Als Musicaldarstellerin ist Lisa Habermann viel unterwegs

„Mein Freund folgt mir überallhin“

Zur Zeit spielt Lisa Habermann im Musical „Sister Act“ in Hamburg die Rolle der Schwester Mary Robert.

Hamburg – Ich treffe beim Singen keinen Ton, stolpere beim Tanzen über meine eigenen Füße und muss immer lachen, wenn ich mal in eine andere Rolle schlüpfen soll. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Musical-Karriere.

Trotzdem frage ich Lisa Habermann, welche Rolle sie mir geben würde. Die 21-Jährige lacht. „Oh, äh, okay, also, schwierig... Am ehesten wohl eine kleine Rolle. Eine Figur, die Dir ähnlich ist. Damit Du einigermaßen natürlich wirkst...“ Lisa hat solche Probleme nicht. Die gebürtige Österreicherin ist ausgebildete Musicaldarstellerin. Zurzeit spielt sie im Musical „Sister Act“ in Hamburg die Schwester Mary Robert.

Lisa, Du kannst singen, tanzen und schauspielern – gibt es irgendwas, was Du nicht kannst?
(lacht) Da gibt’s vieles. Wär ja auch schlimm, wenn man von sich behaupten würde, dass man alles kann.
Wann standest Du das erste Mal auf der Bühne?
Lisa Habermann

