„Aufgeben ist keine Option.“

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Stolzer Chef: Michael Madden vorm „Römer-hof“. Er leitet das Hotel seit drei Jahren.

Von Katrin Roßmann. In den Sommerferien mit Kumpels zelten gehen, zu acht in Jugendherbergszimmern mit Etagenbetten pennen, sich die Nächte auf halb aufgepumpten Luftmatratzen im Wohnzimmer von Bekannten um die Ohren schlagen – das war nie sein Ding.

Michael Madden steht total auf Hotels. In mehr als 80 verschiedenen hat er schon übernachtet. Aber nicht nur das – er hat sogar ein eigenes.

Das heißt „Römerhof“, steht in Bingen am Rhein und macht Michael Madden nicht nur ziemlich stolz, sondern auch zum jüngsten Hotelier Deutschlands. Er war 19, als er anfing, den „Römerhof“ zu führen. Heute ist er 22. Wie kommt ein so junger Kerl zum eigenen Hotel? „Angefangen hat alles mit einem Nebenjob“, sagt Michael. Morgens saß er in der Berufsschule für seine Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten, am Abend jobbte er im Hotel.

Als Michael eines Tages gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, den „Römerhof“ zu übernehmen, war er erst mal platt. Er überlegte kurz – und sagte zu. Knapp drei Jahre ist das jetzt her. Bereut hat er den Schritt nicht einen Moment. „Am Anfang war alles neu und etwas kompliziert“, gibt er zu, „aber ich hab viel Unterstützung bekommen. Die Vorbesitzer und meine Familie standen mir mit Rat und Tat zur Seite. Aufgeben war für mich nie eine Option.“

Der „Römerhof“ hat 25 Zimmer mit insgesamt 50 Betten. „Ein Mittelklasse-Hotel für Familien, Landhaustil“, beschreibt Michael sein Haus. Am Stil selbst hat er nach der Übernahme nur wenig verändert, auch der Name ist geblieben. „Ich habe nur ein wenig modernisiert und ordentlich Werbung gemacht. Vorallem online, da findet man uns unter www.facebook.com/hotelbingen.“

Ältere Hoteliers hätten ihn schon mal belächelt. „Einige meinten anfangs, dass ich nicht lange durchhalten würde“, weiß er. Aber denen hat Michael es gezeigt. „Wenn man jung ist, geht man vielleicht manchmal etwas naiver, aber auch mutiger an die Sache ran.“

Auch wenn er sein Hotel mit viel Spaß führt – Michael Madden ist sich der Verantwortung, die er für seine Mitarbeiter trägt, sehr bewusst. „Natürlich ist der ganze Papierkram auch mal lästig“, gesteht er. „Trotzdem muss er gemacht werden. Und zwar ordentlich.“

Michaels Angestellte sollen wissen, dass sie sich auf ihren Chef verlassen können – auch wenn er jünger ist als sie selbst. Und Michael erwartet, als Chef ernst genommen zu werden: „Wer das nicht tut, kann gehen.“ Er lacht zwar, aber man merkt gleich: Er meint es ernst. Als Chef muss er eben manchmal auch unangenehme Sachen tun. Und „natürlich schimpfe ich nicht gern, aber das gehört eben dazu“, sagt er.

Was braucht man, um ein guter Hotelchef zu sein? „Viel Zeit und Geduld. Neue Ideen sind ganz wichtig“, meint Michael. „Und natürlich ein Auge für schöne Dinge, Geschmack und die Fähigkeit, eine Atmosphäre zum Wohlfühlen zu schaffen.“

So jung und schon so erfolgreich – da ist die Gefahr, abzuheben, groß. Aber Michael ist sich sicher, dass ihm das niemals passieren wird – „dafür sorgt schon meine Familie.“ Er ist mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Da lernt man, sich nicht so wichtig zu nehmen.

Vor einiger Zeit ist Michael aber bei seinen Eltern ausgezogen und hat sich eine eigene Wohnung gekauft. „Da kann ich mich nach einem stressigen Tag am besten erholen!“ Der Tag beginnt meist schon um 6.30 Uhr. „Meine Aufgaben sind sehr vielfältig“, erzählt Michael, „Wenn irgendwo Not am Mann ist, spring ich ein. Im Zweifel auch beim Zimmer säubern.“

Michaels großes Vorbild ist niemand Geringeres als Conrad Hilton. Der 22-Jährige lacht. „Aber man sollte realistisch bleiben.“ Sein Lieblingshotel ist das „InterContinental“ in Berlin: „Da hat’s mir am besten gefallen. Das ist modern, hat ein cooles Flair und einfach das gewisse Etwas“, schwärmt Michael. Seine Kriterien für ein gutes Hotel: „geschmackvoll eingerichtet, superfreundliches Personal und das Gefühl, als Gast im Mittelpunkt zu stehen.“ Daran arbeitet „Deutschlands jüngster Hotelier“ selbst ehrgeizig. Im Moment überlegt er sogar, sich noch ein Hotel zu kaufen. Aber egal, wie viele es noch werden sollten – „den ,Römerhof’ werde ich nie aufgeben, das ist klar!“

Wen würde er am allerliebsten mal als Gast in seinem Hotel begrüßen? Da muss Michael Madden keine zwei Sekunden überlegen: „Tina Turner wäre klasse! Und Angela Merkel!“

Aber bis es soweit ist, dass die Bundeskanzlerin bei ihm eincheckt, übt sich der 22-Jährige erst mal in Geduld. „Bescheidenheit ist wichtig – das gaben mir meine Vorgänger mit auf den Weg. Man muss realistisch bleiben. Der Job ist sehr zeitintensiv. Und man wird mit Sicherheit nicht über Nacht zum Millionär. Das muss einem klar sein.“

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