"Be like Bill" wird zum Moralapostel in den sozialen Netzwerken

Bill besteht nur aus Strichen, aber Bill ist schlau

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Der schlaue Bill.

Von Mara Schumacher. Dank sozialer Netzwerke kann jeder seinen Freunden und Bekannten mit irgendwelchem Kram tagtäglich so richtig auf die Nerven gehen: Spieleanfragen für Candy Crush, Bilder vom veganen Mittagessen oder der überflüssige Post "Schneit draußen". Glücklicherweise gibt es Bill. Bill macht diese Dinge nicht, denn Bill ist schlau.

Das Strichmännchen gibt es seit Anfang Januar, mehr als 1,4 Millionen Facebook-User haben seine Seite "Be like Bill" bereits geliked. Das Profil greift mit simplen Sprüchen und Bildern vor allem Verhaltensweisen von Web-Usern auf, die absolut nervtötend sind. Leute, die jeden Quatsch teilen, in dem Glauben, dabei Shopping-Gutscheine zu gewinnen oder fremde Menschen vor Krebs zu schützen (und sich dann wundern, woher der PC-Virus kommt). Leute, die bei jeder Gelegenheit in die Web-Welt hinausposaunen, dass sie Veganer sind und jeden Wurst-Liebhaber zur Sau machen.

Oder Leute, die jeden Tag die schweißtreibende 100-Kilometer-Strecke posten, die sie gejoggt sind. Bill geht auch joggen, aber er erzählt es nicht jedem. Weil es fast niemanden interessiert, durch welchen Wald Bills dünne Strichbeinchen gelaufen sind. Bill ist schlau. Wir sind manchmal nicht so schlau. Wir denken, enorm wichtig zu sein und sind in dem Irrglauben, dass jeder uns und unsere Aktivitäten unheimlich spannend findet. Ist aber nicht so.

Das Grinse-Männchen fungiert als eine Art Ratgeber. Ein freundlicher Moralapostel, der dezent darauf hinweist, dass wir uns manchmal echt idiotisch verhalten und in unserem Online-Leben auch einfach mal die Klappe halten sollten. Jede Botschaft endet mit "Bill is smart. Be like Bill". Von seinem "Kodex" können wir uns alle eine Scheibe abschneiden und vor dem nächsten Post vielleicht einmal mehr darüber nachdenken, wer sich tatsächlich für unseren Mist interessiert. Vielleicht kann Bills Vorbildfunktion tatsächlich dafür sorgen, dass wir uns nicht mehr so oft gegenseitig auf die Nerven gehen. Wäre doch schön.

Best of Bill

Bill postet nicht ständig seine Jogging-Strecke mit seiner App. Niemand feiert ihn dafür, dass er dieses Mal 18 statt 15 Kilometer geschafft hat, bevor er keuchend zusammengebrochen ist. Bill ist schlau.

Bill sieht auf Facebook etwas, was er beleidigend und verletzend findet. Trotzdem rastet er nicht komplett aus und fängt an, in den Kommentaren rumzupöbeln. Bill weiß, dass es nichts bringt. Bill ist schlau.

Bill postet nicht jeden Tag sieben Selfies von sich und verwendet in der Bildunterschrift nur Hashtags, weil er weiß, dass niemand Lust hat,  sich die unübersichtliche Buchstabensuppe durchzulesen. Zudem weiß jeder, wie Bill aussieht. Niemand braucht Selfies. Bill ist schlau.

Bill ist vegan. Trotzdem erzählt er es nicht ständig jedem, weil nicht alle vegan sind und ihnen es komplett egal ist, wie eine Tofu-Wurst zubereitet wird. Außerdem weiß Bill, dass ihm keiner einen Orden verleiht, nur weil er keine tierischen Produkte isst. Bill ist schlau.

Bill hat Hunger und kocht sich etwas zu essen. Er kocht tatsächlich, anstatt Bilder von den Zutaten bei Instagram hochzuladen. Wozu auch? Jeder weiß, wie Käse aussieht und wo es ihn zu kaufen gibt. Bill ist schlau.

mas 

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