Mein erstes eigenes Auto

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Matthias Fischer

Bis zu 13.000 Euro geben unsere chili-Autoren für ihr erstes Fahrzeug aus. Bis zu 18 Liter verbrauchen ihre Karren auf 100 Kilometern. Doch eins haben Sebastian, Matthias, Mara, Maik und Alex gemeinsam: Die Leidenschaft, mit der sie von ihren Schätzen erzählen.

Alex Marcini

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alex Marcini (21 Jahre) mit seinem „Lincoln Town Car Signature“ (Baujahr: 2003), Kilometerstand: 370.000, Verbrauch auf 100 km: innerorts 18 Liter, außerorts 10 Liter.

„Ich stand schon immer auf amerikanische Straßenschlachtschiffe und Limousinen. Chilliges Autofahren ist für mich einfach nur pure Freude und Entspannung. Der Wagen gefiel mir in jeder Hinsicht, ich kaufte ihn recht günstig direkt in den USA bei einem Car-Dealer. Es war Sommer 2010 und Liebe auf den ersten Blick. Im Stich gelassen hat mich mein Lincoln noch nie. Und das trotz der enormen Laufleistung. Aber Town Cars werden von den amerikanischen Limousinen- und Taxiunternehmen teilweise auf Laufleistungen von über 700.000 Kilometer gepusht und trotzen dabei selbst dem härtesten New Yorker Rushhour-Verkehr.

 Wenn man die Kiste also nicht konkret um einen Baum wickelt, ist sie unverwüstlich. Einmal ist mir jemand hinten reingefahren. Ich stand als Letzter im Stau, da kam ein Audi A6 mit etwa 40 km/h von hinten. Meine Heckstoßstange musste ausgewechselt werden – der Audi hatte Totalschaden. In Amerika ist mein Wagen nix Besonderes, im Gegenteil: Das Town Car ist dort ein so üblicher Anblick wie bei uns die Mercedes-Taxen. Hierzulande kennt man aber schon allein die Marke Lincoln gar nicht.

Dazu kommt, dass der Wagen – obwohl er als 2003er Modell vergleichsweise modern ist – noch diesen typisch-amerikanischen Bling-Bling-Stil aufweist, also zum Beispiel auffällig glänzende Chrom-Zierde überall. Auch seine schiere Größe macht ihn ziemlich unübersehbar: Mit einer Länge von 5,5 Metern ist der Lincoln immer noch um ein gutes Schullineal länger als die Mercedes Benz S-Klasse in Langversion. Und mit exakt zwei Meter Breite ist er auch breiter als alle gängigen europäischen Fahrzeuge. Der Wagen ist halt durch und durch klassisch-amerikanisch. Das heißt: extrem weiche (= gemütliche) Federung, Automatik-Schalthebel rechts am Lenkrad, durchgehende Sitzbank für drei Leute vorne, und ein bollernder V8-Motor mit 4,6 Liter Hubraum. Was Besonderes sind auch US-Car-Treffen wie das jährlich stattfindende vom ,US-Car Stammtisch Bremen’ auf dem Gelände der ,Waterfront’, wo ich mit meinem Lincoln natürlich immer mit dabei bin.

Aber an sich ist jede Fahrt in dem Town Car was Besonderes für mich. Obwohl ich mein Auto schon seit drei Jahren besitze und täglich fahre, fühlt es sich immer noch jedes Mal genauso prickelnd wie am ersten Tag.

Natürlich frisst mein Wagen dementsprechend viel. Trotzdem: Einmal Town Car, immer Town Car. Ich werde ihn fahren, bis er auseinander fällt. Und das dürfte noch lange dauern...

 

Matthias Fischer

 

Matthias Fischer (23 Jahre) mit „Gina“ (Baujahr: 1987), Golf 2 GTI, 107 PS. Kilometerstand: 235.000. Verbrauch auf 100 km: irgendwas zwischen 8 und 9 Litern. „Ich selbst gebe meinem Auto und auch meinen Mopeds keinen Namen. Aber manche Leute sagen Gina zu meinem Golf. ,Gina wird rot, wenn ich komme’, sagen die dann. Naja.

Ich habe das Auto vor viereinhalb Jahren für 500 Euro gekauft. Ich hab aber noch mal rund 1.500 Euro reingesteckt, weil ich zum Beispiel die komplette Auspuffanlage gegen eine aus Edelstahl ausgetauscht habe. Ich habe einen Überrollkäfig im Auto. Und eine Diskokugel am Innenspiegel hängen.

