Ein Besuch in der „LateLine“-Live-Show von Jan Böhmermann

Schnell weg vom Thema!

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Live-Sendung: Die "LateLine" mit Jan Böhmermann im Weserhaus von Radio Bremen

„Ey, da ist einer! Ey, hallo – da ist einer draußen! Da ist ‘n Mann mit Fahrrad! Willst Du mal reinkommen?“, fragt Jan Böhmermann und untermalt seine Frage mit viel Armgefuchtel. Unter großem Gelächter und Applaus wird dem Radfahrer die Glastür zum Weserhaus geöffnet.

Von Jannis Hartmann (18 Jahre) aus Bremen

Marten heißt er und ist extra mit dem Rad zum Weserhaus gefahren, um sich die Sendung durch die Scheibe anzusehen. Jetzt ist er mittendrin in der „LateLine“.

Die Talksendung aus dem Weserhaus wird bei Radio Bremen produziert. Auch fürs Fernsehen. Heute um 23.04 Uhr läuft die nächste.

Aber zurück ins Studio. Es ist heiß. Einerseits aufgrund der Scheinwerfer, andererseits aufgrund des Publikums, das teilweise von sehr weit her angereist ist, um die Live-Show zu sehen. Aber vor allem sind alle heiß auf Jan Böhmermann.

Der übernimmt auch gleich das Kommando im Saal. Während aus dem Flur noch die Klänge Jans eigener Interpretation von „Starlightexpress“ hallen, wird im Studio eingezählt. Die „LateLine“-Titelmelodie, dann betritt Jan Böhmermann unter großem Applaus das Studio.

Dass der mit Fahrrad aus Gröpelingen angereiste Marten nicht die einzige Überraschung an diesem Abend sein wird, kann das Publikum nicht wissen. Aber wer kann überhaupt schon was wissen bei einer Sendung, die selbst für den Moderator immer wieder ungeahnte Wendungen bereit hält. Das ist der Reiz der Show, die alle zwei Wochen donnerstags nicht nur im Radio gesendet, sondern auch auf Eins Plus zu sehen ist.

Klar gibt’s ein Thema zur Sendung, aber das ist eher Albibi. Wer die „LateLine“ kennt, der weiß ohnehin, dass es kaum eine Rolle spielen wird. Nichtsdestotrotz nimmt Jan unter dem Motto „Todesfalle Internet“ den ersten Anrufer „Fabio aus Kassel“ dran, um mit ihm über den neuen Flughafen Kassel zu sprechen. Als Nächster ist Stammanrufer „Alex aus Gießen“ in der Leitung. Allein das Nennen seines Namens reicht aus, dass alle im Studio Beifall klatschen. Da kommt „LateLine“-Familiengefühl auf. Ganz Fernseh-Deutschland kann Teil dieser Sendung sein, und doch fühlt man sich hier im Studio sehr familiär, während man im Hintergrund durch die Glasscheiben des Weserhauses das nächtliche Bremen sieht.

Als Jan seinen Gast Jaennine Michaelsen, die Internetexpertin vom ZDF, zu sich auf die Bühne ruft, wirkt sogar das Thema des Abends passend. Vor einem halben Jahr saß Jeannine schon mal am runden Tisch bei der mittlerweile nicht mehr fortgeführten Show „Roche und Böhmermann“. Jetzt sitzen sich die beiden auf zwei großen alten Ledersesseln gegenüber, in der Mitte ein aufgeklapptes Laptop und ein Telefon. Und wie immer: Schnell weg vom Thema! Lieber über ihre gemeinsame Leidenschaft sprechen: Musicals. „I’m just a sweet transvestite“, singt Jan Böhmermann, „from transexual transylvania! Ha, ha!“

Das unumstrittene Highlight bietet an diesem Abend aber Telefonpartner „Max aus Bremen“. Als er erwähnt, zu Hause gerade nur in Boxershorts vorm Fernseher zu stehen, sich Jan deswegen aber nicht zu fürchten brauche, hört man im Publikum die ersten „der glaubt doch nicht wirklich, man könne ihn jetzt gleich auch sehen...“-Bemerkungen. Die Pointe lässt nicht lange auf sich warten: „Ich lauf’ hier rum, und Ihr“, fragt Max, „könnt mich gerade sehen, oder was?!“ Das Publikum ist nicht mehr zu halten. Und Jan Böhmermann: „Willkommen bei ,Versteckte Kamera’! Wir haben einen Trojaner auf Deinem Notebook installiert und konnten durch Deine Notebookkamera seit zwei Wochen bei Dir ins Jugendzimmer gucken! So viel zum Thema ,Todesfalle Internet’!“

Als später Marten mit Fahrradhelm auf die Bühne tritt, ist die Sendung schon fast vorbei. Ein Verkupplungsversuch, ihn mit der Anruferin Maria zusammenzubringen, scheitert. Marten wird samt Fahrrad wieder in die Nacht entlassen. Als letzter Anrufer sorgt „Taxi-Hauke“ noch mal für Lacher. Der erzählt, dass er schon häufig Probleme mit Nazis gehabt hätte, die ihm ständig vors Auto laufen. Jan daraufhin: „Was ist eigentlich mit den Nazis los? Ein Thema, was man vielleicht mal in der nächsten Sendung besprechen könnte...“

Als alles zuende ist, stürmen viele zur Bühne, möchten ein Foto mit oder ein Autogramm von Jan. Auch ich lasse mich mit ihm fotografieren. Als Erinnerung an einen Abend, der mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

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