Schluss mit Schulstress:

Pauken ohne Psychokollaps

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Wie soll ich mir denn gleichzeitig binomische Formeln, griechische Mythologie und Intervall-Abfolgen merken...? chili-Autorin Aline Knake hat für Euch Lerntipps parat, die sie in der Schule und im Studium getestet hat. Wie das in der Praxis aussah, hat unser Zeichner Jan-Christopher Hoffmann auf diesem Bild dargestellt.

chili-Autorin Aline Knake (19) weiß, wie Ihr Euch am besten und stressfreisten auf Klausuren und Prüfungen vorbereitet. Und habt Ihr ein Glück - sie verrät's Euch auch noch:

Von Aline Knake (19 Jahre) aus Syke

Ich hab nie viel für die Schule gelernt. Mitschüler, die vor Arbeiten hektisch mit fünf doppelseitig und in kleinster Schrift beschriebenen Lernzetteln rumgelaufen sind, habe ich immer belächelt. Ich hatte verdammtes Glück, eine von denen zu sein, die mit geringem Aufwand immer irgendwie durchkamen und sich nie große Gedanken über Noten machten – bis... Ja, bis die Abiturprüfungen kamen.

Ein Jahr vor diesen Klausuren, so um die Osterzeit herum, sagten unsere Lehrer, wir sollten in den Ferien am besten schon mal unsere Unterlagen sortieren. Vor den Herbstferien hieß es dann: „Jetzt solltet Ihr spätestens mit dem Lernen anfangen.“ Mach ich. Klar. Bald. Ist ja noch hin. Im Sachen-vor-mir-Herschieben war ich schon immer super.

Einen Monat vor der ersten Prüfung brach dann Panik aus. Ich glaube, ich hab für die Abi-Prüfungen mehr gelernt als insgesamt in meiner Schulzeit.

Tage lang – und Nächte lang – hab ich plötzlich massenhaft doppelseitige Lernzettel zusammengestellt. Rund um die Uhr saß ich am Schreibtisch, umgeben von Büchern und Zetteln – ohne mitzukriegen, dass draußen die Sonne schien. Schmerzlich habe ich zum allerersten Mal festgestellt, dass man sogar für Deutsch lernen muss: Gedichtformen, Unterschiede von Komödie und Tragödie, Epochen...

Irgendwann bin ich zusammengebrochen. Ich saß inmitten meiner Aufzeichnungen über die gesamte Literaturgeschichte – und heulte. Gar nicht unbedingt aus Verzweiflung oder Angst, dass ich versagen könnte. Mein Kopf war nur so voll, dass irgendwas rausmusste. Ich war der festen Überzeugung: Wenn ich mir noch ein einziges Datum, einen einzigen Namen, eine einzige Formel merken muss, dann platzt mein Kopf! Mein Freund schlug vor, zur Ablenkung in den Tierpark zu gehen. Nur noch zwei Wochen bis zur Prüfung, und ich wagte es, einen Nachmittag Spaß zu haben! Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich am nächsten Tag die Deutsch-Klausur auch nur knapp bestehe...

Um die Spannung vorwegzunehmen: Ich hab 15 Punkte gekriegt. Wahrscheinlich, weil ich am Tag vorher entspannt habe.

Wenn ich jetzt auf die Prüfungen zurückblicke, muss ich daran denken, was meine Philosophie-Lehrerin uns gesagt hat: „Das ist wie beim Seepferdchen-Abzeichen – man kann schwimmen, aber vor der Prüfung hat man trotzdem tierisch Angst.“

Sie hatte Recht. Wir lassen uns vor Prüfungen unglaublich unter Druck setzen – von Lehrern, Eltern und uns selbst. Man denkt, man kann sich niemals alles merken, was man wissen muss. Und damit macht man alles viel schlimmer. Man stresst sich so sehr, dass man irgendwann gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht.

