Michael ist 16 und Artist im Zirkus "Carl Busch":

„Zirkus ist mein Leben!"

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Ein schwarzer Mustang in Kombination mit Michaels spanischem Temperament – da schlagen Mädchenherzen natürlich höher. An weiblichen Fans in der Manege mangelt es beiden nicht.

Der Duft von Popcorn und Zuckerwatte weht über die Bremer Bürgerweide. Musik lockt die Menschen in den Zirkus „Carl Busch“. Am Eingang des Zelts steht Michael Ramos Sánchez. Der 16-Jährige hilft den Besuchern bei der Platzsuche. Im Moment hat er noch keine eigene Show. Das ändert sich aber bald.

VERLOSUNG

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Von Anne Schmidtke - Der Duft von Popcorn und Zuckerwatte weht über die Bremer Bürgerweide. Fetzige Musik lockt die Menschen in den Zirkus „Carl Busch“. Am Eingang des von bunten Lichtern erleuchteten Zeltes steht Michael Ramos Sánchez. Der 16-Jährige hilft den Besuchern bei der Platzsuche. Im Moment hat der Spanier mit den schwarzen Haaren und den dunklen Augen noch keine eigene Show. Das soll sich aber ändern. Schon nächste Woche will er in der Manege stehen – mit einer Diabolo-Nummer. „Viele Leute denken, das wäre nur ein Spielzeug.“ Er lacht. „Aber das ist es nicht. Für mich ist es ein Stück meines Lebens.“

Mit vier Jahren stand Michael das erste Mal in der Arena. Er brachte als Clown die Gäste zum Lachen. Und „auch für mich war das sehr lustig“, sagt er.

Es folgten Auftritte auf dem Trampolin und als Akrobat. „Das ist nicht gefährlich, aber man muss genau nachdenken, was man macht. Denn natürlich kann man immer unglücklich fallen und sich was brechen.“ Das ist ihm bisher aber glücklicherweise nie passiert.

Um möglichen Unfällen vorzubeugen, trainiert Michael hart. Nach dem Aufstehen feilt er eine Stunde lang an seiner Diabolo-Nummer. Insgesamt probt er dreimal am Tag – morgens, nachmittags und abends.

Am Anfang hatte er noch einen Lehrer, der ihm die Grundlagen beibrachte. Er zeigte dem jungen Artisten, wie er sein Arbeitsgerät kontrollieren kann. Inzwischen bringt Michael sich alles selbst bei.

„Ich habe einige neue Tricks“ – und die zeigt er auch sofort. Hochkonzentriert wirft er die Doppelkugelhalbschalen nach oben und fängt sie gekonnt mit der zwischen zwei Stöckern gespannten Schnur wieder auf. Ob über dem Kopf, zwischen seinen Beinen, vor, hinter oder neben seinem Körper – immer hat er das Gerät im Griff. Er schafft es auch mit Leichtigkeit, mit mehreren Diabolos in einer Spur zu spielen. „Mir macht das viel Spaß.“

Ein Auftritt des schlanken 16-Jährigen dauert zwischen fünf und 17 Minuten. „Ich hoffe jedes Mal, dass ich nicht nervös bin.“ Trotzdem lässt sich das Gefühl nicht einfach so abstellen. Auch ein Vollprofi wie er, der es gewohnt ist, vor vielen Menschen aufzutreten, hat mit Lampenfieber zu kämpfen. Aber „wenn ich in der Manege stehe, ist das ganz schnell weg.“

Michael Ramos Sánchez in Aktion mit seinem Diabolo.

Vor allem die Mädchen staunen über seine lässige Art in der Arena. Nach der Show adden ihn viele bei Facebook. Einige wollen ihn sogar treffen. „Meist sage ich zu. Für mich ist das überhaupt kein Problem – wer vorbeikommen will, darf das tun.“ Schließlich ist Michael zur Zeit Single. Seine letzte Freundin kam aus Spanien. Die Beziehung scheiterte, weil beide zu weit auseinander lebten. „Ich war nicht traurig, als es vorbei war“, sagt Michael. Er findet deutsche Mädchen attraktiv. Deren blaue und grüne Augen. Besonders gut findet er dünne Mädchen mit langen, blonden Haaren, die Humor haben. Der Spanier behauptet, selbst nicht eifersüchtig zu sein. Im Gegenzug erwartet er das aber auch von seiner Freudin – „schließlich bin ich ein guter Junge.“

Das Mädchen an seiner Seite sollte allerdings das Zirkusleben lieben. Denn „der Zirkus ist mein Leben. Jeder Tag ist anders. Es wird nie langweilig.“ Michael liebt es, zu reisen und andere Länder kennen zu lernen. An jedem Halt, den der Zirkus einlegt, erkundet er die Stadt. Dort kauft er dann Klamotten oder Postkarten, um sie zu verschicken. „Ich habe viele Freunde in vielen verschiedenen Ländern.“ Oft sieht er die allerdings nicht. Aber dank WhatsApp und Facebook hält er Kontakt zu ihnen. Und immer, wenn er vor Ort ist, trifft er sie auch.

Obwohl er mit dem Zirkus oft unterwegs ist, fühlt er sich nie allein. Schließlich reisen seine Eltern und seine elfjährige Schwester Yessica immer mit. Sein Vater ist in fünfter und seine Mutter in vierter Generation beim Zirkus. Die vierköpfige Familie lebt in einem 13-Meter-langen Wohnwagen. „Einige denken jetzt sicher, dass das klein ist. Aber das stimmt nicht. Man hat genug Platz darin.“ Michael teilt sich ein Zimmer mit seiner Schwester. In der Regel ist das für ihn in Ordnung, nur manchmal findet er das blöd – „aber das ist ganz normal, oder?“ Er lacht.

Sein Tag beginnt früh am Morgen. Noch vorm Frühstück trainiert er eine Stunde mit dem Diabolo, danach macht er was für die Schule. Das läuft alles übers Internet. „Das ist gar nicht so einfach, weil ich keinen Lehrer habe, der mir erzählt, ob etwas richtig oder falsch ist“, erzählt Michael. Vier Jahre war er in Spanien auf einer festen Schule. „Es war schon ein bisschen schade, da wegzumüssen. Aber ich bevorzuge das Leben im Zirkus.“

Inzwischen spricht er vier Sprachen fließend. Er kann sich auf Spanisch, Englisch, Französisch und Italienisch unterhalten. „Deutsch kann ich ein bisschen. Aber die Sprache ist sehr schwierig.“ In diesem Sommer beendet er die Highschool. An-schließend will er – wieder übers Internet – Informationstechnik studieren.

Nachdem er was für die Schule getan hat, geht’s an die Arbeit. Zweimal am Tag hilft er den Zirkusgästen, ihre Plätze zu finden. In seiner Freizeit verabredet er sich gerne in der Paintball-Halle und spielt leidenschaftlich gerne Fuß- oder Basketball. In die Disko zieht es ihn dagegen überhaupt nicht. „Aber vielleicht bin ich dafür auch noch ein bisschen zu jung“, sagt Michael und lacht.

Sein größer Traum ist es, mal nach Japan zu fliegen. Die Kultur und Geschichte des Staats faszinieren ihn. Aber für so eine Reise braucht man viel Geld. Daher übt er weiterhin eifrig seine Diabolo-Nummer. Im Moment will er dafür hauptsächlich Applaus kassieren. „Es gibt nichts Schöneres. Dadurch wird Adrenalin im Körper ausgeschüttet, und das macht einfach glücklich“, strahlt Michael, bevor er sich wieder komplett seinem Diabolo widmet.

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