Eigentlich war ich damals ja gar nicht auf der Suche nach einer Karre, weil ich bei Wind und Wetter Motorrad gefahren bin. Über einen Bekannten wurde mir das Auto dann von einem Bastler angeboten. Das war alles etwas kurios: Der stand betrunken bei mir und wollte das Auto loswerden. Und bei dem Preis sagt man ja nicht nein.

Im Stich gelassen hat mich mein Auto bisher zwei Mal. Am blödesten war das, als ich bei der Bundeswehr war, da stand der Golf 14 Tage lang bei minus 15 Grad draußen. Der Schneeschieber hat ihn immer weiter zugeschoben, und am Ende mussten wir ihn zu viert aus dem Schnee ausgraben.

 Kein Wunder, dass mein Auto dann nicht mehr anspringen wollte – die Batterie war einfach leer. Die Doofmänner von der Bundeswehr waren nicht in der Lage, mir ein Starthilfekabel zu geben. Deswegen bin ich mit dem Zug nach Hause gefahren und habe erst mal eine volle Batterie geholt. Ob ich manchmal lieber ein anderes Auto hätte? Ja, einen alten Audi S1 Quadro. Das ist im Prinzip das gleiche Auto, nur mit Allrad und dickem Motor (200 PS). Aber bis dahin fahre ich weiter mit diesem. Wenn was kaputt geht, repariere ich es. Bis es gar nicht mehr geht.“

 

Sebastian Moos

Sebastian Moos (20 Jahre) mit seinem BMW 118d (Baujahr: 2008). Kilometerstand: 109.138m. Verbrauch auf 100 km: 5,1 Liter Diesel.

 „Ich hab mich erst mit dem Gedanken an ein eigenes Autos beschäftigt, als ich die Zusage für mein duales Studium bekam. Ab dann verfügte ich nämlich über das ausreichende Geld für den Unterhalt und die Anschaffung. Ich muss in meiner Ausbildung beim Finanzamt jetzt aber auch regelmäßig weite Strecken zurücklegen, mit Bus und Bahn kann ich da einfach nicht fahren.

Mein BMW hat 13.000 gekostet. Das war im Februar 2012. Der Vorbesitzer war ein alter Herr, der das Auto sehr gepflegt und geschont hat. Davon konnte ich mich anhand der lückenlosen Wartungshistorie überzeugen. Und während der Probefahrt fiel mir auf, dass auch das Fahrgefühl dem eines Neuwagens glich – so ein sanftes Dahingleiten.

Der Preis mag für ein Einsteigergefährt zwar hoch sein, aber die anschließenden Kosten blieben in einem kalkulierbaren Rahmen.

Klar hätte es ein anderes Auto auch getan, aber ich erfreue mich einfach so an besonderer Technik – und da hat der kleinste BMW einiges zu bieten: Heckantrieb, extrem cooles Handling (so direkt und doch komfortabel fährt kein anderes Auto dieser Klasse), ein längs eingebauter Motor (der ohnehin schon leise Motor wird dadurch noch leiser und ist im Innenraum kaum noch zu hören – auch bei schnellen Autobahn-Etappen muss man sich nicht anbrüllen)...

Was mich auch immer wieder freut, ist der Kontrast zwischen der für die Kompaktklasse relativ aufwendigen Technik und der Entspanntheit des Innenraums. Man setzt sich einfach rein, fährt los und lässt sich nicht durch irgendwelchen Schnick-Schnack ablenken.

Ich habe mir mal auf dem Weg zu einem Termin einen Platten gefahren. Die Fahrt war damit natürlich beendet, und der Termin ist auch geplatzt. Aber sonst war noch nichts.

So schnell kaufe ich mir also kein anderes Auto. Ich möchte mein Glück, das ich mit diesem hatte, nicht überstrapazieren. Einen Neuwagen kann ich mir in der Klasse eh nicht leisten, also fahre ich meinen BMW, bis er platt ist.

Im Sommer geht’s mit ein paar Freunden nach Kroatien zum Camping. Dann wird mein Auto wieder zum Hort der Freude. Den Motor wird man bestimmt nicht hören. Aber unser Lachen!“

Mara Schumacher

 

Mara Schumacher (20 Jahre) mit „Rocky“, abgeleitet von „Rocket“, weil er mit seinen unschlagbaren 45 PS abgeht wie ‘ne Rakete! (Baujahr: 1987). VW Polo, Typ 6N. Kilometerstand: 89.956. Verbrauch auf 100 km: 6 Liter.

 „Mit Bestehen meiner Führerscheinprüfung lag ich meinen Eltern in den Ohren, wie toll doch ein eigenes Auto für mich wäre. Irgendwann wurde mir klar, dass ich mir keins leisten kann und es wohl nix werden würde.

