„Jeder Test rät mir, zum Psychologen zu gehen“

LaDolce Vegas.

Berlin - Sie singt den „Nase-zu-Blues“, tanzt zu Coversongs von Kraftwerk und gibt Konzert-, Kleidungs- und Einrichtungstipps. „LaDolce Vegas“ wohnt auf der imaginären Neverlandranch, umgeben von rosa Ponys – und jeder kann an ihrem Leben im Internet teilhaben.

Die 22-jährige Berlinerin dreht regelmäßig Videos und bloggt Beiträge auf ihrer Internetseite www.ladolcevegas.de. Mit mehr als 200 Videos auf „MyVideo“ gehört die selbsternannte Regisseurin zu den beliebtesten Mitgliedern der Internetplattform. In der Sendung „TRL“ auf MTV hatte sie sogar ihre eigene Videokolumne.

Wie bist Du auf das Pseudonym „LaDolce Vegas“ gekommen?

Die lustige oder die wahre Version? Letztere ist so unspannend, dass dem geneigten Leser wahrscheinlich die Worte „Wie? Das war’s?“ durch den Kopf huschen werden. Es fing vor sieben Jahren an, als ich mich im Chat von „Die Ärzte“ registrierte und mir den Nicknamen „NiemehrlasVegas“ verpasste. Zu dieser Zeit war mein absoluter „Ärzte“-Lieblingssong „Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas“. Da der Name für die anderen Chatter zum Ausschreiben viel zu lang war, fingen sie an, mich „Vegas“ zu nennen! Das „LaDolce“ davor war nur ein spontaner Einfall.

Warum drehst Du Videos?

Manche behaupten, ich würde Aufmerksamkeit brauchen, was zusätzlich mit einer Menge Langeweile gepaart sei. Und ich finde die Aussage gar nicht so falsch. Ich finde es schön, im Mittelpunkt zu stehen – das sollten mehr Menschen auch einfach mal zugeben. Aber bitte nicht zu oft, denn im echten Leben bin ich viel ruhiger – das bringt mein Ying und Yang wieder in Ordnung.

Worum geht es in Deinen Filmen?

Hauptsächlich um Krieg, Frieden, Bananen, Weltherrschaft und gute Musik, aber eigentlich auch um alles andere. Zum Beispiel weibliche Frösche, die bei der Paarung drohen erstickt zu werden! Aus diesem Grund hab ich den Verein „OGOGdaFKmalngtss“ gegründet: „Oh Gott – Oh Gott. Die armen Frösche. Kann man aber leider nichts gegen tun. Schade, schade“.

Seit wann drehst Du Videos?

Angefangen hat es, als ich mit neun Jahren Papas Kamera in die Hände bekam. Was ein sehr seltsames Ereignis war, da mein Papa mich nicht mal an den VHS -Rekorder gelassen hat. Es folgten Barbie-Talkshows und Krimis wie „Bobby und Shorty – Zwei Meerschweinchen in Gefahr“. Mein erstes Onlinevideo hab ich dann am 3. Juli 2006 um 15.14 Uhr hochgeladen.

Wie produzierst Du Deine Filme?

Papas Kamera war schnell kaputt – das Experiment, mit Inlineskates einen Berg runterzufahren und dabei zu filmen, war wohl zu viel gewollt. Es folgte eine billige Webcam ohne Schnittsoftware. Dementsprechend waren die Videos lang und nicht gerade sehenswert. In den nächsten Jahren habe ich dann mehr und mehr in mein Hobby investiert und bin nun stolze Besitzerin einer HD-Kamera, eines iMacs inklusive Schnittprogramm und von Eltern, die mich unterstützen, um mir meinen Traum zu verwirklichen.

Woher nimmst Du die Ideen?

 Es gibt zwei Antworten, die ich mir zurechtgelegt habe. 1.) Ein Zauberer verrät nie seine Tricks. 2.) Ich bin bei einer Fahrradtour in einen Graben gefallen, und seitdem fallen mir die schrägsten Dinge ein. Um ehrlich zu sein, gibt es nur eine Formel: Inspiration + kreative Momente + geheime Formel X (die ich selbst nicht kenne) = (meist seltsame) Videoideen.

Hast Du Vorbilder?

Eine ganze Menge sogar, aber auf Platz eins steht unangefochten Quentin Tarantino. Er macht genau das Gegenteil von dem, was in Hollywood-Drehbüchern steht, ist Meister des unchronologischen Filmablaufs und sagt so schlaue Sätze wie: „Regisseure klauen nicht, sie machen eine Hommage.“ Deine Videos wurden schon in der MTV-Sendung „TRL“ gezeigt.