Ich hab mit vier angefangen zu tanzen. In der Tanzschule gab’s natürlich viele Auftritte. Und irgendwann stellte sich raus, dass ich auch sehr gern singe. Musical war einfach das Naheliegendste, um Tanzen und Singen zu verbinden. Als ich elf war, bin ich auf ein Gymnasium mit einem musikalischen Zweig gekommen. Da gab es jedes Jahr Aufführungen. Mit 14 habe ich dann eine vierjährige Musical- Vorausbildung begonnen, in der wir mit dem Schauspiel vertraut gemacht wurden, mit Texten, Tanz, Ballett, Jazzdance und Gesang. Dadurch war ich gut auf die Aufnahmeprüfungen vorbereitet, die nach dem Abitur kamen. Ich hab gleich meine erste Aufnahmeprüfung in Wien bei den Performing Arts Studios bestanden und ein Stipendium bekommen.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Musicaldarstellerin?
Drei Jahre. Es gibt eine staatliche Prüfung, man bekommt ein Zertifikat und darf sich dann Musicaldarstellerin nennen – das ist ein geschützter Begriff. Wenn Du Talent hast und gut für eine Rolle passt, ist das Zertifikat zwar nicht so wichtig – aber es kann ja nicht schaden. Du bist in „Sister Act“ das Cover – so nennt man die Zweit- und Drittbesetzung – von Schwester Mary Robert.
Deine erste Rolle?
Ich hab schon viele kleine Jobs in der Ausbildung gemacht, aber das ist meine erste Ensuite-Produktion. Ensuite heißt, dass ein Stück an einem Haus für lange Zeit gespielt wird, meistens bekommen die Darsteller einen Jahresvertrag.
Wie bist Du an die Rolle gekommen?
Die Performing Arts Studios arbeiten mit einer Agentur zusammen. So erfährst Du, wann es Castings oder, wie wir im Musical-Bereich sagen, Auditions gibt. Im dritten Jahr der Ausbildung habe ich viele Auditions besucht. Zu „Sister Act“ war ich ursprünglich gar nicht eingeladen. Ich hab bei der „Tarzan“-Audition mitgemacht, und da hieß es, dass ich gut für „Sister Act“ passen könnte.
Herrscht bei den Auditions starker Konkurrenzdruck?
Der Konkurrenzkampf ist schon hart. Die Musical-Familie im deutschsprachigen Raum ist eher klein und überschaubarer als zum Beispiel in England und Amerika. Man kennt viele Leute und weiß, welche Jobs sie schon gemacht haben – und denkt: Da hast Du sowieso keine Chance. Aber man muss Vertrauen in sich selber haben, manchmal wird man wirklich genommen. Es kann aber natürlich auch sein, dass die Augen nicht passen oder die Haare.
Was war das für ein Gefühl, die erste große Rolle in der Tasche zu haben?
Unglaublich. Ich hab’s erst gar nicht richtig geglaubt (strahlt). Es ist zwar nur ein Cover, aber für mich ein toller Einstieg. Ich war hoch in den Wolken, als ich den Anruf bekommen hab.
Wie lange hattest Du Zeit zu üben, bevor es ernst wurde?
Die Erstbesetzung hat üblicherweise zwei Monate Zeit, um sich an die Rolle ranzutasten. Mit ihr wird jede Probe gemacht – nur wenn sie krank oder verletzt ist, springt ein Cover ein. Dann gibt’s ein, zwei Wochen Proben für die Cover. Bei mir war es so, dass die Erstbesetzung kurz nach der Premiere krank wurde. Ich hatte erst sehr wenige Proben gehabt, musste aber gleich auf die Bühne. Zum Glück bin ich nicht nur Cover, sondern auch Swing. Bei „Sister Act“ gibt es sieben Frauen-Swings, die bei Bedarf einspringen. Wir sitzen die ganze Show hinter der Bühne, und wenn sich ein Darsteller verletzt oder plötzlich krank wird, dann muss man auf die Bühne. Deshalb hatte ich mir die Aufführung schon oft angeguckt und wusste, was die Erstbesetzung wann macht. So bin ich nicht ganz aus den Wolken gefallen, als es plötzlich hieß: Du spielst übermorgen. Das war eine gute Übung, nicht die Nerven zu verlieren (lacht).
Wie oft stehst Du auf der Bühne?
Weil ich Cover und Swing bin, hab ich keine feste Funktion an jedem Abend, aber ich komme sicher auf acht Shows in der Woche.
Was war das Peinlichste, was Dir bisher auf der Bühne passiert ist?
Ich hab harte Kontaktlinsen, und wenn man da zu doof guckt, dann hüpfen die raus. Ein paar Mal hab ich die Kontaktlinse noch gesehen und gerettet – ich konnte so tun, als würde das Aufheben zum Tanzen gehören. Einmal hab ich ‘ne große Probe aufgehalten. Da haben ungefähr 40 Leute auf der Bühne getanzt – und ich hab plötzlich geschrien: „Kontaktlinse verloren!“ (lacht) Das war schon peinlich.
Könntest Du Dir ein Leben als Nonne vorstellen?
Nee! Erstens liebe ich meinen Freund, und zweitens denke ich, die Frauen, die sich für diesen Beruf entscheiden, haben Gründe dafür – und die hab ich nicht.
Glaubst Du denn an Gott?
Ich hatte eine Zeit, in der ich sehr intensiv an Gott geglaubt hab. Jetzt ist es so ein Auf und Ab. Ich glaub auf alle Fälle daran, dass Dinge aus einem bestimmten Grund passieren. Aber ob da jetzt wirklich eine höhere Macht ist oder ein Gott, da bin ich nicht sicher. Aber gucken wir mal, wie ich in 50 Jahren darüber denke (lacht).
Wo siehst Du Dich denn in 50 Jahren?
(überlegt) In Österreich. Ich will ein Haus am Stadtrand haben, mit Familie und Hund. Ich möchte so bekannt sein, dass ich mir meine Rollen aussuchen kann. Und ich hoffe, dass ich dann viel Wissen angesammelt hab. Ich glaub, dass ich in dem Alter Spaß daran haben werde, jungen Menschen zu vermitteln, was mich an dem Beruf so fasziniert hat.
Was ist Deine Traumrolle?
Meine Mama würde jetzt sagen: „Arielle“. Das war – neben „Sister Act“ – einer der Filme, die ich als Kind bis zum Umfallen geguckt hab. „Arielle“ gibt’s mittlerweile auch als Musical. Wenn’s nach Deutschland kommt, probier ich auf alle Fälle, da mitzuspielen. Aber das Schöne an meinem Beruf ist ja, dass man eine Zeitlang eine Rolle spielen kann und dann wieder eine ganz andere.
Wie haben Deine Eltern reagiert, als Du ihnen gesagt hast, dass Du Musicaldarstellerin werden willst?
Sie meinten, sie würden mich immer unterstützen, und sie sehen auch, dass das wirklich was ist, wofür ich brenne, und dass ich sicher gut bin in dem Job. Aber sie haben mir schon früh erklärt, dass es in dem Beruf schwierig ist, ein Haus zu haben und eine Beziehung zu führen, weil man sehr viel reisen muss. Und es war begründet, was sie mir da gesagt haben. Trotzdem würd ich es heute nicht anders machen.
Lebt Dein Freund in Österreich?
Ja. Er ist eigentlich Engländer und ging wegen mir nach Österreich. Er wird jetzt auch nach Hamburg kommen. Er scherzt ständig, dass er mir überallhin folgen würde (lacht).

Verdienst Du viel Geld?

Ja – für meine Verhältnisse (lacht). Dabei denk ich jeden Monat wieder, dass ich mich gar nicht so fühle, als würde ich wirklich arbeiten. Ich mache den Beruf, den ich mir immer schon gewünscht hab, und merke gar nicht, wie viel Zeit ich damit verbringe.
Wenn Du nicht Musicaldarstellerin geworden wärst – was dann?
(lacht) Meine Eltern meinen, ich wäre Arzt geworden. Wenn es in Fernseh-Dokumentationen um Medizin geht, bin ich immer ganz nah dran – wenn beim Fettabsaugen alle weggucken, guck ich hin. Mich interessiert der menschliche Körper wahnsinnig.
Was rätst Du Jugendlichen, die auch Musicaldarsteller werden wollen?
Bleibt dran! Wenn es wirklich das ist, was das Herz will, dann wird man auch erfolgreich. Wenn man in sich reinhört, dann ist es nicht so schwer rauszukriegen, wofür man geschaffen ist. Es gibt zu viele junge Leute, die gar nicht wissen, was sie mit sich tun sollen. Ich kann nur sagen: Es macht glücklich, anderen Menschen was zu geben. Ich gebe den Zuschauern Energie für den nächsten Tag, und dafür kriege ich viel zurück.

Mareike Hahn

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