Als ich dann an meinem 18. Geburtstag von meiner Patentante eine Box mit einem Schlüssel bekam, konnte ich’s nicht fassen. Ich wurde mit verbundenen Augen in den Hof geführt, wo der geschmückte Rocky wartete. Ich heulte so vor Freude, dass die Nachbarn dachten, es sei Beerdigung statt Geburtstag angesagt.

Der Preis kam mir nie zu Gehör. Aber mit dem Auto wurde mir ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit geschenkt. Ich hätte mich natürlich über jedes Auto unglaublich gefreut, aber ich muss gestehen: Gott sei Dank war es kein Corsa!!!

Mit Rocky hatte ich mein persönliches Paradiesvogel-Museum auf vier Rädern: Zebrafell-Sitzbezüge, Alu-Fußmatten, ein pinker Wackeldackel, Lufterfrischer im Alufelgen-Design, die den Duft von Popcorn und Zuckerwatte versprühten, und ein pinker „Tussi on Tour“-Aufkleber hinten an der Scheibe.

Weil meine beste Freundin und ich oft bescheuerte Ideen haben, wollten wir im Winter ,ganz cool’ mit Rocky bei uns im Dorf driften. Wir Auto-Spezialisten bedachten natürlich nicht, dass das mit Frontantrieb eher so semi-erfolgreich ist. Nach etlichen Fehlversuchen und Lachanfällen gaben wir noch mal Vollgas, und unsere ,Fast & Furious’-Aktion endete mit einer Rutschpartie in den nächsten (sehr matschigen) Graben. Der dreckige Rocky musste von einem Trecker gerettet werden, und wir standen dusselig daneben. Peinlich.

Auch sonst muss ich zugeben: Das Klischee „Frau am Steuer: Ungeheuer“ bei mir stimmt leider. Zweimal bin ich gegen einen Zaun gebrettert, einmal volles Rohr gegen unser Garagentor und einmal gegen einen Baum. Rockys komplettes Heck war irgendwann eine einzige Delle. Mir oder anderen Leuten ist Gott sei Dank nie was passiert, aber den Baumschaden musste ich der Polizei melden, weil ich bei meinem Malheur beobachtet worden war und ja schwere ,Sachbeschädigung am Stadteigentum (Stadtgrün)’ betrieben hatte.

Wenn es über Nacht geregnet hatte, sprang Rocky morgens nicht an. Das war oft der Grund, warum ich zu spät zur Schule kam. Vielleicht wollte er mich damit gar nicht im Stich lassen, sondern mir behilflich sein.

Rocky war meine erste große Blech-Liebe. Ein anderes Auto wollte ich nie. Ich hätte mich nur auf eine Affäre mit dem Audi TT RS eingelassen. (Obwohl Kritiker behaupten, dass ich mit 340 PS unterm Arsch gar nicht fertig werden würde, wenn ich selbst einen Polo schon überall gegenfahre.) Leider wurde unsere Liaison jäh beendet. Hätte Rocky keinen Motorschaden gehabt, wäre ich garantiert noch mit ihm ins Grab gefahren.“

 

Maik Hoops

Maik Hoops (19 Jahre) mit dem „WC-Mobil“ (Baujahr: 1993), Mercedes-Benz 124 T, Kilometerstand: 295.000, Verbrauch auf 100 km: 9 Liter.

„7.500 Euro hat das Auto gekostet. Meine Eltern haben das gekauft. Papa sagt: ,Weil der gut war… Und viel Platz und so.’ Stimmt.

Der Mercedes-Stern wurde abgebrochen. Und weil auf der Heckscheibe ,WC-Mobil’-Werbung klebt, wird der Wagen überall als ,Das WC-Mobil’ bezeichnet. Fälschlicherweise. Aber einige haben das wohl falsch verstanden. Egal, mich stört der Name sowieso nicht.

Das Auto hat eine Macke: Wenn ich die Fahrertür aufschließe, entriegelt sich die Wegfahrsperre nicht immer automatisch. Dann muss der Wagen noch mal ab- und an einer anderen Tür wieder aufgeschlossen werden. Als das das erste Mal passierte, wusste ich nicht, woran es liegen könnte und kam nicht vom Fleck, obwohl ich dringend zum Bahnhof gemusst hätte.

Und einmal hatte ich auch einen Unfall mit dem ,WC-Mobil’ – da bin ich aus’m Maisfeld auf die Straße gerollt und hab ‘nen Pferdeanhänger gerammt. Aber sonst bin ich zufrieden und hätte kein anderes Auto lieber. Ich könnte mir momentan aber auch keins leisten.“

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