Wie kam es dazu?

Eines Tages bekam ich eine E-Mail von einer Produktionsfirma namens „Riesenbuhei“, die mich nach Hamburg zum Ideenaustausch einlud. Eigentlich wollte sie MTV ein Konzept für eine ganze „Vegas Show“ präsentieren, nach dem Motto „Eremit goes TV“, aber dafür war die Welt anscheinend noch nicht bereit. Ein halbes Jahr später – ich saß in Köln bei einem Praktikum bei Clipfish – rief mich MTV an und bot mir drei Minuten Sendezeit bei „TRL“ an. Ich war total aus dem Häuschen, rannte wie wild im Kreis und zitierte lauthals seltsame Haikus (eine japanische Gedichtform). Zehn Monate war ich dann ein Teil vom Ganzen, jedoch wird „TRL“ leider abgesetzt. Das heißt: Weniger Herzinfarkte für mich, denn mich im Fernsehen zu beobachten, war jedes Mal sehr nervenaufreibend, aber auch sehr schön!

Wie viel Zeit verbringst Du am PC und im Internet?

Zu viel! Jeder Onlinetest gibt mir die höchste Punktzahl und rät mir, zu einem Psychologen zu gehen. Aber so ist es nun mal, wenn sich Arbeit und Hobby überschneiden. Was keiner glaubt: Ich verlasse auch manchmal meinen Keller!

Wo bist Du im Internet überall vertreten?

Neben meinem Blog überall dort, wo lustige Menschen mir eine Freundschaftseinladung schicken können! Auf Videoplattformen wie Clipfish, Youtube und Myvideo. Auf Kommunikationsplattformen wie Myspace, MeinVZ , Twitter und Facebook. Mein Nickname ist übrigens bei 90 Prozent „LaDolce Vegas“.

Wie kamst Du auf die Idee, einen Blog zu erstellen?

Homepages mache ich, seit ich das Internet entdeckt habe. Früher bestanden sie aus lauter tanzenden GIF-Bildern und eintöniger Musik. Vor 1,5 Jahren bin ich – wie immer ziemlich spät – dem Trend hinterher und habe einen Blog gebastelt. Für mich neben den Videos die beste Art, mein Gedankengut ins Internet zu streuen.

Worum geht es in Deinem Blog?

Er besteht so ziemlich aus dem Kram, aus dem meine Videos gemacht sind. Mit dem Unterschied, dass User viel mehr daran teilnehmen können. So gibt es Umfragen und Filmratespiele, die aus von mir (sehr schlecht) gezeichneten Bildern bestehen. Natürlich kann man auch meine Videos sehen und muss sich nicht durch zahlreiche Videoplattformen kämpfen. Außerdem mache ich jeden Tag ein Bild mit meiner Webcam, das „Picture Of The Day“.

Bekommst Du E-Mails von Fans?

Ja! Eine Datenflut aus Fragen , Kritik, Vorschlägen und netten Worten. Manchmal komme ich leider nicht dazu, allen zu antworten, aber es sei allen versichert, dass ich dadurch ein ziemlich schlechtes Gewissen habe!

Was machst Du sonst so?

Ich gehe brav zur Schule und hole mein versäumtes Abitur nach. Ich schreibe Gedichte, bemale mein Zimmer, spiele Schlagzeug und noch schlechter Gitarre! Wie viele Menschen lese ich ab und zu Bücher und mache verrückte Sachen wie Duschen und Kochen! Letzteres aber zum Wohlgefallen aller nicht häufig.

Was ist Dein Traumberuf?

Früher war es Astronaut, dann haben mir meine Eltern den Floh ins Ohr gesetzt, Netzwerkspezialistin zu werden. Ich wusste nicht, was es war, konnte aber im Kindesalter schon das Laufwerk C formatieren! Wenn ich es mir aber recht überlege, will ich lieber Regisseurin werden! Ich will mich nicht auf eine Arbeit konzentrieren wie schneiden, Licht, Ton oder Drehbuch. Ich will am liebsten alles machen! Ich denke, ich bin auf dem rechten Weg. Vielleicht gibt es aber auch eine Abzweigung, der ich nicht widerstehen kann!

Was wünschst Du Dir für Deine Zukunft?

Viele Videoideen und dass mich die Internetgemeinschaft weiter in meinem Vorhaben unterstützt. Gesundheit für alle und Weltfrieden muss ja nicht mehr erwähnt werden. Ansonsten lass ich mich überraschen. Und: Mögen die rosa Ponys mit Euch sein!

Von Miriam Stenzel (20) aus Achim

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