Mein Tipp an alle, die im Prüfungsstress stecken: Mal ‘ne Pause machen. Mit Freunden was unternehmen. Fernsehen. Essen gehen. Schlafen! Und rechts noch ein paar Tipps, die ich in den letzten Jahren gelernt habe – und die funktionieren.

Schritt 1:

MACH DIR 'NEN PLAN

Das größte Problem beim Lernen ist für die meisten von uns das Anfangen. Hätte ich mir rechtzeitig Gedanken darüber gemacht, was ich wirklich wissen muss, dann wäre der Stress gar nicht nötig gewesen. Also: Verschafft Euch erst mal (am besten möglichst früh) einen Überblick, welche Themen Ihr können müsst. Macht Euch Pläne, Mind- Maps und Listen. Dann legt Ihr fest, was Ihr wann machen wollt. Mir ging es am Anfang so, dass ich gar nicht wusste, womit ich anfangen soll. Statt mich mit einer Sache richtig zu beschäftigen, hab ich alles ein bisschen gemacht und dabei GAR NICHTS gelernt.

Schritt 2:

DEIN ARBEITSPLATZ

Ich bin ganz sicher nicht die Einzige, die es sich zum Lernen gerne auf dem Sofa oder im Bett bequem macht. Aber das Problem ist: Wenn es zu gemütlich ist, schaltet das Gehirn automatisch ab, und die Lernfähigkeit sinkt. Also lieber am Schreibtisch arbeiten. Und zwar an einem aufgeräumten: Alles, was Ihr zum Lernen nicht benötigt, muss weg – das lenkt nur ab! Genauso wie Handy, Computer, Facebook & Co. Ich kenne sogar ganz Mutige, die vor dem Abitur ihr Facebook-Profil gelöscht haben. Soweit muss man ja nicht gehen, aber beim Lernen solltet Ihr nicht online sein, sonst verschwendet Ihr viel zu viel Zeit.

Sorgt auch dafür, dass das Zimmer, in dem Ihr lernt, immer gut gelüftet ist. Beim vielen Denken und Schwitzen kann die Luft nämlich echt schon mal ganz schön dick werden. Am besten jede Stunde das Fenster aufmachen und ein bisschen durchs Zimmer gehen.

Sorgt auch dafür, dass Euch keine Geräusche stören. Für Geschwister, Eltern und Haustiere ist Euer Zimmer Sperrzone! Summende Elektrogeräte müssen weg oder ausgeschaltet werden. Nur Musik ist erlaubt, wenn Ihr mögt. Manche Leute lernen besser bei Hintergrundmusik. Dabei muss es nicht mal Klassik sein, wie viele glauben – Studien haben ergeben, dass der Lernerfolg bei der Musik am höchsten ist, die man am meisten mag. Das gilt aber nicht für jeden. Ich selbst kann mich nicht mal bei leiser Lieblingsmusik konzentrieren.

Wie soll ich mir denn gleichzeitig binomische Formeln, griechische Mythologie und Intervall-Abfolgen merken...? chili-Autorin Aline Knake hat für Euch Lerntipps parat, die sie in der Schule und im Studium getestet hat. Wie das in der Praxis aussah, hat unser Zeichner Jan-Christopher Hoffmann auf diesem Bild dargestellt.

EINE TYP-FRAGE:

WELCHER LERNER BIST DU?

Der visuelle Lerner

Auch wenn ich mich nicht genau an Details erinnern kann – ich weiß oft, auf welcher Seite oder an welcher Stelle im Buch das, was ich wissen muss, steht. Wenn ich mir die Seite dann bildlich vorstelle, fällt es mir meist wieder ein. Wenn es Dir genauso geht, bist Du wie ich ein visueller Lerner.

Mind-Maps helfen uns, weil man sie sich viel besser vor Augen rufen kann als lange Texte. Vor allem, wenn sie bunt sind. Darum finde ich es hilfreich, wichtige Stichworte farbig zu markieren.

