt auch viel schneller einen Hausbesuch von den Lehrern, und es war in Japan viel länger üblich, dass man auch mal eine Ohrfeige bekommt“, sagt Miriam. Dieser geregelte und strikte Alltag wirkt sich auch auf die Zukunftsplanung vieler Japaner aus. „Für die Jugendlichen dort ist es früh schon sehr wichtig, dass sie auf jeden Fall heiraten und Kinder bekommen werden. Wenn jemand mit 30 Jahren noch kein Baby hat, dann denken die anderen, dass mit ihm was nicht stimmen kann.“

Selbst mal in Japan zu arbeiten, kann sich Miri nur schwer vorstellen. „Die Arbeitstage sind dort einfach viel länger, und es gibt weniger Urlaub.“ So bleibt Miri erstmal in Deutschland und versucht hier, mehr Menschen für Comics, Graphic-Novels und Mangas zu begeistern.

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