Auch Karteikarten sind praktisch. Die kann man mit sich rumtragen und sie bei nervigen Wartezeiten (zum Beispiel im Bus oder an der Supermarkt-Kasse) mal eben schnell für eine Blitz-Lern-Session rausholen.

Große Plakate mit den Lerninhalten anzufertigen finde ich noch besser. Die hänge ich mir dann ins Zimmer, dann kann man sie immer wieder durchlesen – beim Aufwachen, beim Abwaschen, beim Haareföhnen.

Matheformeln kann ich mir super merken, indem ich sie in lustige Zeichnungen einbaue. Man braucht dafür kein künstlerisches Talent – kritzelt einfach witzige Bilder, die für Euch zu der Formel passen – Ihr werdet Euch garantiert daran erinnern können. Das Gelernte in eigenen Worten zusammenfassen und sich selbst zu erzählen, ist erst mal komisch. Man merkt dabei aber, was man noch nicht verstanden hat und übt ganz nebenbei für die mündliche Abfrage.

Der kommunikative Lerner

Der kommunikative Lerner erarbeitet sich Wissen am besten im Gespräch. Wenn Dich Deine kleine Schwester also nervt und wieder mal alles wissen will, was Du so tust – dann erklär es ihr doch einfach, unzwar bis ins kleinste Detail! Dabei merkt man sofort, wo man noch Defizite hat, was man selbst nicht verstanden hat – und die neugierige kleine Schwester lässt Dich nächstes Mal garantiert in Ruhe...

Und wenn Dir der Kopf raucht vom vielen Ernst des Lernens, dann mach aus dem Stoff einfach ein Quiz im Stil von „Wer wird Millionär?“ und lade Freunde oder Familie zum Spielabend ein.

Der motorische Lerner

Du bist hibbelig und musst immer irgendwas machen? Kein Problem: Beweg Dich, lauf beim Lernen durch den Raum. Versuch, jede Formel lebendig und bildlich zu machen. Lern Mathe statt mit bloßen Zahlen, indem Du den Rauminhalt Eures Hauses ausrechnest. Und wenn Du Texte auswendig lernen musst (zum Beispiel eine Rede von Martin Luther King), dann hilft Theater: Spiel alles dramatisch vorm Spiegel vor! Für motorische Typen sind auch Lerngruppen sehr geeignet.

Der auditive Lerner

Dieser Lerntyp nimmt den Stoff am besten auf, indem er jemandem zuhört. Ich kenne viele, die zum Beispiel Vokabeln als Audiodatei aufnehmen und beim Joggen oder auf einer langen Bahnfahrt immer wieder anhören.

Eine Methode, die auch gut funktioniert, ist: Jahreszahlen, Ereignisse und Matheformeln zu vertonen – am besten mit der eigenen Lieblings-Melodie. Endlich mal ein sinnvoller Ohrwurm, bei dem keine überflüssigen, albernen Textzeilen, sondern wirklich wichtige Dinge hängen bleiben.

Manche verpacken auch Zahlen und Fakten in Raps, Reime oder Gedichte. Denn wenn es sich reimt, kann man etwas auch mal vergessen – man kommt aber relativ schnell wieder drauf.

Sich selbst Texte aus einem Buch laut vorlesen kann auch schon beim Merken und Konzentrieren helfen. Vor allem für Philosophie habe ich das immer gemacht. Natürlich kommt man sich ein bisschen doof dabei vor. Aber gerade, wenn eine mündliche Prüfung ansteht, gibt das Üben auf diese Art Sicherheit.

Manche meiner Freunde gehen sogar soweit, dass sie sich vor einen Spiegel setzen, ein Thema selbst erklären und sich auch noch dabei anschauen. Ich selber finde diese Methode für mich aber zu seltsam und stelle mir deshalb einfach nur vor, dass jemand im Raum ist, dem ich alles erzähle.

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